Das Bild des Tages

  • Noch immer schlüpfen junge Männchen aus den verdeckelten Zellen des verlassenen Nestes der Polistes nimpha. Die wenigen Arbeiterinnen hatten ganze Arbeit geleistet und einiges an Brut aufgezogen. Ich bringe es nicht fertig, diese männlichen Tiere zu töten. Eine Perspektive haben sie ja leider nicht mehr, sie werden nicht mehr versorgt. Es gibt keine Arbeiterinnen mehr. Ich lassen ihnen ein paar Tage, lange leben sie ohnehin nicht.


    Wespenmännchen Polistes nimpha


    Interessant ist, dass die jetzt allein schlüpfenden Männchen nach dem Schlupf sofort das Nest verlassen. Das ist recht ungewöhnlich, denn bei den meisten, zumindest bei den wenigen mir bekannten Arten (...der Polistinen) bleiben die Männchen auf dem Nest, verlassen es zu ihren Kopulationsflügen, kehren jedoch immer wieder zurück. Hier lassen sie sich dann füttern und putzen, beteiligen sich aber auch an der Brutpflege und an der Trophallaxis mit den Larven und Arbeiterinnen. Auch hier blieben die Männchen am Nest, solange es noch Arbeiterinnen/weibliche Tiere gab und beteiligten sich aktiv am Sozialleben.

    Die gegenseitige Fütterung zwischen den Larven und den erwachsenen Tieren spielt bei den sozialen Faltenwespen eine große Rolle, sie tut es aber sicher auch bei anderen sozialen Insekten wie den meisten Ameisen.


    Jedenfalls sind die Männchen der Polistinen sehr nesttreu, kehren immer zurück, bis sie irgendwann im Freiland sterben oder aber, das geschieht auch, vom Nest vertrieben werden. Insofern ist es erstaunlich, dass diese jungen Männchen hier bei mir das Nest sofort verlassen. Es zeigt, wie wichtig auch der soziale Austausch und Kontakt mit den anderen erwachsenen Wespen am Nest ist. Ohne ihn ist die Bindung an das Nest gering.


    LG, Frank.

  • Die jungen Königinnen der Feldwespen hatten irgendwie noch sehr wenig Interesse, ihre Winterruhe zu beenden. Trotz warmer Temperaturen verließen sie kaum einmal das alte Nest, kehrten immer wieder nach kurzer Zeit dort hin zurück und verschliefen dann die ersten Tage. Zucker wurde aber sehr gern genommen, gemischt mit etwas Weiselsaft.


    Wunderschön, dabei rund und gesund.


    Polistes dominula


    Das noch zurückhaltende Verhalten der Königinnen gab mir die Gelegenheit, noch einmal nachzudenken. Was würde geschehen, wenn nicht alle Königinnen zusammen blieben und wenn drei oder mehr verstoßen würden? Was könnte ich dann machen? Wenn es zu Auseinandersetzungen käme und wenn sich eben nicht, wie es eigentlich nötig wäre, sechs der Königinnen einer siebten unterordnen würden? Ausweichen konnten sich die Tiere ja nicht, der Platz im Terrarium ist begrenzt, man würde sich ständig begegnen und es würde am Ende vielleicht sogar zu erbitterten Kämpfen kommen. Dass sieben Königinnen gemeinsam gründen würden, erschien mir auch immer zweifelhafter. Drei oder vier können das sicher, am ehesten und häufigsten vielleicht zwei. Aber sieben?

    Das will ich ja nun gar nicht haben, denn jedes der Tiere verdient eine gute Chance, einen "selbstgewählten" Weg zu gehen. Aber bei der Konstellation wäre es vielleicht dazu gekommen, dass ich irgendwann einzelne Königinnen separieren müsste. Nur wohin? Natürlich kann ich nicht mehrere große Terrarien bereit halten.

    Noch sind die Königinnen einträchtig und friedlich beisammen und sind bereit, gemeinsam ihre Winterruhe fortzusetzen.


    Also lass ich sie ihre Winterruhe fortsetzen. Jetzt bin ich froh, dass die Königinnen nach drei Tagen noch nicht so recht in der Stimmung waren, etwas zu unternehmen. Die kurze Warmphase dürfte ihnen wenig ausmachen, wärmere Perioden erleben diese Wespen auf ihren Nestern auch an den typischen Niststandorten, unter Dachziegeln etc. im Winter, wo sie auf den alten Nestern in Überwinterungsgemeinschaften ausharren. Kurze Warmphasen lösen noch nicht den Drang aus, auszufliegen und mit dem Gründungsverhalten zu beginnen.


    Im Terrarium wird demnächst eine andere, allein gründende Wespe leben.


    LG, Frank.

  • Eine Königin von Vespula germanica erwacht ganz langsam aus der Winterstarre.

    Sie hat sich bereits bewegt, die linken Flügel sind frei und nicht mehr in der typischen Schutzhaltung, in der die wertvollen Flügel von den Faltenwespen während der Winterruhe an den Körper angelegt werden. Die Flügel der rechten Körperseite sind noch an den Körper angelegt, unter den Hinterleib und unter den hinteren Beinpaaren.


    Vespula germanica


    Die Königin soll bei mir ihren Wespenstaat gründen. Ich bin gespannt, ob sie das tun wird und ob das gelingen kann.

    Jetzt wird sie erst einmal einige Tage oder Wochen ausruhen, sich erholen, viel fressen und hoffentlich dann bald den Drang verspüren, ein Nest zu bauen.

    Darüber werde ich berichten. Wenn es klappt...


    LG, Frank.

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