Science update related to ANTs & other hymenoptera

  • Bei einer Diacamma aus Japan wurde gezeigt, dass sie zur Trophallix fähig sind:


    H. Fujioka & Y. Okada (2019) Liquid exchange via stomodeal trophallaxis in the ponerine ant Diacamma sp. from Japan

    https://link.springer.com/arti…1007%2Fs10164-019-00602-9


    Trophallaxis gilt bei Ponerinen als ungewöhnlich, und war nur zwei Gattungen vorher bekannt (Hypoponera und Ponera). Vielleicht ist es aber häufiger, als man vermutet - nur selten werden Versuche dazu gemacht. Unklar ist auch, ob es sich bei der japanischen Diacamma um eine Ausnahme handelt, oder ob alle Diacamma das Verhalten aufzeigen. Vielleicht können Ameisenhalter mit ein paar Versuchen dazu Beobachtungen machen?
    Übrigens hat bei dieser Arbeit der japanische Ameisenhalter und Fotograph Taku Shimada wesentlich mitgeholfen, und Bilder & Tips zu der Arbeit beigetragen.


    Grüße, Phil

  • Das ist super: Jack Longino hat in seinem eigenen Garten in Utah eine neue Strumigenys Art entdeckt und beschrieben. Daraus wurde dann sogar ein kleiner Fernsehbericht gemacht: https://ksltv.com/425563/ant-e…utah-species-in-backyard/
    Jack ist einer der weltweit bekanntesten (und coolesten!) Myrmekologen, und z.B. Hauptverantwortlicher für die immense Artenliste von Costa Rica (beinahe 1000 Arten), die alle anderen amerikanischen Länder in den Schatten stellt ;)


    Grüße, Phil

  • Nacktmulle haben ähnlich dem Ameisen auch blutige Kriege zwischen Kolonien um Revier und Tunnelsysteme, und es wurde beobachtet, dass sogar kleine Nacktmulle von benachbarten Kolonien geraubt werden und anschließend in der fremden Kolonie aufwachsen:


    Press-Coverage:

    https://www.sciencenews.org/ar…IFaROj4vml7VTo0MCYH3pqdcs

    Eigentliche Publikation:

    Brauden & Ingram 2020: Inter-colony invasion between wild naked mole-rat colonies

    https://zslpublications.online…oi/epdf/10.1111/jzo.12834

  • Eine großartige neue Studie über globale Phylogenie und Lebensweise in Formica ist gerade als Preprint (eine Art "Vorpublikation" die noch nicht durch sog. peer review geprüft wurde) erschienen:

    Borowiec, Cover & Rabeling: The evolution of social parasitism in Formica ants revealed by a global phylogenyhttps://www.biorxiv.org/conten…0.12.17.423324v1.full.pdf


    Die Studie enthält einen sehr großen Datensatz über Formica Arten, sowohl ihre Genetik als auch ihre Lebensweisen (plus nah verwandte Außengruppen wie Iberoformica, Rossomyrmex und Polyergus), und umfasst zahlreiche interessante Resultate. Am spannendsten ist vielleicht, dass Sozialparasitismus bei Formica nur auf einen einzigen evolutionären Ursprung ca. 30 Mio Jahre zurückgeht. Inquilismus, also arbeiterinnenloser permanenter Sozialparasitismus, ist übrigens nur von einer einzigen amerikanischen Art bekannt (F. talbotae), deren Vorfahren einen anderen Sozialparasitismus betrieben.

    Daneben deckt die umfangreiche Phylogenie zahlreiche potentielle noch unbeschriebene Arten auf, und einige der lang-vermuteten Verwandtschaftsbeziehungen sind falsch. Besonders interessant ist die Stellung von Formica uralensis (eine moorbewohnede Art in D), die bisher den Waldameisen im engeren Sinne (Formica sensu stricto) zugeordnet wurde. Tatsächlich sitzt sie an einer ganz anderen Position, sie formt nämlich zusammen mit der excsecta-Gruppe (also Coptoformica) die Schwesterngruppe zu allen sozialparasitären Formica.

    Auch in der fusca-Gruppe gibt es Updates: So ist Formica gagates (ursprünglich in der fusca -Gruppe eingeordnet)- tatsächlich die Schwesterart zu den nur in Amerika vorkommenden neogagates und pallidefulva-Gruppen.

  • Noch mehr Nacktmull-News, und was für welche! :S Bei Ameisen und anderen sozialen Insekten ist es vor allen der Geruch, der ein Nestmitglied von einem angehörigen einer anderen Kolonie unterscheidet. Aber bei Nacktmullen wurde jetzt herausgefunden, dass die Rufe der Tiere sich zwischen den Kolonien unterscheiden. Das ist schon ziemlich abgefahren. Die Sprache der Nacktmulle wird dabei kulturell übertragen - lässt man junge Nacktmulle von einer anderen Königin aufziehen, erlernen sie den anderen Kolonie-Dialekt.


    Barker et al. (2021) Cultural transmission of vocal dialect in the naked mole rat

    https://science.sciencemag.org/content/371/6528/503


    Grüße, Phil

  • EIne der absolut coolesten Studien über Schnappkieferameisen wurde gerade veröffentlicht. Darin untersuchen Doug Booher und Kollegen die Evolution von Schnappkiefermandibeln ausschließlich in der Gattung Strumigenys. Strumigenys sind unglaublich artenreich (>900 beschriebene Arten), und haben eine verblüffende Vielfalt an Formen und Verhaltensweisen hervorgebracht. Tatsächlich ist die Formenvielfalt so gigantisch, dass man sie früher in zahlreiche andere Gattungen untergebracht hat (ganze 28! Synonyme, z.B. Pyramica, Smithistruma ... etc), die dann erst später durch monumentale Arbeiten von Barry Bolton und später auch genetischen Arbeiten zusammengefügt wurden. Man hat erkannt, dass diese alle nah miteinander verwandt sind, und die Morphologie von Mandibeln (z.B. Schnappkiefer vs. ohne Schnappkiefer) absolut keinen Rückschluss auf größere Verwandtschaftsbeziehungen gibt

    Bei den vorigen molekulargenetischen Untersuchungen wurde klar, dass sich Schnappkiefer tatsächlich mehrfach unabhängig in Strumigenys entwickelt haben. Aber wie oft? Und wieso ausgerechnet bei Strumigenys? Genau hier kommt die neue Studie ins Spiel!

    Die Forscher haben eine unglaubliche Anzahl an Strumigenys Arten vermessen und micro-CT Scans gemacht, und zwar von Vertretern von praktisch allen Artgruppen (über 100), sodass die gesamte Diversität von Strumigenys erfasst wurde. Sie haben festgestellt, dass bei allen Strumigenys die Evolution der Mundwerkzeuge gleich verlief, und zwar über eine Anfang geringfügig erscheinende Modifikationen des Labrums (Oberlippe) und des Mandibelansatzes. Hierbei wird das Labrum zwischen Fortsätze der Mandibelbasis geklemmt, dann wird Spannung aufgebaut, und das Labrum zurückgezogen und die Mandibeln schnappen zu. Bei einigen Strumigenys ist dieser Schnappmechanismus noch ganz am "Anfang", wobei die Mandibeln kaum geöffnet sind vor dem Zuschnappen. Bei anderen ist das System so weit modifiziert, dass der Öffnungswinkel der Mandibeln auf über 180° gespannt werden. Bei ein paar Arten hat sich der große Öffnungswinkel auch wieder zu einem kleineren Öffnungswinkel zurückgebildet. Ingesamt erfolgte die Evolution der Schnappkiefer mindestens 7 (!) Mal unabhängig voneinander bei Strumgienys.

    Die Arbeit ist voll mit fantastischen Videos, inklusive echter Videoaufnahmen und animierten Zeichnungen, die sehr gut die Evolution darstellen!

    https://journals.plos.org/plos…1371/journal.pbio.3001031


    Grüße, Phil

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