Hallo,
habe jetzt schon in mehreren Beiträgen und auch auf anderen Seiten davon gelesen, dass UV-Licht schädlich für die Brut von Ameisen ist.
Auch gehts bei der roten Folie ja wohl darum, dass das Licht soweit gefiltert wird, dass es die Ameisen nicht wahrnehmen.
a) Gibts da vielleicht einen Link dazu, wo man dies explizit nachlesen kann?
b) Welches UV-Licht ist damit gemeint, UV-A oder UV-B?
c) Die Lichtfilterwirkung bezieht sich ja wohl auch eher aufs UV-Licht, welches ist hierbei gemeint? A oder B?
Ich hoffe, ein paar von euch können mir bzgl. dieser Fragen weiter helfen.
MfG
Andi
Ich finde das Thema auch recht interessant.
Habe bisher aber auch noch keine fundierten wissenschaftlichen Beiträge gefunden.
Habe das Gefühl, dass die meisten Leute sich eine Art und Weise zugelegt haben, wie sie mit der Sache umgehen.
Das mit dem UV-Licht würde ich nicht so kritisch sehen, denn du stellt dein Nest sicherlich nicht direkt in die Sonne. Auch Fenster filtern schon recht stark. Aber man wird sein Nest auch nicht direkt hinter ein Fenster stellen, sodass in der Praxis nur indirektes Licht im Nest ankommt.
Ich habe schon Aussagen gehört, dass es bei "schlecht" sehenden Arten nicht mal unbedingt erforderlich ist, das Nest abzudecken, denn die Kolonie reagiert viel mehr auf das Gefühl einer Höhle => überall sind ihre Pheromone und sie gewöhnen sich an das Licht. Bei Arten die eine gute optische Wahrnehmung haben, sollte man mindestens eine rote Folie anbringen, denn sie würden immer reagieren, wenn jemand vorbei läuft.
Ich selber verwende aktuell die LEE-Folie von Antstore und konnte noch keine negativen Auswirkungen feststellen.
Eine andere Variante wäre wohl das Nest komplett abzudecken. Aber der Einblick ist nicht gegeben und man muss jedes mal die Abdeckung wegnehmen, was zu einer Störung der Kolonie führt. Man wird auch feststellen, das sie sehr panisch reagieren, wenn ein plötzlicher Lichtwechsel stattfindet.
Mir ist also kein Richtig oder Falsch bekannt, hoffentlich konnte ich dir dennoch weiterhelfen.
Vielleicht melden sich ja noch ein paar erfahrenere Halter, die sich ein größeres Wissen angeeignet haben.
LG Denjo
Morgen,
die ganze Geschichte um der Dunkelheit willen ist mir zugänglich. Bei roter Folie hat man einen abgedunkelten Nestbereich und gleichzeitig auch die Möglichkeit, seine Schützlinge gut zu beobachten (auch habe ich schon von einigen Kolonien gehört/gelesen, die lange Zeit oder durchweg im Hellen gehalten wurden).
Mir ging es eben wirklich direkt ums UV-Licht. Welches allgemein gemeint ist und aus welchen Gründen man was wieso und inwiefern verhindern muss.
Seit Jahren betreibe ich Terraristik und habe auch mit UV-Messgeräten meine Späßchen getrieben.
Gerade UV-B Licht wird durch Glas komplett gefiltert, also selbst ohne Nestabdeckung ist immer noch eine Scheibe davor und auch wenn nicht, hat keiner von uns eine relevante Strahlung an UV-B in der Wohnung (ausgenommen sind offene Fenster).
Also kann sich das Ganze ja eigentlich nur ums UV-A drehen. Und diesbezüglich würde ich gern die Zusammenhänge erklärt bekommen und begreifen
Wäre schön, wenn sich hier mal noch ein/zwei Leute melden könnten.
Ich halte Ameisen seit einigen Jahrzehnten und benutzte dabei eigentlich immer Beobachtungsnester, die an der Scheibe des Terrariums stehen und so von der Seite einsehbar sind. Selten und nur bei sehr empfindlichen und sensiblen Arten decke ich das Nest ab, dann auch nur einen Teil, denn ich heize mit Rotlicht und so wäre eine völlige Abdeckung sinnfrei.
Meine Terrarien stehen meist am Fenster, ich nutze so für den Auslauf das Tageslicht neben künstlichen Lichtquellen, HQI oder LED SMD. Tageslicht ist immer noch das beste Licht und Kunstlicht muss oder kann natürlich über Zeitschaltzuhren gesteuert werden. Das muss man mit dem einfallenden Tageslicht natürlich nicht tun, man hat also einen perfekten Tag-Nacht-Rythmus.
Die Beobachtungsnester befinden sich bei mir immer an der fensterabgewandten Seite des Beckens. Direktes Licht fällt so nicht in die Nester. Lediglich das erwünschte Rotlicht und natürlich ein indirektes, eher diffuses Tageslicht aus dem dahinterliegenden Wohnraum. Im Nest gibt es also ein Halbdunkel. Ich kann reinsehen, fotografieren, die Tiere beobachten, ohne sie vorher durch Manipulationen zu beunruhigen, die sie nicht kennen. D.h., ich muss für einen Einblick nichts Grossartiges entfernen, die Bedingungen und Verhältnisse im Nest ändern sich nicht, wenn ich reinschaue.
Fast alle Ameisenarten, die ich kenne, gewöhnten sich an diese Verhältnisse, auch Ameisen mit wirklich hervorragenden Sehsinn wie die Gigantiops. Ebenso Arten wie Raptiformica und andere heimische Arten, die ebenfalls recht gute Augen haben. Bei solchen Arten wie zB. den Gigantiops oder den Myrmecia beobachtet man sogar, dass sie mit den Eintritt in ihre Nester die Augen regelrecht abschalten und auf visuelle Reize, die sie eigentlich im Raum durch die Glasscheibe aus dem Nest heraus sehen sollten, einfach ingnorieren oder nicht wahrnehmen. Sie reagieren eben nicht, weil sie sich sicher fühlen und das Nest als sicheren Unterschlupf kennen.
In vielen Jahren konnte ich keine Beeinträchtigungen erleben. Eher können Kolonien in der Haltung unter guten Bedingungen besser wachsen, mehr Nachwuchs aufziehen als sie das im Freiland in ihren ja dort völlig dunklen Nestern tun. Eine Gefährdung durch UV-Strahlung halte ich für ausgeschlossen. Selbst wenn es eine geringe UV-Strahlung in diesen nicht völlig abgedunkelten Nestern gibt, so scheint sie nicht relevant zu sein. Zumindest sind mir noch nie Schäden aufgefallen, die eine andere Haltung angeraten erscheinen lassen.
Wenn ich Ameisen halte, will ich sie bei allen ihren Verrichtungen sehen und auch ihr "Familienleben" im Nest beobachten und im Idealfall dokumentieren. Manche Halter legen da weniger Wert drauf, das ist auch in Ordnung.
Wenn man aber Einblick haben will, muss man diese Kompromisse machen. Umso besser, wenn die Ameisen damit offenbar gut leben können und es sie nicht beeinträchtigt, sie sich sehr gut entwickeln und normal verhalten, auch in Nestern, in denen nicht absolute Dunkelheit herscht.
Wichtiger scheint mir eine allgemein artgerechte und nicht sterile Haltung zu sein. Also Arten aus dem trop. Regenwald in abwechslungsreichen Waldterrarien zu halten, mit vielen Pflanzen, vielen natürlichen Einflüssen etc., Wüstenameisen in eher steppenhaft eingerichteten Terrarien usw.. Das ist wichtig für die Tiere, scheint mir, zumindest wenn man an ihnen natürliche Verhaltensweisen beobachten möchte und es ist sicher auch wichtig für den Halter. Es gibt kaum etwas Schöneres und Spannenderes als ein reich bepflanztes Regenwaldbecken. Und da kann man sich hier im Forum und in anderen Foren ja einige ansehen und sich Anregungen holen.
LG, Frank.
Möchte die gute Ausführung von Frank noch kurz ergänzen.
Floatglas flitert den Großteil der UV-Strahlung, so dass im Nest so gut wie keine UV-Strahlung ankommt.
Rote Folie hat auf die Ameisen keine wirkliche Wirkung und ist eher kontraproduktiv. Myrmecia z.B. können ohne weiteres durch die Folie sehen, allerdings wird das Nest durch die Folie soweit abgedunkelt, dass je nach Helligkeit des Raums die Tiere einen sehen oder nicht, dies führt dann häufig zu Unruhe im Nest, da sich die Tiere nicht richtig an die Bewegung ausserhalb des Nestes gewöhnen können.
Ihr seid mir ja lustige Kerle
Ich lese ja nun schon eine Weile über Ameisen, aber dass rote Folie (ich benutze die LEE-Filter) keine Wirkung haben soll, zerstört absolut mein Weltbild!
Mir wurde das am Anfang immer so verkauft und seither habe ich nicht weiter drüber nachgedacht. Mir war schon klar, das Ameisen nicht so sehen wie wir, sondern eher wie jemand, der farbenblind ist => Auch mit Folie sehen sie hellere und dunklere Graubereiche. Aber ich dachte auch immer, dass sie dadurch (abgesehen von Arten mit guter optischer Wahrnehmung) keine/wenig, Personen oder Bewegungen auf der anderen Seite wahrnehmen.
Bezüglich Praxis sieht es bei mir so aus, dass meine C. atriceps im Nest nicht reagieren, wenn ich mich davor setze. Wenn ich allerdings die Folie weg nehme, dann reagieren sie sehr aufgeregt. Also kann ich die Aussage von Moglie, diesbezüglich nur unterstützen.
Wäre schon schick, wenn man dieses Thema noch etwas beleuchten kann, in einer Diskussion vielleicht
Meine Terrarien stehen meist am Fenster
Frank? Du hast aber sicher offene Arenen oder richtige Terrarien mit Belüftung, oder?
Da sollte das kein Problem sein! Nur sollte man grundsätzlich vorsichtig sein, mit Arenen/Aquarien, die keine Belüftung haben, denn dadurch kann schnell Stauhitze entstehen. Also es hängt immer von der Konstruktion ab... Jedenfalls danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Ich konnte wieder mal was mitnehmen.
LG Denjo
Hallo,
ich finde dieses Thema/diese Diskussion auch sehr interessant. Anfänglich glaubte ich auch, dass die Verwendung von roter Folie ein Standard wäre; so empfand ich jedenfalls viele Leitfäden für Anfänger in den Foren bzw. auf den Shop-Seiten. Allerdings merkte ich schnell, dass rote Folie für mich keinen Nutzen hatte: Wenn ich Einblick in das Nest möchte, möchte ich auch alles richtig sehen, und nicht mit Rotstich. Daher verwendete ich sehr schnell nur noch Aluminium-Folie zum Abdecken. Hierbei ist das Nest wenigstens wirklich richtig abgedunkelt. Allerdings haben die Beiträge hier mich jetzt auch bezüglich der Aluminium-Folie etwas nachdenklich gemacht. Entferne ich diese, entsteht jedes mal Unruhe im Nest. Vielleicht rührt diese ja aber von dem großen Unterschied Dunkelheit-Helligkeit her, und weniger vom Lichteinfall im Allgemeinen.
Zu diesem Thema finden sich ja auch schon in anderen Foren sehr kontroverse Diskussionen. Somit dürfte wohl eher Verunsicherung vorherrschen, wie man es richtig machen sollte.
Liebe Grüße,
Christian
Hallo,
erstmal danke an alle, die sich hier beteiligen
Also sind wir uns ja soweit dann einig, dass rote Folie zumindest was UV-Strahlung angeht, keinerlei sinnvollen Nutzen in der Ameisenhaltung hat!?
Was die Verdunkelung angeht, finde ich sie allerdings nicht schlecht und verwende sie auch bei mehreren Kolonien, da ich einfach gemerkt habe, dass sie so beim Beobachten ruhiger sind.
Ob ich weg bin oder direkt davor stehe und beobachte, macht für die Ameisen keinen Unterschied und so kann ich schön ihr natürliches Verhalten beobachten. Zusätzlich, um genauer zu gucken, nehme ich oft eine kleine Taschenlampe zu Hilfe. Bisher konnte ich nicht feststellen, dass sich die Ameisen durch den Lichtstrahl gestört fühlen (u.a. eine Kolonie F.cinerea, die ja gut sehen können). Dahingehend bestätigt sich bei mir auch die Aussage von Frank, dass die Tiere "Nestblind" sind. Sobald ich in der Arena (in der es ja an sich schon hell ist) mit besagter Taschenlampe hantiere, gehen die Kleinen sofort in den Angriff über. Auch bei C. ligniperdus konnte ich ähnliches Verhalten feststellen.
Auch habe ich versuchsweise das Nest der cinerea teilweise mit Karton abgedunkelt (die rote Folie blieb weiterhin an der Scheibe). Ich konnte weder eine Veränderung im Verhalten feststellen, noch haben sie die so verdunkelten Kammern bevorzugt.
Natürlich ist es schöner, wenn man das Nest komplett abdeckt und somit dann wirklich guten Einblick hat, allerdings kann da wohl auch fast jeder bestätigen, dass es zumindest kurzzeitig zu Stress für die Tiere führt, wenn sie plötzlichem Licht ausgesetzt sind.
Bei AluFolie habe ich allerdings festgestellt, dass, sobald etwas Licht seitlich einfällt, diese das reflektiert und es im Nest doch ziemlich hell ist. Deswegen verwende ich in solchen Fällen dann Papier/Pappe, die dunkeln wirklich komplett ab.
Ich möchte mit diesem Thema weder etwas schlecht reden, noch die User bekehren. Allerdings finde ich es immer wieder sehr irritierend, dass alle Welt nach bestimmten Aussagen handelt, ohne dass es hinterfragt wird bzw. einem bestimmte Meinungen ohne dazugehörige Quellenverweise/ Begründungen versucht werden, zu vermitteln.
In der Hoffnung auf eine weiterhin interessante Diskussion.
Hallo Christian, am Ende sollte es jeder machen, wie er es für richtig hält und je nachdem, was er sehen will oder nicht, einen Königsweg gibt es nicht. Und weil wir hier nicht die alleinseligmachende Weisheit gepachtet haben, muss das eben jeder für sich entscheiden und eigene Priortäten setzen. Wir wollen nur unsere Erfahrungen mitteilen.
Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass Ameisen sich an das Halbdunkel bzw. an das Rotlicht gewöhnen können und damit gut in einem einsehbaren Beobachtungsnest ganz gut leben können. Ich halte meine Ameisen seit vielen Jahren so, in den Jahren die verschiedensten Arten... Sven wies u.a. auch darauf hin, dass gutsehende Arten wie die Myrmecia durchaus durch solche Folie hindurchsehen können.
Andi: Das bedeutet aber nicht, dass die rote Folie nicht verwendet werden soll, wie gesagt, muss jeder selbst ausprobieren. Ich verwende sie nicht, ist mir zu umständlich, aber es liegt mir fern, sie "verbieten" zu wollen...:D
Denjo, klar sind meine Terrarien nicht völlig geschlossen, wenn sie an einem zeitweise besonnten Fenster stehen. Ich hab ein mittleres Tropenbecken, das ist von der Marke ExoTerra, das Becken hat oben einen Drahtgazedeckel, den ich nur teilweise abgedeckt habe. Teilweise aber eben schon, um im Becken eine relativ hohe LF zu halten. Im Becken herschen Temps zwischen 23 und 28 Grad, je nach Tageszeit und Lichteinfall.
Andere Becken wie die für Cataglyphis sind offen, nur mit Talkumsperre versehen. Da kann die liebe Sonne draufscheinen, soviel sie will, die Cataglyphis können davon eh nicht genug bekommen. Überhitzung ist ausgeschlossen, dieses Terrarium ist ja offen.
LG, Frank.
Hallo Frank,
ich wollte auch keine Kritik üben, sondern vielmehr zum Ausdruck bringen, dass man, wenn man sich verschiedene Quellen zu diesem Thema zu Gemüte führt, einfach nur noch verwirrt ist. Gerade dann, wenn man wie in meinem Fall nicht auf langjährige Erfahrung zurückgreifen kann.
Teilweise wird gesagt, dass ein Nest unbedingt abgedunkelt werden muss, dass sich die Tiere zwar an die Helligkeit gewöhnen würden, dann aber ein unnatürliches Verhalten an den Tag legen usw. usw.
Schlussendlich bleibt dann wohl wirklich nur die Möglichkeit durch Ausprobieren seine eigenen Erfahrungen zu machen.
Gibt es denn Unterschiede bei der Größe der Kolonie; sprich, neigt eine kleine Kolonie bei Lichteinfall eher zur Unruhe?
Liebe Grüße,
Christian
Ich hab das nicht als Kritik verstanden, Christian.
Ich kenne das ja. Das mit dem angeblich unnatürlichen Verhalten etc.. Nur wer weiss, wie sich Ameisen verhalten, wie sie sich in nicht einsehbaren Nestern in völliger Dunkelheit verhalten? Tanzen sie Samba?
Ich glaube, sie verhalten sich nicht anders. Wichtig ist, dass sie sich sicher fühlen, das Nest als sicheren Unterschlupf wahrnehmen, hier ohne Störungen ihren Beschäftigungen nachgehen können. Meine Tiere verhalten sich da völlig normal, würde ich behaupten.
Ich vermeide möglichst Erschütterungen. Ebenso natürlich direktes und starke Licht, von Blitzen beim Fotografieren abgesehen. Gerade bei holz- und baumbewohnenden Ameisen vermeide ich Erschütterungen, diese scheinen besonders empfindlich zu sein, nach meinen Beobachtungen. Es gibt andere auch Beobachtungen, zu verschiedenen Arten, man kann nicht verallgemeinern und seine eigenen an verhältnismässig wenigen Arten als einzig richtige für alle Arten darstellen. Das vermeide ich also.
Aber holzbewohnende Arten wie unsere heimischen Rossameisen sind besonders sensibel, was Erschütterungen angeht. Immerhin verwenden sie sogar Klopfsignale als innerartliches Kommunikationsmittel, sie "hören" also genau hin. Schwere Erschütterungen bedeuten für diese Ameisen die Zerstörung, Bedrohung des Nestes, durch Raubfeinde wie Spechte mtw. und alarmieren und beunruhigen die Ameisen. Natürlich bemerkt das nur ein Halter, der hinsieht. Ein solcher Halter wird dann eben versuchen, Erschütterungen zu vermeiden und eine gewisse Empathie für die Tierchen entwickeln.
Grosse Kolonien verhalten sich bei mir nicht anders als kleine Kolonien. Kleine Kolonien sind nicht furchtsamer. Wichtig ist für mich allein ein sorgsamer und auch vorsichtiger Umgang mit den Tieren bzw. mit dem Ameisennest. Dann kann man ihnen einiges abverlangen und sie daran gewöhnen, eben auch das o.e. Halbdunkel oder Rotlicht im Nest.
Aber, nochmal, das ist kein Weg, den nun jeder gehen muss. Es ist nur meiner, und ich bin gut gefahren damit und habe einige Arten einigermassen erfolgreich halten und beobachten können.
LG, Frank.
Aber da merken wir doch mal wieder, wie schnell sich bei einem eigentlich seit Jahren gleich argumentierten Thema neue bzw. andere Meinungen herauskristallisieren
Auch habe ich bereits von anderer Stelle gehört, dass verschiedene Ameisenarten langfristig komplett ohne Verdunkelung (auch in der Gründungsphase) gehalten wurden, ohne dass sich Nachteile bemerkbar gemacht hätten.
"Ich kenne das ja. Das mit dem angeblich unnatürlichen Verhalten etc.. Nur wer weiss, wie sich Ameisen verhalten, wie sie sich in nicht einsehbaren Nestern in völliger Dunkelheit verhalten? Tanzen sie Samba?
Ich glaube, sie verhalten sich nicht anders. Wichtig ist, dass sie sich sicher fühlen, das Nest als sicheren Unterschlupf wahrnehmen, hier ohne Störungen ihren Beschäftigungen nachgehen können. Meine Tiere verhalten sich da völlig normal, würde ich behaupten. "
- Wo wir wieder beim Thema Nestblindheit wären. Ich denke auch weniger, dass sich die Tiere groß anders verhalten, wenn das Nest nicht oder nur etwas abgedunkelt wird. Wenn einer Gyne das Licht prinzipiell gegen den Strich geht, dürfte sie wohl auch kaum mit einer oft erfolgreichen Gründung beginnen. Auch könnte doch die Reproduktion bei Lichteinfall durchaus drastisch zurück gehen. Bisher habe ich davon noch nichts gehört.
Bei Arten, wie den von Frank genannten heimischen Camponotus ist eine Abdeckung auf dem Nest auch nicht verkehrt, aber wie er schon selber beobachtet hat, macht Verdunkelung nicht unbedingt alles aus, es kommt auch auf genug andere Parameter an.
Eine Kolonie, welche im verdunkelten Nest gehalten wird, allerdings ohne passende Feuchtigkeit/Temperatur wird sich in jedem Fall schlechter entwickeln, als eine "Helle" Kolonie, bei der die anderen Parameter passen. Auch ist mir bisher nichts zu Ohren gekommen, dass eine Kolonie an zu hellem Nest eingegangen ist´...
Wie gesagt, ich bin der Meinung, die rote Folie ist ganz zweckmäßig, weil einfach dadurch weniger Störungen im Nest sind, wenn mal jemand davor steht und rumwackelt, allerdings sind das bei weitem nicht die so oft genannten und angepriesenen Vorteile, von denen man immer hört.
Noch eine kleine Bemerkung am Rande.
Im Buch von Bert Hölldobler und Edward O. Wilson ''Auf den Spuren der Ameisen'' wird auch beschrieben, dass wenn die Kolonien in die Reagenzgläser eingezogen sind, auch dort dann die Verdunkelung entfernt wird um sie dann beobachten zu können.
Es wird auch erwähnt, dass sich die Ameisen ohne Probleme daran gewöhnen lassen und sie ihre Arbeit ohne anscheinende Beeinträchtigungen weiterführen.
LG
Holger
Teilweise wird gesagt, dass ein Nest unbedingt abgedunkelt werden muss, dass sich die Tiere zwar an die Helligkeit gewöhnen würden, dann aber ein unnatürliches Verhalten an den Tag legen usw. usw.
Und dann wird einem noch erzählt das Bienenkotze das einzige wahre Futter sei. Dazu fällt mir dann ein Schönes Zitat von Diffeomorphismus ein:
Ganz wichtig ist mir auch, dass Meinungsvielfalt vorherrscht. Natürlich ist es einfacher, wenn man nur von Personen umgeben ist, die die eigene Meinung teilen. Allerdings unterbindet so etwas jedwede Selbstreflektion über die eigene Meinung; oder wie der großartige Mathematiker David Hilbert einst sagte:
Ja ja, kenn ich auch alles.
Und genau das finde ich aber so schön an diesem Forum: Hier kann man auch mal anderer Meinung sein und dann darüber diskutieren/philosophieren und keiner nimmt Anstoß daran und der Ton bleibt auch im Rahmen!
Noch zur Verdunkelung: Habe vor mittlerweile knapp einem Monat die Verdunkelung des RGs bei einer Kolonie L. niger (aus 2013) entfernt, um sie etwas schneller dazu zu bewegen, in einen kleinen Ytong zu ziehen.
Pustekuchen: Die machen trotz viel Tageslicht ganz entspannt im RG weiter und lassen sich überhaupt nicht stören. Da kann ich davor stehen, rumwackeln und selbst zusätzlich mit Taschenlampe hineinleuchten. Das Einzige, was da stört sind Erschütterungen, da werden sie schnell krabbelig (wobei sie der Schleudergang der Waschmaschine gar nicht mehr zu stören scheint).
Noch haben sie auch genug Platz im RG, also glaube ich auch kaum, dass sie in naher Zukunft ausziehen werden. Hat aber auch Vorteile, so kann ich jederzeit komplett ungehindert ins Nest gucken. Auch ist mir im Vergleich zu meinen anderen Kolonien L. niger (teilweise rote Folie, komplett abgedunkelt und ebenfalls ohne Abdeckung) bisher vom Verhalte her nichts Besonderes aufgefallen. Selbst nachts, wenn ich die Raumbeleuchtung einschalte (sehr helles kaltweißes Licht), stört das die Kleinen gar nicht.
Beim Futter genau das gleiche Prinzip, tausend Meinungen und jede ist die einzig Wahre.
Ich füttere z.B. nur reinen Honig, schon aus dem Grund, dass der nicht zu oft getauscht werden muss und vor allem, weil mir bisher erst eine einzige Ameise drin ertrunken ist. Bei Zuckerwasser hatte ich immer wieder mal eine drinliegen, bei der jede Hilfe zu spät kam. Auch wird das Zeugs schneller schlecht, was grade im Urlaub usw. schon unpraktisch ist.
Das sind die Gründe, warum ich Honig und kein Zuckerwasser füttere.
Ob und inwiefern das eine aufgrund der Zusammensetzung besser/schlechter als das andere ist, will und werde ich nicht beurteilen. Habe selbst auch schon oft von Kolonien gehört, die über viele Jahre hinweg rein mit Zuckerwasser ernährt wurden und sich prima entwickelt haben. Falls es schlechter sein sollte, müsste man zumindest nach ein paar Jahren doch irgendwelche negativen Auswirkungen bemerken können..
Gleiches Prinzip bei der Proteinversorgung: Da hat man ein Wissenschaftler geschrieben, dass es unter Umständen für größtenteils herbivore Ameisenarten schädlich sein könnte, z.B. Hunde- oder Katzennassfutter zu füttern, weil die Konservierungsstoffe schädlich für die Darmbakterien der Ameisen sein könnten (falls ich hier kompletten Mist schreib und querschlage, wäre ich über einen Hinweis diesbezüglich dankbar. Habe den Bericht vor längerem mal gelesen und hoffe, ich vertausche hier nichts bzw. erinnere mich noch richtig).
Bei allen anderen Themen heißt es immer, dass es erstmal unabhängig bewiesen werden sollte, was da jemand in den Raum wirft. Hier habe ich das Gefühl, dass es schon fast als Gesetz anerkannt wird.
Bei Freund von mir (mittlerweile habe ich auch schon von anderen gehört) füttert ausschließlich Katzenfutter zur Proteinversorgung und das schon seit langem und hat bisher nichts negatives feststellen können. Die Tiere sind gesund, aktiv und vermehren sich gut. Wenn schon nicht bei Imagos, sollte da doch zumindest bei den empfindlichen Larven irgendein negativer Effekt zu bemerken sein (langsameres Wachstum, hohe Sterblichkeitsrate etc.). Dieses Thema finde ich auch sehr interessant, deswegen habe ich mich vor kurzem entschlossen, mehrere Gründungskolonien aus 2013 von L. niger und L. flavus über lange Zeit rein mit Nassfutter zu ernähren. Sollte bis Ende dieser Saison kein Nachteil dadurch ersichtlich sein, habe ich zumindest für mich bewiesen, dass bei diesen beiden Arten eine Ernährung ausschließlich mit Nassfutter ok ist.
PS.: Meine F. cinerea und C. ligniperdus bekommen auch ca. 50% ihrer Proteine durch besagtes Nassfutter.
Wie immer in freudiger Erwartung auf die folgenden Posts-
Bei der Futterfrage muss ich aber einhaken, Andi, weil du sagst, tausend Antworten und jede ist die einzig richtige...:D Hab ich so nicht gelesen. Wenn du das so verstanden hast, hast du das falsch verstanden. (sorry, muss ich mich berichtigen, du hast geschrieben: "tausend Meinungen". Das ist was anderes, pardon...)
Ist halt so, dass viele beobachten, dass Zucker bevorzugt wird. Ich auch. Du kannst ja Honig gern verwenden, das tue ja auch ich als Zusatzernährung, aber gib deinen Ameisen mal die Wahl. Lass sie entscheiden.
Zuckerwasser kann man so anbieten, dass auch kleinere Arten nicht ertrinken. Methoden wurden geschildert. Aber eben Zucker, mit Wasser gelöst und nicht Wasser, mit etwas Zucker drin.
Ebenso entspannt sehe ich das, mit Verlaub bei dem Katzen- oder Hundefutter. Es gibt dabei Arten, die mögen ja sogar Flockenfutter ab und an, meine Messor oder Pheidole habe ich früher öfter mal mit gutem Fischfutter verwöhnt. Ist eine gute Überbrückung oder Zusatznahrung. Sie mögen es und können es verwerten. Formicinen zB. mögen es i.d.R. nicht und ich biete es ihnen daher nicht an (Es gibt Ausnahmen, hungrige, suchende Cataglyphis im Freiland nehmen ALLES, was fressbar ist.).
Nassfutter ist sicher eine Alternative. Aber biete daneben mal frischtote, saftige, dabei aber keine verkochten oder beidseitig angebratenene Insekten an. Du wirst dann bald sehen, was deine Ameisen bevorzugen. Sicher eher Insekten, womöglich frisch aus dem Freiland. Und das Katzenfutter kannst du für die lieben Gäste aufheben...
Um zu wissen, was Ameisen wie Formica oder Lasius bei Proteinernährung bevorzugen, muss ich eigentlich nicht lesen, was ein Wissenschaftler über eine Ernährung mit Katzen- oder Hundefutter bei Ameisen vor sich hin schreibselt..;) Interessiert mich selbst weniger, tangiert mich sozusagen peripher, denn ich weiss ungefähr, was die verschiedenen Ameisenarten brauchen oder bevorzugen und es ist ja auch nicht schwierig, ihnen das zukommen zu lassen.
Aber das nur am Rande, vom Thema sind wir ja weit abgekommen.
LG, Frank.
Hey Frank,
mir gings bei der Fütterung ja nicht darum, was die Tiere am liebsten mögen oder nicht (das ist sowieso eine ganz andere Geschichte..). Ich fand es wie gesagt nur etwas irritierend, das sich bestimmte Meinungen bilden/halten ohne jeden Beweis, Rückhalt, oder Ähnliches.
Jeder muss für sich entscheiden, wie er seine Tiere ernährt und was ihm dabei wichtig ist.
Ich bin da eben der Mensch, der pauschal hinterfragt, das hat schon meine Lehrer in der Schule damals in den Wahnsinn getrieben.
Aber du hast schon recht, wir schweifen vom eigentlichen Thema ab
Ich hätte mich ja gefreut, wenn noch eine gegensätzliche Aussage zum UV Licht gekommen wäre, warum und inwiefern das schädlich ist. Kann ja durchaus sein, dass es dazu eindeutige und fundierte Aussagen gibt.
Eigentlich haben wir ja alle gleiche oder Ähnliche Erfahrungen gemacht, bzw. die Argumente der anderen nachvollziehen können.
Finds grad schade, dass ich die passenden Posts nicht mehr finde, in denen stand, wie schädlich und störend das ist. Naja, vielleicht meldet sich ja noch jemand diesbezüglich zu Wort.
Hallo Andi
es war mir nicht klar, daß du an der direkt schaedigenden Wirkung von UV-Licht zweifelst, sonst haette ich schon eher etwas geschrieben. Explizit nachlesen kannst du es recht einfach im Online-lexikon http://de.wikipedia.org/wiki/Ultraviolettstrahlung. Leider ist mir keine explizite Studie zur Brut + Sonnenstrahlung bekannt, allerdings wuerde das Prinzip auch bei den meisten anderen Insekten gelten, die ihre Brut vor der Sonne schuetzen. Das Sonnenlicht wird auf lange Zeit die Eiweise denaturieren, aehnlich wie wir unseren "Sonnenbrand" bekommen, oder die chemischen Stoffwechselprozesse blockieren. Jedoch ist davon auszugehen, daß davor die Brut durch einfache Dehydration schon abgestorben ist.
Kuenstliches UV Licht wird auch in Laboren + Krankenhaeusern benutzt um Keime abzutoeten, sowie in der Aquaristik als Filtereinbau. Es gaebe dafuer genug Material im Internet.
Es ist fuer mich empfehlenswert die UV Strahlung weitestgehend zu vermeiden + auch den Ameisen diesen Schutz anzubieten.
Persoenliche Beobachtung - Lichteinfall im Nestraum der Manica rubida + Fazit:
ich bin jetzt seit einem Jahr Besitzer einer stolzen Kolonie Manica rubida und beobachte sie sehr gerne zu jeder Tageszeit. Allerdings extrem selten zur Tageszeit. Ich benutze auch eine rote Folie, haenge aber darueber aber ein Handtuch lose. Das Nest steht direkt am Fenster (Ostseite), bekommt allerdings indirekt UV Licht der Morgensonne ueber die weiße Wand, ansonsten nur diffuses Tageslicht. (das Handtuch schirmt jedoch gut ab) Nun, wenn ich tagsueber den Schutz entferne, reagiert eigentlich nur die Charlotte (Gyne), die ich schon vorher durch die rote Folie ausmachen kann, und von ihrer Reaktion angestachelt werden alle anderen Ameisen schlagartig hektisch, bis der ganze Nestblock wimmelt. Das beobachtete ich ca. 3 mal bisher. Ich vermute ihre Ocelli sind einfach schaerfer justiert und gibt instinktiv ein Alarmpheromon ab.
keine Reaktion bekam ich unter folgenden Bedingungen:
- Oeffnung nur in der Nacht, jedoch mit schwachen Dimmlicht (etwa 1 Kerzenlicht stark, bzw 1cd http://de.wikipedia.org/wiki/Candela ), man kann nun ueber den Dimmer das Licht langsam verstaerken, ohne daß die Tiere, (besonders Charlotte) erschrecken.
Alternativ gaebe es technisch die Moeglichkeit eine Kamera zu benutzen, die ueber ein Rot-ausgleich verfuegt und man insgesamt auf rotem Wellenlicht im Zimmer bleibt und auf weiteres verzichtet. Jedoch ist schlichte rote Folie kein UV Schutz, solange man es nicht anders deklariert. Das wuerde heißen, daß eben jede Bewegung von Koerpern, die UV Licht reflektiert, oder blockiert, gesehen werden kann. Das ist aehnlich wie Schwarzlicht in der Disko - extra aufleuchtend! (rote Folie blockiert alle sichtbaren Wellenlaengen, außer rot, darum erscheint sie fuer uns rot und laeßt nur rot durch + alles nicht sichtbare wie radioaktive, UV, IR -strahlung usw- die Ameisen sehen also explizit UV in diesem Fall) Ebenso ist es wichtig auch auf UV-Schutz Etikettierung bei Sonnenbrillen zu achten. Aber auch hier kann man durch vorsaetzliche Taeuschung falsch liegen.
Liebe Grueße
alex
-und ja, Menschen, die sich tagsueber extra in die Sonne legen um sich dann Nachts mit teurem Biberfett einzureiben, sind maskierte Kobolde!
Hallo Alex,
schön, dass du noch was hierzu geschrieben hast.
Das ist wohl etwas falsch rüber gekommen: Ich zweifele nicht direkt an der schädigenden Wirkung von UV-(B)-Licht auf manche Insektenlarven.
Mir ging es da eher um den Zusammenhang roter Folie/UV-Licht und inwiefern sie dieses filtern soll.
Vor allem auch um konkrete Aussagen, welches UV-Licht denn gemeint ist (A/B/C).
C können wir ja außen vor lassen.
Bleiben noch A und B.
Dass A so schlecht sein soll, daran zweifele ich dagegen schon etwas. Viele Halter hier und in anderen Foren berichten davon (auch schon in der Natur beobachtet), dass die Tiere ihre Brut oft direkt unter Wärmestrahler deponieren, um sie von der Wärme profitieren zu lassen. Wenn also die A-Strahlung schädlich wäre, würden die Tiere das doch sicherlich nicht tun!?
Also ist es nach Ausschlussverfahren doch UV-B Strahlung, die die Tiere stört und schädlich ist und der man mit Lichtfilterfolie entgegen wirken kann/sollte!?
-> Erstmal nur dies zum Thema, damit wir dahingehend auf einen Nenner kommen
Zum Lichteinfall:
Probiers doch mal ohne zusätzliche Abdeckung nur mit roter Folie.
Funktioniert bei mir einwandfrei, keine Panik im Nest, auch wenn ich davor rumwackel und selbst mit Taschenlampe kann ich reinleuchten.
Hatte vorher auch was davor hängen (Pappe), was ich nur zum Beobachten abgenommen habe. Da war bei mir dann auch extremes Gewusel im Nest.
Hm ich persönlich halte nix von der roten Folie. Habe sie anfänglich auch benutzt bei einer Manica rubida Königin war es so das sie das Glas mit Sand zudeckte. Also geh ich davon aus das sie das Licht nicht mochte bei meinen aktuellen Cataglyphis decke ich das Nest mit Pappe ab und wenn ich reinschaun will nehm ich sie halt kurz weg . Aber ich denk da hat jeder so seine eigenen Erfahrungen gemacht und man kann das nicht pauschalisieren.
Gruß Report