Pachycondyla villosa


Post 28113 - 28.05.2014 11:46:12

Hallo,


habe im Januar eine Kolonie villosa von Motte bekommen, damals Queen und 2 Arbeiterinnen + recht viel Brut, aber nur 2 Puppen. Diese Kolonie wurde nun letzte Woche, also etwa 4 Monate später umgesetzt. Und wir haben rund 50 Arbeiterinnen nach der kurzen Zeit gezählt! :cool::alk:


Sie bewohnen nun ein altes Aquarium, 1m lang, 40cm tief und glaube 50cm hoch.


Diese Ameisen sind wirklich faszinierend. Ich hatte ja schon einmal Myrmecia pavida, aber an Aggression stehen die villosa diesen in nichts nach. Das gilt natürlich immer in Relation zur Beckengröße. Als ich die pavida in einem 60*30*30er Becken mit 100 Arbeiterinnen hatte, waren sie genauso aggressiv wie villosa mit ca 50 Arbeitern in einem 30*20er Becken. Jetzt, nach dem Umsetzen, sind sie sehr viel gelassener geworden. Das erste Becken wurde quasi im Ganzen als Nest angesehen, alles sofort attackiert. Es haben sich teilweise 5 Ameisen gleichzeitig auf ein lebendes Heimchen gestürzt. Sie sind blitzschnell, sehr präzise, setzen gut nach, sind dabei genauer als pavida. Auch adulte Heimchen, die ja ne ganze Ecke größer als die villosa sind, werden angegriffen.
Im neuen Becken legen sie auf Grund einer minimal natürlicheren Lebensweise, da sie jetzt mehr Platz haben, ein ganz anderes Verhalten an den Tag. Sie sind sehr aktiv und schön zu beobachten. Ich bin froh, mich damals für sie entschieden zu haben.


Von der Haltung her sind sie so einfach, dass ich nicht weiß, womit ich sie vergleichen soll. Sie sind wirklich extrem stabil (auch wenn die Königin bei Ankunft bei mir natürlich bereits gegründet hatte) und ich hege in keinster Weise Zweifel, dass aktuell alles stimmt.


Gesamtansicht


Nesteingang an einem Samen. Sie bewohnen beide Samen. Sie haben die Eingänge verjüngt. Ich hoffe aber, dass sie vllt in die Kokosnuss ziehen. Diese habe ich aufgemacht, leer gemacht und wieder zusammengeklebt.


Viele Grüße


Stephan


PS: Könnt ruhig hier in den Thread schreiben, wenn euch was unter den Fingern brennt.



Post 28120 - 28.05.2014 14:12:16

Hallo Stephan,


vielen Dank für den Bericht zu deiner Kolonie dieser wunderschönen Art. Es freut mich natürlich sehr zu lesen, dass sich die "Kleinen" wirklich hervorragend bei dir gemacht haben :thumbup: Auch das Becken sieht echt gut aus! Ich bin zwar kein Freund von Totenköpfen in Terrarien, aber das ist natürlich persönliches Gusto und den Tieren dürfte es wohl ziemlich egal sein ;)


Kannst du zufällig grob abschätzen wie groß die Arbeiterinnen mittlerweile im Vergleich zur Königin sind? Bei großen Kolonien im Freiland sah man kaum noch einen Größenunterschied, aber die ersten Arbeiterinnen waren ja doch verdammt klein. Habe mich halt gefragt, ab welcher Koloniegröße Arbeiterinnen die maximale Körpergröße erreichen.


Wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude bei der Haltung.


Bis dahin,
Chris



Post 28123 - 28.05.2014 15:18:09

Der Totenkopf war zum Spaß im Anzuchtbecken. Problem dabei wie zu erkennen: sie fanden den total toll, haben den mittels ihrer Baufähigkeit aus Bodenmaterial und Feuchte zu einer Höhle präpariert, d.h. es befinden sich stets einige Arbeiterinnen darin, jedoch keine Brut. Ein Auge z.B. ist komplett zu, das andere Verjüngt, das Loch im Kopf ist ebenfalls komplett zu. Es ist schon ziemlich interessant anzusehen. Ob ich ihn drin lasse, weiß ich noch nicht. Meine Freundin ist davon begesitert, nicht vom Totenkopf an sich, sondern vom oben beschrieben, dass sie ihn umgestalten.


Die Arbeiterinnen sind noch kleiner als die Königin. Man kann zwar eindeutig Größenunterschiede ausmachen, aber wie die Königin sind sie beileibe noch nicht.
Dasselbe habe ich auch bei Paraponera clavata. Mit der jetzigen Größe (110+) haben sie auch wirklich sehr große Tiere, die auch richtig kräftig sind.


Grüße


Stephan



Post 28129 - 28.05.2014 20:11:10

Na, bei den interessanten Beobachtungsmöglichkeiten, sieht die Sache natürlich ganz anders aus :) Würde ihnen dann wohl auch den Spaß lassen ebenfalls den Schädel als Nistmöglichkeit zu nutzen. In der Natur war es durchaus schwierig die weit verteilten Nester einer bestimmten Kolonie zuzuordnen. Sie scheinen doch recht stark polydom zu sein, zumindest wenn es sich um große Kolonien handelt.


Es schien so als würde diese Entwicklung der Größe mehr oder weniger sprunghaft über mehrere Zwischenstufen, bis hin zu einer Art Höchstgrenze erfolgen. Bei den Kolonien die ich aufgezogen habe, schlüpften jedenfalls aus jedem Brutzyklus immer gleichgroße Arbeiterinnen, wobei sich dieses "Phänomen" natürlich bei zunehmender Größe auch mehr und mehr verlieren könnte, sobald die Brutmenge deutlich zunimmt.


Wünsche dir natürlich auch viel Erfolg mit der Kolonie die du bald erhalten sollst, Günther. Was mir auffällt ist, dass dein Becken deutlich feuchter wirkt als Stephans, und auch als sie noch in meinem Besitz waren habe ich die Kolonien dieser Art eher trocken gehalten. Dies leitet sich von ihrem Fundort im Süden von Texas ab. Dort herrscht ein subtropisches Klima und natürlich geht dies mit einer zeitweise hohen Luftfeuchtigkeit einher. Dennoch gehören längere Trockenphasen und hohe Tagestemperaturen ebenfalls zum typischen Jahresverlauf in dieser Region. Pachycondyla villosa hat allerdings auch ein relativ großes Verbreitungsgebiet und besiedelt durchaus unterschiedliche Lebensräume. Weißt du zufällig, wo deine Tiere herstammen?


Bis dahin,
Chris



Post 28155 - 29.05.2014 17:21:17

Hallo Günther,


das dürfte dann von den Bedingungen her passend, hab da mal keine Sorge. Habe auch schon öfter mit Gerhard Kalytta darüber gesprochen, dass Pachycondyla villosa in Französisch Guayana, im Vergleich zu den Populationen die ich im Süden von Texas beobachtet habe, feuchtere Habitate besiedeln. Sie legen wohl auch ein anderes Verhalten beim Nestbau an den Tag und leben durchaus hoch oben in den Bäumen. Die Kolonien die ich beobachten konnte, lebten hingegen meist in Bodennähe oder hatten ihr Nest ca. auf "Augenhöhe" angelegt.
Das heißt natürlich nicht, dass Gerhards oder meine eigenen Beobachtung repräsentativ für einen Großteil der entsprechenden Population sind, aber es kommt bei Pachycondyla villosa halt offenbar, wie auch bei vielen anderen Ameisenarten, auf den genauen Fundort an, wenn man ihnen in der Haltung gerecht werden will.


Bis dahin,
Chris



Post 28167 - 29.05.2014 19:55:44

Hihi,


in Österreich scheinen die Uhren etwas anders zu ticken als bei uns. :lol:
Schreibst, dass die Kolonie am 03.05 kommt, also vor ca 3 Wochen? ;)
Meinst bestimmt 03.06


LG
Holger



Post 28170 - 29.05.2014 20:31:18

Hallo,


man sollte hier vielleicht noch erwähnen, dass es sich bei den villosa, zumindest mMn um mehrere Art/Unterarten handelt. Zumindest im Verhalten, Größe und Nistplätzen scheinen sich die Tiere aus Texas und Guayana zu unterscheiden. So ist villosa in franz. Guayana (auch hier scheint es mehrere Unterarten zu geben die sich in Größe und Farbe unterscheiden) eine sehr scheue Art, die so gut wie immer in Totholz vorkommt was etwas höher gelegen ist, bei den Tieren aus Texas gab es dazu Unterschiede, die ich jetzt leider nicht auf dem Schirm habe. Daher ist es vielleicht nicht ganz so sinnvoll, beide Varianten über einen Kamm zu scheren, auch wenn sich die hier aufgeführten Haltungsparameter auf beide Varianten anwenden lassen. Grundsätzlich sind die villosa ja nicht grade schwer zu halten und sehr dankbare und schöne Pfleglinge. Sehr schade finde ich bei dieser Art (wie bei vielen anderen auch), dass sie bei zu wenig Platz ihr natürliches Verhalten verlieren und zunehmend aggressiver werden.


Mit freundlichen Grüßen


Sven



Post 28194 - 31.05.2014 20:46:58

Hallo,


das Becken ist leider eigentlich viel zu klein, hatte eine Kolonie in einem 120 x 80 x 60 und auch dieses fand ich zu klein. Allerdings vertretet ich da meist eine andere Meinung als andere. Möchte das sich die Tiere natürlich verhalten und nicht etwa aggressiv werden aus Platzmangel. Und grade bei der villosa finde ich es halt schade, dass aus einer scheuen lieben Ameise ein aggressives plumpes Tier wird.
Allerdings lässt sich dies wahrscheinlich einfacher verwirklichen als etwa bei einer apicalis, die sehr sehr viel Platz braucht.
Ist aber vielleicht auch etwas anderes, wenn man die Tiere in der Natur gesehen hat, oder sie "nur" hält.



Grüsse


Sven



Post 29244 - 01.07.2014 15:37:01

Moin Günther, sobald es einige Arbeiterinnen gibt, kommt die Königin zunächst immer seltener aus dem Nest und bald dann gar nicht mehr. Bei der Größe deiner Kolonie ist es völlig normal, dass die Königin im Nest bleibt. Das ist, wenn man darüber nachdenkt, ja auch logisch, denn jedes Verlassen des Nestes bedeutet in der Natur die Gefahr des Gefressenwerdens - und wenn die Königin stirbt, ist die Kolonie verloren.


Die Puppenruhe dauert bei Ponerinen gerne mal so lange, mach dir da keinen Kopf. Nesteinsicht hast du aber sowieso nicht oder? Dass zwei, drei neue Arbeiterinnen geschlüpft sind, macht sich in der Außenaktivität nicht unbedingt sofort bemerkbar. Die jungen Arbeiterinnen bleiben oft die ersten Wochen im Nest und verlassen dieses erst mit fortgeschrittenem Alter immer häufiger.


Die Menge an Futter, die deine Kolonie einträgt, klingt gut und lässt auf vorhandene Larven schließen. Dass sie Schokoschaben aktuell noch nicht anrühren mögen, ist bei einer kleinen Kolonie in Ordnung. Du wirst sehen, wenn die Kolonie wächst werden sie auch zunehmend dominanter und etwas wagemutiger werden; dann werden auch größere Beutetiere eingetragen.


LG, Phillip