Hallo,
weil das Thema doch vielleicht den einen oder anderen interessiert möchte ich ganz kurz den technischen Hintergrund für Macrobilder die eine ungewöhnliche Tiefenschärfe aufweisen vorstellen. Vorausschicken möchte ich, daß ich mich selber erst seit kurzem damit beschäftige, keineswegs den Anspruch erhebe auf dem Gebiet Qualität zeigen zu können - kurz selbst noch ein Anfänger bin. Aber die wesentlichen Grundzüge sind hier versammelt.
Was braucht man um solche Bilder zu machen:
Nun, eine Kamera mit Macroobjektiv das einen Maßstab größer als 1:1 ermöglicht und
einen Schlitten mit Micrometervortrieb der die Kamera samt Objektiv in Hundertstelmillimeterschritten vorwärtsbewegt
eine Vorrichtung, die das zu fotografierende Objekt hält und es ermöglicht dasselbe vertikal und horizontal zu verstellen (vor und zurück, auf und ab)
ein Einstellicht um zu fokussieren (Ikea Jansjö in meinem Fall)
und 2 Blitzgeräte (hier zwei Studioblitze mit verstellbarer Blitzleistung ) mit (sehr wichtig) konstanter Blitzleistung (Netzgeräte)
eine möglichst schwere Basisplatte auf der die Bauteile festgeschraubt sind
und zum Schluß noch ein Programm, das die einzelnen Bilder (bis mehr als 200) zu einem einzigen zusammenrechnet (stapelt).
Den Objekthalter sieht man einmal mit einer weißen Hülle und einmal "nackt". Die weiße Hülle ist eine aufgeschnittene Polystyrolmilchflasche ,deren Hülle das Blitzlicht streut und diffuser macht um "ausgefressene" (vollkommen weiße) Stellen möglichst zu vermeiden. Auf dem Übersichtsbild sieht man auch noch, daß vor der Öffnung des "Blitzrüssels" noch ein Diffusor auf einer Pinzettenklammer vorgeschaltet ist. Die richtige -oder besser für das jeweilige Objekt optimale- Ausleuchtung ist eine recht diffizile Sache, man muß viel probieren.
Die Basis des Objekthalters(man sieht zwei Grobtriebschrauben) ist aus einem alten kaputten Mikroskop mit Hilfe von Stahlsäge , Feile und Bohrmaschine entstanden.
Der Schlitten mit dem Mikrometervortrieb
kann man käuflich erwerben, aber es gibt, wie bei allen anderen hier erwähnten Bauteilen, auch viele Selbstbaulösungen , auch beim Licht (es ist auch möglich mit einer Konstantlichtquelle zu arbeiten).
Warum ist es notwendig, die Kamera vorwärtszubewegen, warum kann man nicht mit dem Fokusring arbeiten?
Erstens haben solche extremen Macrolinsen keinen Fokusring mehr und wenn man ein 1:1 Objektiv nehmen würde , würde sich bei der Fokusverstellung mit Ring bei jedem Bild der Abbildungsmaßstab ändern und damit können die Programme die die Einzelbilder stapeln und daraus eines machen nicht arbeiten.
Wie beginnt man also?
Zuerst braucht man ein (sauberes) Objekt , das sich natürlich nicht bewegen darf, dann stellt man den gewünschten Ausschnitt ein , bringt einen Hintergrund an stellt die Beleuchtung ein und macht Probeaufnahmen. Paßt alles, stellt man auf das nächst gelegene Detail ein , bestimmt die Objekttiefe und setzt danach die Größe (Länge) und Anzahl der Vortiebsschritte fest. Je größer der Abbildungsmaßstab desto kleiner die Schritte (bei mir ist 1/100mm der kleinste Schritt).
Dann beginnt man Bild um Bild zu machen , wobei jede kleinste Erschütterung des Aufbaus Unschärfen zur Folge hat.
Hat man dann so 120 Aufnahmen gemacht (eine Hausnummer, nur zur Verdeutlichung) teilt man sie im PC gleichmäßig auf einige Ordner auf.
Im Focusstackingprogramm (ich habe Helicon Focus) läßt man dann die einzelnen Bilderstapel durchlaufen . Jeder Stapel liefert ein bereits teilscharfes Bild als Endprodukt des Arbeitsvorganges . Die einzelnen Endbilder (zB 6 ) werden dann nocheinmal zusammengerechnet und heraus kommt ein scharfes Endbild das erstaunliche Details zeigt. Natürlich ist das der Idealfall , man kämpft mit Schlieren und Unreinheiten (auf der Fliege ganz am Anfang zu sehen, das ist Staub) und hat meist noch einiges nachzuarbeiten (Photoshop).
Klar gibt es viele verschiedene Wege ein Ziel zu erreichen , jeder muß sich da seinen eigenen "workflow" zurechtzimmern.
So , das wär's in Kürze gewesen.
LG
Volker
Hallo Volker,
vielen Dank, dass Du dein Setup hier präsentierst. Das schaut ja schon ziemlich professionell aus. Mir fehlt derzeit die Möglichkeit so kleine Schritte sauber hinzubekommen (meine Makroschiene unterstützt nur 0,5 mm Abstände). Auch ist das Ding nicht gerade qualitativ Hochwertig
Wow,
genial guter Bericht wie solche super Bilder zustande kommen.
Mir selber ist dies ganze zu aufwendig, aber trotzdem ist der Bericht sehr interessant.
LG
Holger
Hallo antic , kurz 2 Gedankengaenge von mir: magst du deine anderen Bilder nicht gleich alle in einem Thread buendeln, oder eine Galerie erstellen? Und wohin soll ich jetzt Exemplare meiner Insekten (Manica rubida) hinschicken?
Danke jedenfalls fuer den Einblick!
liebe Grueße
Ich bin völlig begeistert, danke für den ausführlichen Hintergrundbericht zur Entstehung deiner besonderen Bilder! Schritte von1/100mm, das ist kaum vorstellbar, kein Wunder das jede kleinste Erschütterung problematisch ist, umso beeindruckender, wie genial scharf deine Ergebnisse sind - toll!
LG, Phillip
Eure positiven Rückmeldungen freuen mich , danke dafür!
@myrmikonos : die Bilder in einem thread zu bündeln , daran habe ich auch schon gedacht, ich will aber die Intention dieses Forums nicht verwässern, schließlich geht es hier ja nicht um Extremmakros.
Zum zweiten Teil deiner Frage: ja , Exemplare (tote klarerweise) von verschiedenen Arten zur Verfügung zu haben wäre schon interessant und könnte nach und nach eine kleine Galerie ergeben. Leider werde ich den Sommer über wenig Zeit dafür haben , das wäre aber ein Herbstprojekt , ich werde dann ein Bettelschreiben um möglichst unbeschädigte Arten verfassen. Aber wenn jemand ein halbwegs unbeschädigtes totes Exemplar für mich staubgeschützt (in Seidenpapier in einer Streichholzschachtel oä.) aufheben will so würde mich das freuen und er könnte einmal davon ein Bild sehen.
LG
Volker
Ich will aber die Intention dieses Forums nicht verwässern, schließlich geht es hier ja nicht um Extremmakros.
Hier geht es um Ameisen - kleine, mitunter winzige Insekten, deren wahre Lebensweise und Gestalt den Meisten verborgen bleibt. Was ist da besser geeignet, als Makrofotografien in einer herausragenden Qualität, wie du sie lieferst, um die verschiedensten Ameisenarten "hautnah" betrachten und wirklich wahrnehmen zu können?
Volker, eine ausführliche Galerie, auf Basis von Zusendungen verschiedenster Ameisenarten, das wäre eine unglaubliche Bereicherung für unser Forum! Ich freue mich, dass du der Idee nicht abgeneigt scheinst, hoffentlich dürfen wir auch vor dem nächsten Herbst schon weitere tolle Aufnahmen von dir sehen, müssen ja nicht immer Ameisen sein.
LG, Phillip
Cool wäre so ne Vergleichsseite, in der die Ameisen maßstabsgetreu abgebildet werden, z. B. wählt man eine Camponotus aus und dazu ne Lasius und sieht dann direkt die Größenverhältnisse.