Kurze Einleitung:
Ich habe mich vor Beginn der Ameisenpflege bereits mehrere Jahre für das Thema interessiert, bevor ich mich im März 2016 schlussendlich dazu entschieden habe mir eine Kolonie Lasius niger liefern zu lassen. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass der Beginn des HB's auf 2016 datiert ist, obwohl der Erstbeitrag 2017 geschrieben wurde. Bisher hatte ich einfach nicht die Zeit einen Haltungsbericht zu veröffentlichen der meinen eigenen Vorstellungen entspricht. Bilder und ggf. Videos werden nachträglich eingefügt werden.
Die Kolonie:
Meine (erste) Lasius niger Kolonie habe ich vom Antstore aus Berlin erhalten. Eine Königin mit 10-20 Arbeiterinnen lautete die Beschreibung wenn ich mich recht entsinne. Tatsächlich hat das der Anzahl der Arbeiterinnen recht genau entsprochen. Bei Anlieferung hat die Kolonie einen lebendigen Eindruck gemacht. Bestellt wurde das ganze mit einem kleinen Starter Set desselben Lieferanten.
Die ersten Tage im neuen Heim:
Kaum zuhause angekommen wurde natürlich in überschwänglicher Beigesterung alles aufgebaut, angeschlossen und stundenlang gestarrt, ob sich etwas tut. Natürlich war nicht besonders viel zu sehen ausser einer neugierigen Arbeiterin, welche sich immer nur bis zum Ausgang des Schlauches vorwagte, nur um in Panik wieder ins Reagenzglas zu flüchten. Damit hatte ich gerechnet, wenn natürlich auch auf mehr Bewegung gehofft wurde. Der Forschungsdrang der Ameisen betreffend Ihres neuen Heimes hielt sich also in Grenzen. Zumindest während der unzähligen Stunden in denen ich stumm und voller Erwartungen Ihr Becken beobachtete. Natürlich habe ich dieselben unsinnigen Dinge angestellt, die jeder " Anfänger" macht. Ständig das Nest kontrolliert, ob noch alles lebt. Ob nicht doch schon Brut und neue Arbeiterinnen vorhanden sind. Ob nicht plötzlich die Milbenpest ausgebrochen ist, oder ob die Watte das Wasser auch brav zurückhält.
Hungerstreik, oder doch nur wählerisch?:
Glücklicherweise ist nichts davon passiert. Und nach einer Weile habe ich mir das Stichwort Geduld, welches natürlich besonders am Anfang von grosser Wichtigkeit ist ins Gedächtnis gerufen. Und siehe da. Nachdem das Nest nicht mehr allzuhäufig gestört wurde war nach einigen Wochen eine deutlich stärkere Außenaktivität zu beobachten. Nachdem anfängliche Fütterungsversuche mit Honig nicht allzu erfolgreich waren habe ich umgedacht. Man nehme ein Stück Würfelzucker, lege es in einen Kronkorken, und träufle einige tropfen Wasser hinüber. É Voila - Sie haben es geliebt. Nachdem dies entdeckt worden war stieg auch die Außenaktivität an. Mittlerweile waren wir im April angekommen.
Das Problem Zucker war gelöst. Jetzt noch irgendwie die Proteine schmackhaft machen. Natürlich habe die vom AntStore mitgelieferten Trockenfutter Proteine getestet. Mit eher mäßige Erfolg. Meine kleinen schienen lieber zu hungern, als sich die trockenen/angefeuchteten/schwimmenden und mit Zuckerwasser vermischten Proteine anzunehmen. Wie das so in einer Männerwohnung mal vorkommt - Es war Obst im Haus. Genauer gesagt Bananen. Deren Farbe schon mehr an Teer als an das typische Gold-Gelb erinnerte. Und Fruchtfliegen. Gedankenblitz - wie wäre es mit Fruchtfliegen? Gesagt getan. Ein paar gefangen und vor den Schlauch gelegt. Das gefiel den Damen außerordentlich. Ich muss nicht erwähnen, dass Fruchtfliegen von da an ein fester Bestandteil der Diät wurden. Die Kolonie wuchs weiter. Kurz vor der Winterruhe als die Würfelzucker Variationen nicht mehr allzu begeistern konsumiert worden waren bin ich auf Invertzucker umgestiegen. Die alten Hasen dürfte der Ansturm wohl kaum überraschen. Entsprechend gierig waren die kleinen wieder. Als Proteine wurden mittlerweile auch Zoophobas, Mehlwürmer, kleinere Schabenstücke, Weberknechte und zerteilte Heimchen angenommen. Tatsächlich hat die Kolonie auch aktiv Stubefliegen (flugunfähig) gejagt. Ein wahrer Augenschmauß, wie sie die um ein vielfaches größeren Tiere erst einzeln bekämpfen und sich dann auf die müden Tiere stürzen.
Der erste Winter:
Bis ich zu (zugegebener Weise recht Spät im November) in die Winterruhe geschickt habe. Mittlerweile waren die kleinen vom Reagenzglas in ein Acryglasflachformicarim umgezogen, welches Sie zu gut einem drittel bewohnt hatten.
Während der Winterruhe habe die beiden Wasserquellen unterhalb des Nestes regelmäßig nachfüllen müssen. Gut alle 2-3 Wochen waren die kleinen Behälter leer. Zudem habe ich lediglich 3 mal etwas Inverzuckersirup in das Nest gegeben. Dies wurde jedesmal komplett angenommen.
Die neue Saison bricht an:
Nachdem ich die Winterruhe dann ende Januar (ja zu früh) beendet habe hat die Kolonie ein paar tage gebraucht, aber mittlerweile ist alles wieder beim alten. Die Arbeiterinnen fouragieren fröhlich vor sich hin. Ein neues größeres Becken wurde eingerichtet. Und das Acrylglasflachformicarium ist jetzt zu gut 50% bewohnt. Zudem habe ich keine Arbeiterin erblicken können, welche den Winter nicht überlebt hätte.
Edit:
Diskussionsthread zum Haltungsbericht Lasius niger/ März 2016
Hier oben noch der link zum Diskussionsthread.
Upcoming: Der Hausgemachte Allroundjelly von MyAnts - Wie werden die Prinzessinen reagieren?
Anmerkung:
Ich möchte versuchen diesen HB wöchentlich oder zumindest 2 wöchentlich zu aktualisieren. Je nach Aufwand und Interesse werden künftig noch HB´s meiner Camponotus nicobarensis und Pheidole pallidula folgen, welche ist seit Mitte Januar pflegen darf.
Hallo born2beweird,
und willkommen im Forum! Schön, dass Du über Deine Ameisen berichtest. Lasius niger waren (zusammen mit Myrmica rubra) auch mal meine allerersten Ameisen. Deine Beschreibungen erinnern mich auch wenig an die eigenen Anfänge.
Mit Jellys und sonstigen komischen Futteralternativen habe ich bisher nur negative Erfahrungen gemacht - es geht nichts über das naturgemäße Futter. Gibt es einen Grund, wieso Du sie so früh aus der Winterruhe geholt hast?
Grüße, Phil
Moin born2beweird,
auch von mir ein herzliches Willkommen in unserem Forum! Danke für deinen Haltungsbericht, auch ich fühlte mich an meinen Einstieg erinnert.
Falls du deine Haltungsberichte von z.B. Anmerkungen, Kritik oder Diskussionen andere Forumsmitglieder trennen möchtest, empfehle ich dir einen separaten Thread einzurichten. Dies finde ich sehr praktisch, da man so deine Haltungsberichte unabhängig von den Meinungen anderer lesen kann.
Viel Spaß bei uns!
Gruß, Olaf
So es ist soweit:
Das Jelly, die Schokoschaben und noch mehr von beiden sind angekommen. Ganz schön wässrig dieses Allroundjelly von MyAnts - aber verdammt die Damen haben sich drauf gestürzt als hätten sie noch nie Proteine bekommen - die halbe schokoschabe daneben wurde aber ebenfalls nicht ignoriert und so fressen Sie sich derzeit noch an beidem gütlich.
Sonst geht es der Kolonie spitze - Brut in Massen, sogar die ersten Puppen konnte ich entdecken. Ich bin gespannt wie es morgen früh aussieht. Im Laufe der Woche werden dan hoffentlich Bilder folgen. Vielleicht kann jemand im Diskussionsthrad klären ob ich hier ins Forum direkte Bilder von mobilen Endgeräten hochladen kann - bisher bin ich da noch nicht durchgestiegen.
Nochmal zum Jelly: ich habe dieses auch meinen kleinen Camponotus ligniperdus und herculeanus angeboten - die haben sich genauso darauf gestürzt. Ich werde die Akzeptanz der Kolonien weiterhin beobachten und berichten - vielleicht ist es auch einfach nur die Abwechslung?
Hat jemand von euch Erfahrung mit Albino Schokoschaben? Ich habe bei einer entdeckt. Wie häufig kommt so etwas vor? Wie siehts bei euch so aus?
Moin born2beweird,
Hat jemand von euch Erfahrung mit Albino Schokoschaben? Ich habe bei einer entdeckt. Wie häufig kommt so etwas vor? Wie siehts bei euch so aus?
ich vermute mal stark, dass es sich um eine frisch gehäutete Schokoschabe handelt. Der Chitinpanzer ist nach der Häutung noch nicht durchgehärtet und sieht weißlich aus. Ist ein Leckerbissen für meine Ameisen.
Gruß, Olaf