• Hallo Ameisenfreunde.


    Seit etwa fünf Wochen lebt bei mir auf der Terrasse eine junge Ackerhummel-Königin. Den eigens bereitgestellten Hummelnistkasten hat diese Hummel schon nach kurzer Zeit bezogen. Bevor ich sie in den Nistkasten setzte, hatte ich es mit mehreren Erdhummelköniginnen versucht. Diese aber hatten sich immer nur den Bauch mit Zucker vollgeschlagen, sich ein wenig umgesehen und waren dann abgeflogen, ohne zurück zu kehren.

    Alle unsere Hummeln sind streng geschützt und das ist gut so. Deswegen sollte man nur in Ausnahmefällen der Versuchung nachgeben und nur Tiere, die in Not sind, dem Freiland entnehmen. Das kann manchmal nötig sein, denn oft werden Nester von Hummeln vom Wespenbussard oder vom Dachs aufgegraben und die Völker teilweise vernichtet. Gibt es noch Reste des Nestes und des Volkes, lebt noch die Königin und einige Arbeiterinnen, kann man versuchen, so ein todgeweihtes Völkchen zu retten. Man sollte aber wissen, was man tut und welche Bedingungen erforderlich sind.


    Hier bin ich natürlich anders vorgegangen. Im zeitigen Frühjahr sieht man viele Jungköniginnen der verschiedenen Hummelarten nach geeigneten Nistplätzen suchen. Man darf die Tiere eigentlich nicht fangen und vor allem nicht der Natur entnehmen. Das tut ein Insektenfreund auch nicht, er versucht zu helfen. Indem man einen oder mehrere Nistkasten bereithält, hilft man. Nun kann man eine suchende Königin mit etwas Zuckerlösung dazu verführen, still zuhalten und sie in ein vorbereitetes Heim setzen. Gefällt es ihr, wird sie bleiben. Sie wird erkennen, dass sie hier ein Nest anlegen kann, denn sie hat ja bisher, manchmal lange und gefahrvoll, nach einen solchen Platz gesucht und sie wird die Erfahrung nicht vergessen, dass es hier auch manchmal Zucker gibt. Positive Eindrücke, die das Lernen unterstützen. Wichtig ist ruhiges und langsames Hantieren, das Tier sollte sich nicht erschrecken und sich immer sicher fühlen. Dann kann es klappen.


    Nun steht mein Nistkasten auf der Terrasse und hier suchen nur wenige Hummeln. Möglicherweise hätte eine Baumhummel den Kasten entdeckt, aber gerade diese Art wollte ich nicht hier haben. Die Baumhummeln können durchaus aggressiv sein. Die Art lebt an für Räuber relativ leicht erreichbaren Niststandorten, daher ist diese Art leicht reizbar und als eigentlich einzige einheimische Hummelart manchmal aggressiv. Außerdem sind die Jahreszyklen der Baumhummel sehr kurz. Nach einem kurzen und raschen Anwachsen der Volksstärke auf einige dutzend bis wenige hundert Arbeiterinnen ist Mitte, Ende August bereits Schluss. Die Geschlechtstiere fliegen aus und das Volk geht zugrunde.

    Andere Arten leben in einem langen Jahreszyklus. Die schönen Steinhummeln bis Ende September, Erdhummelarten etwas länger und Ackerhummeln und Waldhummeln nach meiner Beobachtung am längsten. Manchmal fliegen Arbeiterinnen noch Ende November und sammel zB. an Taubnesseln.


    Ackerhummeln gehörten daher eigentlich zu meinen Favoriten. Durch einen Zufall verirrte sich diese Jungkönigin vor ein paar Wochen in meine Wohnung und ich fing sie mit einer Streichholzschachtel ein (Streichholzschachteln sind wie gemacht für den schonenden Fang solcher großen Insekten). Ich gab ihr etwas Zucker zum naschen und setzte sie dann mit der geöffneten Schachtel in den Nistkasten. Große Hoffnung, dass sie bleiben würde, hatte ich nicht, zu sehr war ich enttäuscht von den bisher immer davon geflogenen Erdhummeln. Erdhummelköniginnen sind manchmal ziemliche "Banausen" und suchen gerne nach bereits bestehenden Anfangsnestern verwandter kleinerer Arten, um sie zu übernehmen. Vielleicht hatte ich immer solche faulen Hoheiten bei mir.

    Aber, sie kam lange nicht aus den Kasten heraus. nach etwa einer Stunde schaute sie zum Flugloch heraus, kehrte aber wieder um in den Brutkasten. Jetzt wusste ich, dass es diesmal gelingen könnte. Wichtigste Hürde war nun noch ein intensiver Orientierungsflug der Hummel, um den kasten wieder zu finden. Aber auch das erledigte diese Hummel vorbildlich und sie kehrte bald zurück. Erstaunlicherweise untersuchte die Ackerhummel nicht nur das Innere des Kastens. Sie umflog ihn auch intensiv, krabbelte sogar an ihm und unter ihm herum und sah sich tatsächlich alles sehr genau an. Ich war fasziniert, wie pedantisch und neugierig sie vorging. Sie überprüfte alles sehr genau.


    Seit ein paar Wochen sehe ich die Hummel nun jeden Tag ein und aus fliegen. Gestern, am 1. Mai., sozusagen am Feiertag der Arbeit, sahen wir die erste kleine Arbeiterin ausfliegen. Das ist sehr, sehr erfreulich.


    Hummelnistkasten, mit geöffneter Wachsmottenklappe.


    Hummelnistkasten


    Die erste Arbeiterin des entstehenden Völkchens. Sie sammelt am bereits blühenden Schopflavendel.


    Ackerhummel, Arbeiterin


    Soweit erstmal zu den Hummeln.


    LG, Frank.

  • Das Hummelvolk ist in den letzten Wochen gewachsen, alle paar Minuten sehe ich Arbeiterinnen ein- und ausfliegen. Ich kann die Zahl der Tiere eigentlich nur anhand des Flugverkehrs einschätzen, ich denke, es werden jetzt etwa zwanzig Tiere im Nest sein.


    Hummeln sind sehr bei jedem Ausflug viel länger unterwegs als es die sozialen Wespen meist sind. Sie müssen stets viele Blüten besuchen, um ausreichend Nektar und Pollen zu sammeln, soziale Wespen sind nur bei der Jagd und vielleicht beim Blütenbesuch oder anderen Beschaffungen von Zucker, Baumsaft etc..., abhängig vom Erfolg, für längere Zeit außerhalb des Nestes. Dafür haben Wespen im Außendienst jedoch viel vielfältigere Aufgaben, eben die Jagd, das Sammeln von Kohlehydraten, das Eintragen von Wasser, die Beschaffung von Baumaterial.

    Hummeln tragen Wasser nicht ein, Baumaterial für die Brutzellen und die Nesthülle (Wachs) scheiden sie zwischen den Segmenten des Hinterleibes aus, und natürlich jagen sie nicht, es sind ja Bienen.


    Heute morgen sah ich mal im Hummelkasten nach, ob ich einen Wachsmottenbefall feststellen kann. Eigentlich wollte ich das Nest, die Brutwabe der Hummeln freilegen. Als ich jedoch den kunstvoll konstruierten Nesteingang, der von einer Arbeiterin bewacht wurde, sah, ließ ich davon ab, das Nest völlig zu öffnen. Das Nest ist von einer dünnen Wachsdecke überzogen und umbaut, die das angrenzende Substrat, Moos und Wolle einschließt. Nur der kleine Nesteingang ist offen.

    Ein öffnen und Freilegen wäre ein unverhältnismäßiger Eingriff gewesen, das muss jetzt nicht sein. Es wäre nötig, wenn ein Wachsmottenbefall feststellbar gewesen wäre.

    Also untersuchte ich den Innenraum des Nistkastens und das umgebende Substrat nach Wachsmotten und deren Larven. Ich fand glücklicherweise keine.


    Die Arbeiterin bewacht den Nesteingang. Und sie begann sofort, die Unordnung, die ich mit einigen Berührungen hervorgerufen hatte, am Nesteingang zu beseitigen.


    Bombus pascuorum


    LG, Frank.

  • Es gibt nun wieder ein paar kühle, regnerische Tage. Zwar fliegen die Hummeln auch bei niedrigen Temperaturen, sie sind ja relativ robust und können sich warm halten, wenn sie genug Nektar finden. Trotzdem sieht man nach Regen bei solchen kühlen Temperaturen oft Hummeln und andere Bienen klamm auf den nassen Blüten sitzen und dort manchmal zugrunde gehen. Die Blüten sind nass, den Nektar fließt nicht so reichlich und ist oft mit Wasser verdünnt. Schwere und gefährliche Zeiten für alle Bienen, die jetzt sammeln müssen, weil das Nest erwärmt, beheizt werden muss und die Nachkommenschaft und die Nestgenossinnen gefüttert werden müssen.

    Meine Hummeln sollen natürlich nicht notleiden und so füttere ich zu. Am Nesteingang steht ein Näpfchen mit einem Gemisch aus Honig und flüssigen Zucker.

    Die Hummeln nehmen das an und es hilft ihnen.


    Bombus pascuorum Fütterung


    Ich sehe gerade bei Betrachten des Fotos, dieser Arbeiterin fehlt ein Teil der linken Fühlergeißel. Ein Hinweis darauf, dass auch das Leben einer Hummel nicht immer nur harmonisch und ohne Gefahren verläuft.


    LG, Frank.

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