Eindrücke aus Südfrankreich

  • Hallo zusammen,

    ich war vor kurzen für eine Woche in Frankreich unterwegs, und werde hier paar Eindrücke von der dortigen Ameisenfauna teilen. Ursprünglich hatte ich einen Trip im Frühjahr vor, aber das ist wegen Corona dann nicht passiert. Nun ist es der Spätsommer geworden, also heiß und trocken. Die Insektenaktivität war daher eher beschränkt, und einige Ameisen waren nur am frühen Morgen oder in der Nacht aktiv. Trotzdem habe ich doch einiges zu beobachten gefunden, und es hat mir große Freude beschert! Nicht zuletzt weil ich nie zuvor im Süden Frankreichs nach Ameisen gesucht hatte.

    Unterwegs war ich mit fünf weiteren befreundeten Biologen, und so ließ sich der Trip schön entsprechend unserer Anforderungen gestalten.

    Zuerst waren wir für eine Nacht an der Ardèche, einem wirklich tollen Fluss der durch einen tollen Canyon fließt und von großartiger Landschaft umgeben ist. Touristenmassen ließen sich nicht ganz vermeiden, aber wir fanden zum Glück einen ruhigen Campingplatz. Wir fuhren dann weiter Richtung Südwesten in die Nähe von Collioure an der Mittelmeerküste, und machten von dort aus mehrere Trips in die Pyrenäen.


    Hier der erste Teil der Bilder!


    aphaenogaster senilis

    Aphaenogaster senilis, eine sehr häufige Art in exponierten Habitaten. Hier wird ein zertretener Tausendfüßler abtransportiert.


    Euscorpius

    Keine Ameise, aber trotzdem hübsch: Ein Euscorpius


    aphaenogaster subterranea

    Eine unauffällige Ameisenart, die sich nur nachts gezeigt hat. Vermutlich Aphaenogaster subterranea


    pheidole pallidula pheidole pallidula2

    Eine Pheidole aus dem pallidula-Komplex. Sie sind sehr häufig zu sehen, und wir konnten einen Kampf zwischen zwei Kolonien beobachten. Dabei wurde kräftigt rekrutiert. Es war nicht auszumachen, um was gekämpft wurde - vielleicht um Territorium.


    messor structor compl

    Eine Messor aus dem M. structor - Komplex. Diese haben vergleichsweise kleine Nester und legen keine großen Straßen wie z.B. Messor barbarus. Sie sind etwas häufiger im Hinterland, und seltener an der Küste. An manchen Stellen, vor allen an Wiesen, konnte man die Nester in hoher Dichte beobachten.


    cardiocondyla

    Cardiocondyla ist eine der vielleicht kleinsten Ameisen hier, aber sie sind trotzdem unglaublich flink (daher das eher schlechte Bild). Man kann sie manchmal an exponierten Stellen herumrennen sehen.


    Grüße, Phil

  • Und weiter gehts!


    aphaenogaster gibbosa

    Die letzte der drei im Südwesten vorkommenden Aphaenogaster: Aphaenogaster gibbosa. Ich fand mehrere Nester entlang eines Trockenhangs in den Pyrenäen. Sie sind etwas dunkler und schlanker als A. subterranea.


    buthus

    Ein Jungtier von vermutl. Buthus occitanus.


    messor barbarus 2

    Messor barbarus sind die häufigsten Messor an der südwestlichen Küste von Frankreich. Man kann die Art hier gut an den riesigen Nestern und den roten Köpfen der Majortiere erkennen. Die Nester hatten waren vor allen in der Nacht sehr aktiv - wenn man sie mit der Taschenlampe anleuchtete, verfielen sie oft in Panik und rannten hinfort.


    messor barbarus

    Manchmal kommt auch zu Kämpfen zwischen vereinzelten Messor, wie hier auf dem Bild.


    messor bouveri 2

    Messor bouveri sind glänzend schwarz und kaum behaart. Sie leben oft im selben Habitat wie Messor barbarus, sind aber etwas kleiner und zurückhaltender.


    camponotus cruentatus

    Camponotus cruentatus ist die häufigste, aber auch schönste Camponotus hier. Sie nisten vorwiegend in der Erde, und man findet sie besonders häufig auch entlang menschlich beeinflussten Habitaten wie Korkeichen-Plantagen.


    camponotus pilicornis

    camponotus pilicornis 2

    Camponotus pilicornis ist eine der wenigen Camponotus Arten, die tatsächlich sehr spät im Jahr schwärmt. Die Könginnen überwintern ohne Brut, und legen im Frühjahr erst mit der Gründung los. Ich fand vermutlich frisch geschwärmte Königinnen unter Steinen, eine auch bereits tot in der Gründungskammer.

    Diese Camponotus Art ist relativ unaufällig und scheu, aber kann sich durchaus sehen lassen.


    camponotus sylvaticus


    camponotus sylvaticus 2


    Camponotus sylvaticus. Diese Camponotus fand ich nur bei Narbonne unter Steinen, dafür aber unzählige Nester. Die Minore sind unaufällig dunkel gefärbt, während die Majore ein kräftiges orange auf Thorax und Kopf besitzen. Als ich das Nest öffnete, rannten sie ähnlich einer Cataglyphis mit hochgestreckten Hinterleib umher.


    cataglyphis piliscapa

    Das hier ist nun die einzige Cataglyphis Art, die ich hier finden konnte, Cataglyphis piliscapa. Sie sind durchaus hübsch, mittelgroß und natürlich nur in den sehr besonnten Habitaten aufzufinden. Hier genossen einige Arbeiterinnen den Nektar einer blühenden Pflanze.


    crematogaster scutellaris2 crematogaster scutellaris

    Crematogaster scutellaris ist ein Klassiker der mediterranen Fauna, und ist fast überall auf Bäumen und Sträuchern anzufinden. Sie sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch noch besonders fotogen beim Futtern ;)

    crematogaster auberti 2 crematogaster auberti

    Eine weitere Crematogaster Art hier ist die im Boden nistende Crematogaster auberti. Eines der Nester hatte reichlich Brut, und war voller Männchen.


    jumping spider termite

    Unter einem Stein fand ich ein paar Termiten (Reticulitermes). Plötzlich sprang eine winzige Springspinne hinzu, und packte eine der kleinen Termitennymphen!


    flamingo

    Auch mal was für die Vogelliebhaber: An den Salzseen von Narbonne haben wir wilde Flamingos beobachten können!


    Grüße, Phil

  • Und hier der letzte Part, Teil 3! Ich hoffe euch haben die Bilder gefallen!


    polistes nest

    Polistes Nester fanden wir einige, und man muss bei den Steppen aufpassen nicht versehentlich in welche reinzulaufen. Außerdem sahen wir zahlreiche Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse, aber leider ist mir kein Bild von ihnen gelungen.


    termites

    Nymphen und ein adultes Tier von Reticulitermes. Anders als Ameisen gehören Termiten zu den sogenannten hemimetabolen Insekten, und die kleinen Termiten wachsen noch. Die Gänge dieser Termiten findet man vor allem unter Steinen und im Totholz an schattigen Stellen von Wäldern.


    tetramorium

    Tetramorium Arbeiterin am Strand. Sie sind sehr häufig, ich habe mich aber nicht an die nähere Bestimmung gewagt.


    plagiolepis

    Die winzigen Plagiolepis findet man typischer Weise an sonnigen Stellen unter Steinen. Mein Eindruck war, dass sei wegen der Trockenheit ungewöhnlich selten zu finden waren.


    temnothorax angustulus

    Eine arborikole Temnothorax aus der T. angustulus Artgruppe. Ich habe nur ein einziges Mal ein Nester in einem Ästchen gefunden.


    temnothorax tuberum

    Eine Arbeiterin von Temnothorax tuberum. Wir fanden zahlreiche Nester auf ca. 1000 Metern Höhe in den Pyrenäen - hier ähnelt die Ameisenfauna stark unserer mitteleuropäischen Fauna.


    temnothorax tuberum königni
    Eines der Nester von Temnothorax tuberum hatte zwei flügellose Königinnen. Hier ist eine davon.


    temnothorax lichtensteini

    Und hier eine Art, die ich für Temnothorax lichtensteini halte. Diese gelbe Temnothorax ist relativ häufig an sonnigen Stellen in Felsspalten zu finden.


    sysiphus

    Keine Ameisen, aber trotzdem ein Hingucker: Die einzigen europäischen Dungkäfer, die echte Dungkugeln rollen, Sisyphus sp.. Danke an meinen Käfer Kollegen Fabian Bötzl für das Bestimmen und auffinden der Käfer.


    mite predator

    Nacht konnten wir allerhand Räuber dabei beobachten, wie sie Messor erlegten. Überraschender Weise sogar diese riesigen, langbeinigen Raubmilben!


    spider predator spider predator 2

    Und natürlich auch jede Menge echte Spinnen, die sich nachts über Messor Arbeiterinnen hergemacht haben. Das Leben ist gefährlich für die Samensammler!


    pheidole pallidula

    Ein Blick in die Vorratskammer von Pheidole pallidula. Wie man sieht, ernähren sie sich hier auch von sehr vielen Samen. Darunter befindet sich auch ein Kopf von einem Soldaten.


    myrmica

    Nur in den Pyrenäen sahen wir Myrmica. Es handelt sich vermutlich um eine Art aus der Myrmica scabrinodis Artgruppe, aber sie sind schwer zu bestimmen.


    tapinoma niggerimum

    Vor allem an heißen Stränden fanden wir zahlreiche Nester von Tapinoma nigerrimum. Diese Tapinoma hat einen ausgeprägten Größenpolymorphismus, wie man auf dem Bild ganz gut erkennen kann.


    Und damit endet mein Bericht. Danke fürs Lesen ;)


    Grüße, Phil

  • Hallo Phil!


    Danke für deine schönen Eindrücke aus Südfrankreich. Wirklich sehr schöne Bilder von interessanten Arten. Die Milben finde ich persönlich schon etwas gruselig. :schreck:


    Das scheint dort ja eine recht ergiebige Ameisendichte zu geben, also nicht auf die Masse bezogen, sondern auf die Artenvielfalt. Hätte ich gar nicht so für möglich gehalten, war aber bis auf Straßburg noch nicht weiter südlich in Frankreich und die Stadt liegt ja im Nordosten, quasi auf der Grenze zu Deutschland :D.


    Lieben Gruß

    Mathias

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!