Guten Abend alle Zusammen!
Nachdem ich nun wieder dank einem größeren Anteil an Freizeit in meinem Tagesablauf einige Stunden in die Ameisenhaltung investieren kann, habe ich mich zur Haltung einer weiteren Art entschieden:
Odontoponera transversa
(hier zur Diskussion: http://www.eusozial.de/viewtopic.php?f=33&t=734 )
Diese Art gehört zu den Urameisen (Ponerinae), ist in Süd- Ost- Asien beheimatet und ist erstmals im letzten Quartal 2007 in die Bestandsaufnahme importierter Arten aufgenommen worden und hat nun am 26. Mai 2010 auch den Weg zu mir nach Hause gefunden.
Persönlich würde ich sie zu den eher selten-gehaltenen Arten zählen, da sie trotz der positiven Eigenschaft glatte Flächen nicht überwinden zu können, mit "gerademal" 13mm Länge eine im Vergleich zu anderen, momentan vermehrt importierten, asiatischen Arten (wie z.B. Pachycondyla rufipes) geringe Körpergröße aufweist.
Für mich war neben dem Aspekt der glatten Oberflächen das Aussehen ausschlaggebend - die Hornansätze am Thorax und der ausgeprägte Caput mit den langen Fühlern.
Die Haltungsbedingungen sind für eine exotische Art in meinen Augen relativ simpel, da die Tiere einfach nicht unter 20°C gehalten werden sollten und immer eine Luftfeuchte über 50%, gerne aber auch feuchter, brauchen. Wobei kurzzeitige nicht-Einhaltungen der Werte nicht zwangsläufig zum Tode führen, weshalb die Art gerade für Exoten-Einsteiger interessant sein könnte.
Meine etwa 30-Frau starke Kolonie hat z.Z. ihr Nest im Reagenzglas, welches an die Arena-Konstruktion angeschlossen ist, die ich hier ( http://www.eusozial.de/viewtopic.php?f=77&t=456 ) als Zuhause für meine Messor cf. semirufus vorgestellt habe und nutzte, bis es Komplikationen gab, welche letztenendes auf den "Säulenturm" zurückzuführen waren. Er gab trotz vorherigem Auswaschen bei der Berührung mit Feuchtigkeit Substanzen ab, die scheinbar zu einer Mischung aus Erstickungs- und Verklebungstod führten. Deshalb wurde dieser Entsorgt.
Hier mal ein Bild der Anlage - Version 2.0:
Die Anlage steht auf meinem Einsiedlerkrebs-Terrarium, recht nah über dem darin befindlichen Heizstrahler, weshalb tagsüber eine Temperatur von 25-29°C herrscht.
Die beiden kleinen Arenen dienen jeweils unterschiedlichen Zwecken: Die Untere mit dem optisch dunkleren Sand-Lehmgemisch als Bodengrund ist feucht und mit einem Deckel versehen um die Luftfeuchtigkeit zu halten, die Rechte dient zur Frischluftzufuhr und Fütterung, auch wenn ich die erste Mahlzeit in der feuchten Arena servierte - wo diese prompt eingemauert wurde:
Wie auf den Bildern zu sehen werden sehr viele Umschichtungsarbeiten auch außerhalb des Nestes vorgenommen, wahrscheinlich zur Vorbereitung einer neuen Einzugsmöglichkeit.
Wenn wahrscheinlich auch in diesen Bauarbeiten begründet, weist diese Art bisher eine ziemliche hohe Aktivität auf und besticht durch kleine, aber interessant anzusehende Ereignisse.
Ein Beispiel hierfür fand bei der Verbindung zwischen Reagenzglas und Arena statt:
Die Odontoponera transversa fingen langsam an, sich im Gänsemarsch durch den Strohhalm vorzutasten - am Ende des Halmes bekam die vorderste Erkunderin ein wenig Panik und musste auf Grund ihrer Größe rückwärts durch den Strohalm zurück - natürlich auch alle acht die sich hinter ihr angesammelt haben! Und das in einem Tempo
Oder hier etwas für die Augen: Ein original "Odontoponera transversa - Einfamilienhaus" mit Tür, Fenster und kleinem Vorgarten, sogar mit einer Dame, die einem die Tür öffnet
Angelegt ist das Ganze in einem Sand-Lehmklumpen, der nun ausgehöhlt wurde und Platz für bis zu 5 Familienmitgliedern bietet.
Somit hoffe ich, dass ich dem einen oder anderen diese Art ein wenig näher bringen konnte einen Einblick in meine Haltung geben konnte.
Ich verweise noch einmal auf die Diskussion zu diesem Haltungsbericht und würde mich über jegliche Teilnahme an dieser freuen: http://www.eusozial.de/viewtopic.php?f=33&t=734
___Strobi
Hallo!
Ich wollte einmal den Entwicklungsstand und erste Beobachtungen zu dieser Art festhalten!
Momentan sind wie erwähnt rund 30 Arbeiterinnen vorhanden, jedoch entdecke ich nur ein einziges Ei und keinerlei andere Brutstadien. Die Kolonie kam bereits mit nur einem Ei bei mir an und ich hatte gehoft, durch die Zugabe von Proteinen eine Anregung zu geben, doch bisher vergebens.
Werde heute Abend noch Beetle-Jelly zur Verfügung stellen, um auch die Akzeptanz der Ameisen auf solche Nahrungsmittel zu testen und werde natürlich davon berichten.
Im Verhalten ist diese Art gerade etwas über meine Erwartungen herausgewachsen, da sie anfangs zwar begann, außerhalb des Nestes einige "Maurerarbeiten" zu beginnen, die ich aber einfach nur für Zufälle und Grababfälle hielt, doch scheint es sich um mehr zu handeln. Ich konnte beobachten, wie mitlerweile schon aus dem trockenen Teil der Anlage Sand wegtransportiert wird und mit Wasser, das aus dem Reagenzglas gewonnen wird, befeuchtet und verbaut wird.
So enstand über Nacht bereits ein kleiner Hügel, der bis knapp unter den Deckel der feucht gehaltenen Box reicht und trotz gewisser Instabilität bewohnt wird - in dem Reagenzglas befinden sich nun nurnoch fünf Imagines die Wasser aus der Watte saugen, die Königin und das einsame Ei.
Desweiteren konnte ich schon eine ziemliche Aggressivität bei dieser kleinen Koloniestärke beobachten. Entgegen meiner etwa gleichstarken Raptiformica Kolonie wird Beute die ich quasi auf eine Arbeiterin fallen lasse direkt attakiert und schnell auch von anderen Arbeiterinnen bemerkt. Wobei ich bei Arbeiten, die ich mit der Pinzette in der Anlage ärger, nicht einmal im Ansatz soviel Aufmerksamkeit erhielt.
Die Beute wird sehr schnell zerteilt und bei der von mir verabreichten Menge, von einer Schnake, nicht versucht wird ins Nest transportiert zu werden, sondern direkt aufgenommen wird. Die Raptiformica nehmen hingegen selbst kleinste Fliegen ersteinmal ins Nest. Dieses Verhalten hätte ich bei den Odontoponera auch erwartet, vorallem da keine Brut vorhanden ist, die schnell mit Proteinen versorgt werden müssten und man deshalb die Proteinquelle hätte lagern können .
Ich werde nach der Fütterung mit Beetle-Jelly versuchen, kleinere und größere Beuteinsekten anzubieten, um das Verhalten genauer unter die Lupe zu nehmen.
Wie bereits erwähnt wurde meine Pinzette bei Eingriffen in die Anlage kaum beachtet, ich konnte die Ameisen sogar vom Honig oder Nesteingängen wegschieben, ohne hier auf ähnliche Aggressionen wie den Futtertieren gegenüber zu stoßen - Zwar habe ich die Vermutung, die Ameisen besitzen kein sehr ausgeprägtes Sehvermögen, doch müsste hier auch ein anderer Sinne eine Rolle spielen, da ein Gegenstand scheinbar als solcher und nicht als Feind/Nahrung kategorisiert werden kann. Zum Ende wurde ich sogar etwas grob zu einer recht penetranten Arbeiterin, doch diese ließ sich kaum beeindrucken und nervte mich weiter mit ihrer bloßen Anwesenheit und Neugier bei meinen Reinigungsarbeiten.
Ich habe auch schon überlegt, ob die Pinzette nicht angegriffen wurde, weil sie ebenfalls eine glatte Außenseite hat, doch es wurden weder Angriffshaltungen eingenommen, noch brach ein nervöses Verhalten aus. Aber es sind eben nur Vermutungen.
Ich hoffe ihr konntet etwas Interessantes in diesen Beobachtungen finden und in eure Eindrücke von dieser Art einfließen lassen!
Falls jemand einige Erklärungen oder Anmerkungen zu den Verhaltensweisen, speziell auf diese Art bezogen, hat, wäre ich sehr erfreut in der Diskussion davon zu erfahren
___Strobi
Guten Tag!
Leider kann ich nicht gerade von einer guten Entwicklung der Odontoponera transversa berichten.
Es sind immernoch keine Eier zu finden und das vorhandene Ei hat mitlerweile den Larvenstatus erreicht.
Außerdem konnte ich feststellen das diese Art sehr stark auf Trockenheit reagiert - in Form von 4 toten Imagines!
Dann habe ich das erwähnte Aggressionsverhalten, welches nicht gegen Gegenstände zu erkennen war, weiter untersucht.
Sowohl meinen Finger als auch anderen Gegenständen, die recht "steif" wirken, werden trotz imenser Störungen keine Beachtung geschenkt. Attackiert werden nur Objekte, die sich auch bewegen. In meinem Versuch eine Schnur die ich hin und her wand.
Aber Insekten werden, ob tot oder lebendig, sehr energisch angegangen. Logischerweise vorallem lebende, da diese für eine extreme Unruhe sorgen. Aber anders wie bei meinen Formica Arten werden wohl sogar Arbeiterinnen in einer Entfernung von 5cm chemisch alarmiert und finden direkt den Ort des Geschehens. Die Formica Arbeiterinnen wirken immer sehr verwirrt und greifen nie so zielstrebig in das Geschehen ein.
Trotz einer recht großen Menge an verfütterten Insekten, werden diese immernoch direkt verspeißt und nicht bewegt und gelagert, obwohl es von der Größe her möglich wäre.
Werde sobald das neue Becken fertig ist einmal eine große Schaben und ein anderes mal 20 Fliegen verfüttern, um das Verhalten der Imagines bei Futtermengen zu beobachten, die die Speicherkapazität des Sozialmagens überfordern.
Bilder habe ich z.Z. keine im Angebot, da alles mehr oder weniger beim alten ist, deshalb entschuldigt diese trockenen Worte - ich selbst mag auch lieber Beiträge mit Bildern!
___Strobi