*Cataglyphis, beobachten und halten.

  • Hallo Frank!


    Tolles Projekt, gefällt mir sehr. Die Idee mit den Rollen ist auch nicht schlecht, hoffe nur die Rollen tragen das Gewicht später auch über einen längeren Zeitraum.

    Ich hatte mir auch mal so ein Becken überlegt, auch für Cataglyphis. Ich wollte nur einen niedrigen Rand und große Auslauffläche. Mein Problem war dann aber die Beleuchtung und der Wärmeverlust. Ich wollte damals ein Becken basteln das nur 30cm hoch ist, gut das Licht hätte man noch herunterhängen lassen können, aber der Wärmeverlust durch den offenen Aufbau wäre mir dann zu hoch gewesen. Aber bei dir könnte es besser klappen, du kannst ja das Tageslicht mit einbeziehen.

    Meine Cataglyphis lividus laufen oft auch bei 50C° Bodentemperatur ganz gemütlich durch das Becken, nur wenn, wie letzte Woche, auch die Zimmertemperatur recht hoch ist laufen sie auch mit aufgestelltem Gaster durch mein Becken. Aber dafür benötige ich bei einem Becken 60x45x60 auch eine 75 Watt Lampe. Ich werde mal demnächst wieder etwas darüber Berichten.


    Grüße

    Mathias

  • Hallo Mathias. Ja, das hier ist auch ein Kompromiss. Das Alu-Gestell des Terrariums kann ich ja wieder, wenn ich das will, auseinanderbauen und aus dem Ganzen dann ein anderes Terrarium bauen. Deshalb habe ich für das Terrarium in der jetzigen Version eine Höhe von 60 cm angedacht. Diese Höhe kann aber nach einen Umbau auch die Breite sein, die jetzige Breite von 100 könnte dann die Höhe sein nach einem solchen Umbau. Bei einer Länge von insgesamt 200 cm wäre diese Breite von 60 (nach einem Umbau) angemessen. Könnte ja sein, dass ich irgendwann diese bombycinus doch abgebe oder verkaufe, auch wenn ich mir das im Moment nicht vorstellen mag. Aber um ehrlich zu sein, mit den Gedanken hatte ich schon gespielt.

    Denn ein solches Becken mit Breite 60, Höhe 100 und Länge 200 wäre auch gut geeignet für fliegende Insekten wie manche soziale Wespen.

    Alle Maße sind inklusive des Alu-Rahmens.


    Jetzt jedoch werden natürlich die bombycinus hier einziehen.


    LG, Frank.

  • Die Cataglyphis bombycinus haben ihr neues Nest gestern bezogen. Das ging, wie gewohnt, sehr rasch und zielstrebig. Das neue Terrarium bietet nun mehr Platz und so, wie sich die Kolonie entwickelt, kann sie es brauchen.

    Seit einem Tag sind sie nun bereits im neuen Terrarium. Das Becken ist natürlich viel größer und die Ameisen können auch mal ein Stück flitzen. Das Becken ist scheinbar so groß, dass ich bisher keine Arbeiterin bei dem Versuch beobachtet habe, an den Glasscheiben empor zu klettern. Diese Ameisen klettern natürlich ohnehin selten, sie sind Bodenläufer, jedoch kommt es im kleinen Terrarium schon mal zu Kletterversuchen. Jetzt haben sie offenbar das Gefühl, sich frei bewegen zu können. Sie klettern bisher nicht. Selbst wenn sie es versuchten, raus kämen sie natürlich nicht. Die Alu-Profile sind mit Talkum überpudert, für diese Ameisen ist das ein unüberwindliches Hindernis.


    Die Kolonie entwickelt sich hervorragend und es werden viele Arbeiterinnen aufgezogen.


    bombycinus 14.5.20.3


    Dies ist die einzige (mir bekannte) Art der Gattung, die nicht nur über sehr stark polymorphe Arbeiterinnenkasten verfügt. Daneben gibt es noch wenige Soldaten im Nest. Die Soldaten haben meist gewaltige Kiefer und große Köpfe, die die entsprechende Muskulatur beherbergen. Soldaten werden nicht in allen Kolonien aufgezogen und selten in so jungen, erst einjährigen wie dieser hier. Dies ist bereits der zweite Soldat, der in dieser Kolonie lebt.


    bombycinus 14.5.20.2 bombycinus 14.5.20.1


    Die Soldaten der Art sind als Kaste morphologisch nicht ganz streng von den Arbeiterinnen getrennt. Es gibt Übergänge. Manchmal fand ich sehr große Arbeiterinnen mit bereits verlängerten Mandibeln. Manchmal gibt es Soldaten wie meine hier, deren Mandibeln noch nicht die imposante Länge und Säbelform erreichen, die bei der Art maximal möglich ist. Mag sein, dass das ein Tribut an die noch junge Königin ist und es in späterer zeit noch größere Soldaten geben wird.

    Trotzdem ist dies ein Prachtbursche, ehemm, Prachtmädchen. Und ich bin sicher, dass diese Kolonie weitere Soldaten aufziehen wird.


    LG, Frank.

  • An jedem Abend verschließen die Cataglyphis bombycinus sorgfältig den Eingang ihres Nestes. Das tun wohl alle Arten der Gattung mehr oder weniger, nicht alle jedoch so diszipliniert und regelmäßig wie die Cataglyphis bombycinus. An manchen Abenden ist das Nest so penibel verschossen, dass der Nesteingang unter den Sand nicht mehr zu erahnen ist. Ich frage mich dann, wie sie das wohl machen. Alle Tiere sind ja über Nacht im Nest und trotzdem bekommen sie es hin, dass der Nesteingang kaum noch zu entdecken ist. Über ihn liegt eine ebene, gerade Sandfläche.

    Wenn die Arbeiten beginnen, sind es mehrere Arbeiterinnen, die den Sand in die Richtung des Einganges befördern. In einem unregelmäßig geformten Ring stehen die Tiere um den Eingang, der Sand wird sternförmig nach innen gescharrt. Große Sandpartikel werden zum Eingang getragen und dort abgelegt. Zuletzt sind nur noch wenige Arbeiterinnen beteiligt, die dann auch im Nest verschwinden, die letzten Arbeiten werden von innen gemacht. Wahrscheinlich wird der Sand von innen in den Eingang gedrückt, bis eine tragende Sanddecke entsteht.

    Am Morgen gilt, der Eingang muss nun geöffnet und frei gelegt werden. Der Eingang wird dazu von innen geöffnet und die ersten Arbeiterinnen des Tages sind damit beschäftigt, den Eingang des Nestes und die Umgebung vom jetzt überschüssigen Sand zu befreien. Auch das wird im Team erledigt, die Arbeiterinnen arbeiten zusammen und wissen, was zu tun ist. Sicher können die Ameisen nicht über das gemeinsame Vorgehen bei der Lösung solcher Aufgaben beraten, trotzdem weiß jedes Tier, was zu erledigen ist und wo noch etwas zu erledigen ist.

    Ein großer Teil dessen, wozu eine Ameise fähig ist, ist sicher mit dem sogenannten Instinkt erklärbar, das heißt, mit angeborenen, arttypischen Verhalten. So auch dieses Verhalten, den Nesteingang zu verschließen. Es ist ein sinnvolles Vorgehen und verhindert, dass Feinde unbemerkt eindringen. Angeborenes Verhalten ist ein wichtiges Grundgerüst an Verhaltensmöglichkeiten und an Fähigkeiten für Problemlösungen typischer Art für eine Art in ihrem Lebensraum. Dazu kommt aber das Lernen und die Kommunikation bei sozialen Tieren. Und wenn man die Tiere genau beobachtet, sieht, wie und dass sie bei der Arbeit interagieren und Kontakt halten, glaubt man sowieso mehr zu sehen als nur Instinkt.


    Auch am Pfingstsonntag wird morgens gearbeitet.


    Cataglyphis bombycinus Nesteingang


    LG, Frank.

  • Der Nesteingang am Vormittag. Ein kleiner kreisförmiger Wall von Sand umgibt den Nesteingang. Dieser Sand dient als Vorrat, dieser Sand wird am Abend von den Arbeiterinnen zum Nesteingang zurück befördert und mit ihm wird der Eingang verschlossen.


    bombycinus Nesteingang


    Herumlungernde Arbeiterinnen halten sich in der Nähe des Eingangs auf. Es gibt wenig zu tun und so schaut man einfach nur in die Luft und bewacht den Nesteingang ganz nebenbei. Würde ich jetzt füttern, würde natürlich schnell Bewegung in die Meute kommen...


    LG, Frank.

  • Hallo Zusammen!


    Wollte mich hier auch mal wieder einklinken und von meinen Cataglyphis livida berichten.


    Das letzte Update ist vom September letzten Jahres. Okey, da ist natürlich ein bisschen was passiert.

    Ich habe sie damals noch den Schwung Brut groß ziehen lassen und sie dann Anfang November in Winterruhe/Winterpause versetzt. Im Keller bei 10 -15 Grad, manchmal auch weniger. Das konnte ich machen in dem ich sie direkt an das geöffnete Kellerfenster einquartierte. Alle meine Ameisen überwinterten dort. Leider hatten meine Frau und ich unterschiedliche Auffassungen über "geöffnete Kellerfenster". Dieser Keller wird eigentlich kaum genutzt und ich ging über einen längeren Zeitraum, im Januar, davon aus das die Ameisen es sehr Kühl haben und nicht aktiv sind. Naja, dem war natürlich nicht so und so kam es das mir doch einige Tiere eingingen, weil sie aktiver waren als gedacht. Die Feuchtigkeit, die ich über angefeuchtete Wattestopfen erreichte, hielt dann nicht so lange wie eigentlich vorgesehen.

    Die Kolonie hatte einige Arbeiterinnen verloren, aber das ist schon wieder eine weile her, die Verluste sind schon ausgeglichen.

    Sie leben jetzt in einem Becken 60 x 45 cm. Das Nest ist in das Becken integriert und besteht aus Porenbeton. Damit die Tiere nicht im Becken graben können wurde der Boden mit Fliesenkleber ausgegossen, mit Sand bestreut und mit Steinen belegt. Dazu sollte ich wohl auch noch mal Bilder machen, die reiche ich das nächste Mal nach. Als Beleuchtung dient ein 75W Spotstrahler und eine 100cm lange Leuchtstoffröhre (beleuchtet gleich noch ein weiteres Becken gleicher Größe mit). Auf dem Bodengrund habe ich somit unterschiedliche Temperaturen, sie reichen von 28 - 54C°. Man mag es kaum glauben aber sie putzen sich ganz gerne mal bei 50C°, nach einem kleinen Stopp geht es dann weiter im Becken.

    Das Nest erwärme ich leicht mit einer Heizmatte, den ganzen Tag, sind glaube ich 7W Leistung. Im Nest sieht das ganze dann so aus:

    Cataglyphis livida Cataglyphis livida


    Arbeiterinnen zerlegen eine Schabe.

    Cataglyphis livida


    Wie man an dem Eipaket sieht, haben sie noch ein bisschen was vor.

    Cataglyphis livida


    Ich füttere Schaben, Zuckerwasser und frisches Wasser. Die Kolonie hat jetzt knapp 40 Arbeiterinnen und eine Königin, sowie einiges an Brut.


    Grüße

    Mathias

  • Hallo liebe Freunde,

    ich muss mich hier erst einmal ausklinken, die bombycinus wurden an einen Freund in England abgegeben. Er hat schon seit langem nach diesen Ameisen gesucht und ich konnte ihn nun helfen.

    Nun besitze ich keine Tiere der Gattung mehr, vorerst.


    Aber es gibt noch andere, ebenfalls sehr schöne Wüstenameisen. In eine solche, andere habe ich mich in der vergangenen Woche bei Herrn Kalytta verguckt...


    Ich fände es schön, wenn du über deinen hübschen Cataglyphis lividus hier weiter berichtest, Mathias.


    LG, Frank.

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