Aphaenogaster senilis - Haltungsbericht


Post 8680 - 31.10.2010 14:24:38

[mitte]Hallo,
dann möchte ich mal auch meinen ersten Haltungsbericht verfassen. Es handelt sich hierbei um meine ersten Ameisen. Bei den Bildern bitte ich um Entschuldigung, ich habe kein Makroobjektiv zur Verfügung.


Name: Aphaenogaster senilis
Heimat: Südeuropa
Kaste: Monomorph
Aussehen der Königin: Farbe: schwarz,
Aussehen der Arbeiterin: Farbe: schwarz,
Größe der Königin: 8-9mm
Größe der Arbeiterinnen: 5-7mm
Nahrung: Honigwasser und Insekten
Temperatur: Zimmertemperatur; kann Winterruhe im ungeheizten Zimmer verbringen .
Luftfeuchtigkeit: Gemässigtes Klima


Der Anfang
Wieso überhaupt Ameisen? Habe schon als Kind Ameisen stundenlang beim Krabbeln beobachtet und mir sogar mal eine Lasius niger Königin in einem Blumentopf mit Erde, Versteckmöglichkeit und bißchen Grünzeug gehalten. Für ein paar Tage zumindest, dann war sie weg ^^.
Heute habe ich damit angefangen, weil ich nach interessanten Haustieren gesucht habe. Hamster sind mir zu langweilig. Noch viel langweiliger finde ich Schlangen und Eidechsen. Die liegen irgendwie immer nur in der Sonne rum, sogar Futtertiere werden, zumindest in Zoos und Tiergeschäften, oft ignoriert, weil zuviel angeboten wird. Es sollte nach Möglichkeit etwas Jagendes und sehr aktives sein. Tja, und was wäre da besser zu geeignet als Ameisen? :-)



Wie jeder, der sich im Internet über Ameisen und deren Haltung informieren möchte, bin auch ich über den Antstore gestolpert und durch die immense Auswahl dort, war ich Feuer und Flamme. Ich schaute in den dortigen Beschreibungen der Arten und auch ein bißchen in den Foren, um nach einer geeigneten Art zu suchen. Exoten fielen vom Preis und Platzbedarf anfangs raus, mitteleuropäische fand ich wegen der strengen und langen Winterruhe ungeeignet. ZU klein sollten sie auch nicht sein. Letztendlich entschied ich mich für Aphaenogaster senilis und bin sehr zufrieden mit meiner damaligen Wahl. Ich kaufte mir, weil es mir am sinnvollsten erschien, also ein Formicarium, wo ich Arena und Farm in einem hatte. Das Zubehör und Becken kaufte ich bei Antstore, die Kolonie aufgrund ihrer Verfügbarkeit aber bei Apocrita.


Am Anfang war alles sehr spartanisch. Sand-Lehmmischungen rein, Loch für den Nesteingang vorgegeben, Deckel drauf und gut wars. Die Kolonie kam mit Königin ohne Brut, aber mit etwa 20-30 Arbeiterinnen bei mir im Juni 2009 an. Sie gruben ziemlich schnell einige Kammern aus, nahmen gerne Futter an, damals Heimchen, die ich fast immer bis heute frischtot darreiche.



Und ich muss gestehen, sie vermehrten sich einigermaßen schnell. Bis zum Herbst/Winter letzten Jahres hatte ich etwa 150-200 Tiere plus Brut. Ich habe sie mit einem Spotstrahler (40 Watt) "beheizt". Auf dem Foto war die Kolonie erst noch wenige Wochen jung bei mir.





Der erste Winter


Die Winterruhe fiel letztes Jahr relativ gering aus. Ich habe sie ins Schlafzimmer gestellt, wo es meist 10-15 Grad tagsüber ist und dann zusätzlich noch mit einem Tiefkühlaggregat gekühlt. Dieses habe ich 2 mal am Tag gewechselt. In dieser Zeit gab es auch weniger Brutentwicklung und die Außenaktivität gering stark zurück. Allerdings habe ich nur etwa 2 Monate Winterruhe halten lassen.




Frühjahr 2010


Die Kolonie wuchs und wuchs und wuchs... Im Frühjahr begann sie förmlich zu explodieren! Da die Kolonie bereits das Meiste meines Formicariums ausgehoben hatte und ich stets oben Erdreich abnehmen musste, weil sie sonst gerne mal statt an der senkrechten Scheibe oben unter der Erdschicht gebaut haben, habe ich mich entschlossen ein neues becken zu kaufen und zu bauen. Leider habe ich hier sehr viel Arbeit umsonst investiert. Ein 40*30er Becken mit großen Ytong-Nest sollte ihr neues Heim werden. Der Ytong wurde sehr tief ausgebohrt. Mein erster Ytong, ich machte noch viele Fehler.
Ich habe viel im Netz recherchiert, wie man tolle Terrarien baut, mit Styropor, Gips, Fliesenkleber, Sand, Farbe und allem drum und dran. Ich wollte ihnen eine fast wüstenähnliche Umgebung schaffen, auch wenn ich wusste, dass ich damit etwas riskieren würde. So bastelte ich eine Rückwand, der Boden wurde reversibel mit Gips ausgegossen, der Ytong wurde bestrichen und alles wurde "besandet". Optisch sah das Ganze schon ne ganze Ecke professioneller aus als mein erstes Becken. Als die Kolonie etwa im Mai endlich umziehen konnte, nahmen sie den Ytong erst nur zögerlich an. Erde gefiel ihnen sichtlich mehr, sodass ich etwas nachhelfen musste, indem ich die Bedingungen im alten Nest verschlechterte. Schon als sich die gesamte Kolonie irgendwann im Verbindungsschlauch befand, war ich schockiert auf was für eine Größe die Kolonie bereits angewachsen war! Es mussten an die 500 Tiere sein, PLUS Brut!


Die ersten Wochen verliefen noch gut, sie waren auch richtig draufgängerisch geworden. Sie sind keine geschickten Jäger, aber wenn sich erstmal so 50 Ameisen auf einen voll lebenden Mehlwurm stürzen oder ein Heimchen ohne Sprungbeine, dann macht das schon Eindruck. Aber dann folgte leider ein Massensterben. Bis August/September etwa verlor ich geschätzte 200 Arbeiterinnen. Das tat der Gesamtgröße zwar nicht weh, denn es kamen genauso schnell wieder Arbeiterinnen nach, aber irgendetwas stimmte halt nicht. Ich habe dafür 2 Erklärungen: einerseits habe ich die Ameisen zu trocken gehalten. Das war das Risiko, wenn man nur Sand als Substrat anbietet. Zum anderen glaube ich wurden viele vergiftet. Es wurde eben doch viel Leim und Silikon verwendet. Zwar benutzte ich geeignetes Silikon, aber der Leim... da kenne ich keinen tierverträglichen.





Der Spätsommerumzug 2010


Ich handelte folgerichtig und entschlossen. Ich kaufte ein noch größeres Becken in den Maßen 60*30, ein Aquarium ohne alles. Ich hatte in der letzten Zeit viel über belebte Formicarien gelesen, wie man gegen Schimmel vorgeht etc. Soetwas wollte ich auch. Die Kolonie war groß, die Nesteinsicht war mir egal. Sie durften sich eingraben, dachte ich mir, Freiheit! Und so kaufte ich dies und das, ging in den Wald und holt noch dies und jenes und dann begann ich zu bauen.


Zuerst kam die Rückwand rein, eine Kokosmatte. Sieht natürlich aus, kostet nicht so viel wie Xaxim und reicht mir. Danch kam eine Schicht Blähton auf den Grund. Jetzt wurde es knifflig. Denn ich will ja die Ameisen daran hindern, dass sie nach unten zum Blähton kommen. D.h. ich musste ein Vlies einkleben... das kostete Nerven! Wenn jemand Tipps dazu hat, immer her damit! Danach folgte die Substratschicht, bestehend aus Walderde, Sand, Gartenerde. Zu guter Letzt konnte ich meine gestalterischen Fähigkeiten spielen lassen. Insgesamt kamen 2 große Steine, ein Ficus, eine unbekannte Pflanze, ein paar Steingartenpflanzen, Farne, Moose, Spaghnum, Gräser, Tannenzapfen und Blätter hinein. Später gab es noch ein besonderes Stück Ast. Dieser war vermutlich schonmal bewohnt worden, denn er war ausgehölt und zwar so groß, dass es sich nicht um Kleinstlebewesen handelen konnte.
Damit ich keine Probleme mit Schimmel und mit Bergen von Futterresten zurechtkommen muss, kamen einie weiße Asseln und etliche Springschwänze rein. Die fühlen sich auch sehr wohl! Die Asseln allerdings.... sind sehr rar geworden. Entweder werden sie von den senilis erjagd oder sie sterben wegen was auch immer, was ich aber weniger glaube.



Ich bastelte noch einen Deckel und beleuchtet/beheizt wird das jetzige Becken mit einer 125 Watt HQI-Lampe! Die Temperatur liegt je nach Umgebungstemperatur zwischen 20 und 28 Grad. Sprühen muss ich nicht, ich gieße nur ab und zu mal, sodass der Blähton unter Wasser steht und die Feuchte eben von unten kommen kann. Mit der Zeit kamen noch wenige hiesige Asseln, Tausenfüsser, Ohrenkneifer, zwei Mistkäfer, ein großer Centipedes und scheinbar ein paar Mücken-, Schnarkenlarven hinzu sowie ein paar Spinnen.



Der Umzug war schon beeindrucken. Habe einfach den Ytong genommen und reingestellt, dann die Plexiglasscheibe abgemacht und der "Natur" ihren Lauf gelassen. Was ein Gewusel. Die Kolonie hat zu diesem Zeitpunkt eine Stärke von 600-800 Tiere erreicht. Sie verbuddelten sich genau in der Mitte des Beckens vor dem Ast. Wenig Später wurde der Ast zum Teil ihres Nestes. zum Glück wurde es nicht überbuddelt, sondern als oberer Ausgang benutzt. Hier sonnen sich die sonnenliebenden senilis gerne, auch die eine oder andere Puppe wird dorthin getragen. Sieht toll aus!




Es fanden dann noch ein Totenkopf, einige weitere Blätter Einzug und vor kurzem haben sie mal wieder entschieden umzuziehen. Sie wohnen jetzt im Keramiktopf. Dabei wurden sämliche Pflanzen übergraben, d.h. die Steingartenpflanzen gibt es nicht mehr. Die anderen Pflanzen, wie unschwer zu erkennen ist, suchen sich sehr erfolgreich ihren Weg, sodass ich auch eingreifen muss. Das macht aber nichts. Das wusste ich ja schon vorher.
Interessant zu beobachten war noch der Schwarmflug, der nicht statt fand. Warum? es wurden einige männliche geschlechtstiere ausgebildet, aber die Arbeiterinnen haben diese, als die Männchen versuchten zu entkommen und loszufliegen, wieder eingesammelt und zurück ins Nest getragen.


Aphaenogaster senilis sind defnitiv eine leicht zu haltende Art, die auch mal Fehler verzeiht und sich erholt. Sie machen Spaß und sind ohne Einschränkung gerade Anfängern zu empfehlen.


Dieser Haltungsbericht wurde nicht auf eine Fortführung ausgelegt. Es besteht zwar die Möglichkeit zu diskutieren, aber da die Kolonie ausgewachsen ist und ich sie in dem Becken halte, bis es sie nicht mehr gibt, sehe ich wenig Sinn darin ein Update zu bringen, vllt in einem Jahr mal wieder, mal schauen :-)


Diskussion: http://eusozial.de/viewtopic.php?f=33&t=978


Grüße
Stephan[/mitte]



Post 12476 - 06.04.2011 18:44:32

Der Winter geht, der Frühling ist da, es naht der Sommer. So sind auch meine zuerst gehaltenen Ameisen gut über den Winter gekommen. Ich habe ihnen eine relativ kurze Winterruhe gegönnt, es waren ca 2,5 Monate. Mittlerweile dürfen sie wieder Temperaturen bis zu 20 Grad genießen, was für Aphaenogaster lediglich angenehm ist. Richtig aufdrehen sie erst ab 25+.
Wie bereits im ersten Beitrag geschrieben, lasse ich sie buddeln und kann somit nichts über ihren tatsächlichen Zustand sagen. Ich sehe nach mehreren kalten Tagen, wenn dann mal wieder die Lampe Wärme spendet, wie sie ihre Puppen Richtung Wärmequelle tragen. Dabei kann es durchaus passieren, dass sie welche kurzfristig außerhalb des Nestes, jedoch nahe am Eingang, platzieren. Der Nesteingang ist weiterhin wunderbarerweise das Loch im abgestorbenen Ast. Wenn mal "gutes Wetter" ist, sind auch etliche Artbeiterinnen draußen, sonnen sich an der Spitze des Holzes oder an der Rückwand hochkrabbelnd.


Mittlerweile nehmen sie, was anfangs gar nicht ging, auch Zucker an, sowohl reinen als auch Zuckerwasser. Honig wird aber preferiert. An Insekten wird alles genommen und eingetragen. Ich bin jedoch dazu übergangen nur noch frischtote oder gefrorene Insekten anzubieten. Wurst wird auch angenommen, Hackfleisch auch, Salami und rohe Pute dagegen wird verschmäht. Wo sie so richtig bei losjagen sind große Fruchtfliegen. Das ist eine wahre Hetzjagd und spannend mit anzusehen, wie sie hinter den flinken Fliegen her jagen. Trotzdem kriegen sie sie früher oder später und dann ist auch richtig was los. An die 100 Arbeiterinnen sind dann draußen, wenn es zudem noch warm im Becken ist. Fischflocken werden ebenfalls sehr gerne genommen.
Fazit: Gourmetameisen. Fettes und ungesundes wird weitgehen verschmäht, nahrhaftes dagegen gierig aufgenommen.


Das Becken wird nach wie vor von etlichen Nebenbewohner gefüllt. Würmer/egal, Springschwänze, die kurz mal ziemlich dazimiert waren, jetzt habe ich wieder ein paar nachgekippt, weiße Asseln fallen wohl wirklich ins Beuteschema der Aphaenogaster, da ich wenige Tage nach reinkippen keine mehr sehe. Mindestens einer der Mistkäfer lebt nich, eine etwa 1 cm große Spinne, die ab und zu mal eine Ameise fängt, Regenwürmer, kleine Käfer.


Meine neusten Bewohner sind gestern gefundene Temnothorax sp. Diese beiden Arten würden sich in der Natur wahrscheinlich eher weniger über den Weg laufen, doch sie lassen sich in Ruhe. Ich habe mehrfach beobachten können, wie Aphaenogaster die kleinen Temnothorax entdecket haben. Außer einem kurzen Abtasten passiert aber rein gar nichts. Niemand wird nervös, niemand flieht, niemant reagiert aggressiv. Das beweist also, dass die Südländer doch nicht so aggressiv sind, wie manchmal beschrieben wird. Blöd ist nur, dass der Tropfen Honigwasser aus ihrer Eichel von den Aphaenogaster aufgeschlürft wurde. Sah lustig aus, wie 5, 6 Aphaenogaster im Kreis auf der Eichel saßen und die Temnothorax nur aus dem Nesteingang gelurgt haben.


Die Pflanzenwelt ist üppig und wild, jedoch nicht so schwer zu beherrschen, wie es den Anschein hat. Bisher muss ich nur den Ficus ca alle 2 Monate mal stutzen und die unbekannte Ranke, die übersäät mit Schildläusen ist, musste ich erst einmal etwas zurechtstutzen. Die Farne wachsen auch sehr gut, Algen und Moos ist im Kommen.


Ich bin gespannt, ob die Aphaenogaster dieses Jahr wieder schwärmen bzw. ob dieses Jahr auch mal Königinnen mit schwärmen. Letztes Jahr habe ich ja nur männliche Geschlechtstiere gesehen. Aber bis dahin habe ich ja noch ein paar Monate Zeit.


Wie immer zum Schluss etwas fürs Auge








Post 12678 - 22.04.2011 16:07:24

Hallo,


soeben ist mal wieder etwas typisches für Aphaenogaster passiert. Da sie jetzt schon etliche Wochen bzw. rund 2 Monate und mehr aus der Winterruhe sind, ist ihre Brutaktivität in vollem Gange. Wenn dies der Fall ist, geben sie ihren Puppen richtig viel Wärme. Doch heute sind sie sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Für Aphanogaster ist es charakteristisch, dass sie ihre Brut sogar mal nach außerhalb des Nestes transportieren, was ja eigentlich eine Gefahr darstellt. Ich hatte gestern das Moos im Becken extra per Sprühflasche befeuchtet. Heute ergab sich folgendes Bild (bitte bei imageshack nochmals auf das Bild klicken, um die Originalgröße zu sehen):




Sie haben nicht nur Puppen, sondern sogar Larven nach draußen getragen, in diesem Ausmaß zum erstem Mal, immer schön ins noch ganz leicht feuchte Moos, denn dies stellt nicht die wärmste Stelle im Becken dar, jedoch natürlich trotzdem ziemlich warm.


Dass dieser Spot etwas weiter weg vom Nesteingang ist, sollen euch folgende Bilder zeigen, die ein Herauszoomen darstellen. Der Nesteingang ist nach wie vor das Loch im Holzast.






Grüße
Stephan



Post 12898 - 03.05.2011 14:36:00

Mir sind nochmals Fotos, diesmal jedoch keine so guten, von der nestexternen Lagerung von Brut gelungen. Diesmal fiel die Anzahl an Brut und Arbeiterinnen jedoch noch größer aus. Es sind ungefähr 100+ Arbeiterinnen an diesem Ort des Beckens + Brut.



Ebenfalls am Nesteingang, wo ein abgebrochener Seitenast nach oben ragt, sonnen sich meine Kleinen. Mittlerweile haben sie dort jedoch eine deutliche Erdüberbauung angelegt. Grundsätzlich sollte mittlerweile etwas mehr Erde rein, denke ich.



Noch etwas zum Schluss:
Ich habe mich entschlossen diese Kolonie bei Interesse abzugeben. Wer sie also weiterpflegen möchte, der kann sich gerne bei mir melden. Wenn sich niemand findet, werde ich sie natürlich weiterhin gut versorgen. Mehr dazu hier: http://www.eusozial.de/viewtopic.php?f=18&t=1255
Grüße
Stephan