24. November 2012
566. TagDie Camponotus fellah Kolonie erweist sich weiterhin als spannend in der Haltung. Selten habe ich soviele verschiedene Facetten einer Art in der Haltung kennenlernen dürfen. Die Koloniegröße ist nicht mehr zu schätzen, da sie überall im Becken verteilt sind. Es sind stehtig mehrere hundert Ameisen draussen, wobei sich richtige Ameisenpulks bilden. Gruppen von mehreren Dutzend Ameisen entstehen wohl eher unwillkürlich im Becken. Die Ameisen sind überall und Nahrung ist immer willkommen. 10 adulte Steppengrillen sind binnen einer Stunde zerlegt und in den Nestern verschwunden. Wenn ich Honig fütter, dauert es nur ein paar Minuten und einige Arbeiterinnen kleben fest. Die Näpfe von 4cm Durchmesser sind jedoch schneller geleert als die Festklebenden versterben. Somit werden diese zum Ende hin gesäubert und alles geht wieder seinen weg. Die Damen fördern weiterhin Styropor ans Tageslicht. Jetzt wo sie auch in dem trockenen Sand graben wird klar, welches Ausmaß die Nester in der freien Natur erreichen. Die Nesteingänge sind sehr groß, es entstehen Mulden im Sand mit zig Eingängen, ca. Handflächen bis Handgroß. Es gibt mehrere von diesen großen Eingängen, in meinem Becken sind nun trotz der fünf großen Nester die sie bewohnen, mittlerweile vier dieser Nesteingänge.
Da das Wachstum weiterhin sehr rasant vorran ging, musste ich ihnen mal ein Schloss vor hängen. Ich habe die Heizmatte abgenommen und die Proteingabe stark reduziert. Nach einigen Wochen waren dann die letzten Puppen geschlüpft. Unter 18°C. enwtickeln sich keine Puppen mehr aus den Larven, die Eierproduktion wurde eingestellt und einige tausend kleine Larven waren vorhanden. Ja richtig einige Tausend kleine Larven. Die Produktion einer so großen Kolonie ist unwahrscheinlich bei entsprechender Versorgung. Eier wurden nicht mehr hervorgebracht, demnach habe ich der Gyne einfach mal ein Bißchen Ruhe gegönnt. Der Außendienst wurde aber nicht eingestellt und es waren auch nicht merklich weniger Ameisen außerhalb des Nestes. Alles ging weiterhin seinen Gang. Die Kolonie ist mittlweile so groß das einfach stetig furagiert wird immer und zu jeder Tageszeit ist das Becken mit einigen hundert Ameisen gefüllt, wobei man aber immer noch hervorheben muss, dass meine Kolonie ihre Hauptaktivität in den Nachtstunden hat zwischen 12 und 03 Uhr. Dann nimmt die Aktivität nach und nach ab, bis es zu den Abendstunden wieder mehr wird. Jetzt wo es früher dunkel wird sollte man denken das sie deswegen auch früher in Massen das Nest verlassen, dem ist aber nicht so. Sie haben wohl ihre festen Zeiten!
Plötzlich jedoch füllte sich der Abfallhaufen mit toten Tieren, zügig waren es hunderte Tiere die entsorgt wurden. Viele Ameisen die furagierten trugen tote Tiere mit sich herum. Ob diese nun verstarben weil ich die Bedingungen geändert habe, oder ob sie auch so verstorben wären bleibt unersichtlich. Die Kolonie ist jetzt 1 1/2 Jahre alt, es kann natürlich sein das die erste große Welle an Arbeiterin verstorben ist unabhängig von den Bedingungen. Jedoch viel auf, das es nun auch viele Kämpfe zwischen den Tieren gab. Gruppen von bis zu 10 Tieren fanden sich zusammen, diese attackierten dann einzelne Tiere, bis sie verstarben. Dieses Szenario spielte sich immer erst in den Abendstunden ab. Bis zu 10 10ner Gruppen fanden sich im Becken zusammen. Es wurde je Gruppe immer nur ein Tier attackiert und z.T. lebend, zerrend und unter Gegenwehr zum Müllhaufen gebracht. Es wurden nur geschwächte, wohl dem Tot nahe stehende Tiere angegriffen. Jedes Tier welches angegriffen wurde, wurde auch getötet. Die Attacken und die Zerrerein dauerten z.T. Stunden.
Ob dies ein Zeichen einer Mangelversorgung war kann ich nicht sagen.
Nichts desto Trotz habe ich natürlich gehandelt und die Heizmatte wieder angebracht und wieder mehr Proteine verfüttert. Die Larven wuchsen schnell herran, Eier jedoch habe ich bis jetzt noch keine sichten können, obwohl die Heizmatte nun schon wieder einige Wochen hängt.
Weiter geht es mit Klarheiten, was die Lichtscheu dieser Art angeht und das bevorzugen von Wärmespots.
Bei meiner Kolonie verhält es sich wie folgt:
Die Ameisen meiden allgemein Licht.
Anfangs war nur Aktivität außerhalb des Nestes in den Nachtstunden zu verzeichnen.
Die Nachtaktivität nahm immer mehr zu, soll heißen immer mehr Arbeiterinnen verließen nachts das Nest, tagsüber war es ruhig im Becken.
Schaltete man nachts das Licht an, rannten die Arbeiterinnen wie von der Tarantel gestochen zurück ins Nest, sie ließen schlagartig alles stehen und liegen.
Dann weitete sich ihr Aktivitätsfenster aus, sie furagierten bei steigender Individuenzahl nicht nur nachts, sondern auch bei Dämmerung.
Irgendwann reichte die Nacht nicht mehr aus, die Kolonie zu versorgen und sie mussten nun auch morgens und in den frühen Abendstunden furagieren, tagsüber jedoch blieb das Becken immer noch leer.
Aber ihr Aktivitätsfenster erweiterten sie stetig bei wachsender Individuenzahl. Die ersten Arbeiterinnen furagierten nun auch bei Tageslicht.
Schaltete ich nun des Nachts in ihrer Hauptaktivitätszeit das Licht ein, flüchteten längst nicht mehr alle Arbeiterinnen in das Nest, nur ein Teil. Es scheint als hätten einige Arbeiterinnen nun "den Auftrag" stetig nach Nahrung zu furagieren.
Nachts ist aber immer noch ihre Hauptaktivität zu verzeichnen, dennoch eroberten sie im Laufe der Zeit auch den Tag, sie müssen einfach stetig furagieren um die Kolonie anständig versorgen zu können. Selbst zwischen 15 und 18°C über mehrere Wochen ändert sich an ihrem furagierverhalten nichts. Auch wenn die Brut nicht mehr wächst und keine Eier vorhanden sind, die Arbeiterinnen sind unterwegs und versuchen das Überleben der Kolonie zu sichern.
In der Zeit wo ich keine Wärmequelle angeboten habe und die Sonne an einigen Stellen ins Becken schien, ereigneten sich jedesmal hektische Szenarien. Die Ameisen versuchten hektisch Wärme aufzunehmen um diese dann ins Nest transportieren zu können. Kein all zu weit hergeholtes Verhalten, in Nordafrika sind die Nächte zum Teil sehr kalt, die Morgensonne wird dort mit Sicherheit gerne genutzt um die Kolonie und das Nest, welches wohl von der kalten Nacht ausgekühlt war, wieder aufzuwärmen. Meine Theorie wird zu dem noch unterstützt durch die Beobachtung, das gerade in den Morgenstunden viele Arbeiterinnen das Nest verließen und die Scheiben belaufen haben, die Richtung Fenster zeigten. Sie wollten nicht zum Licht hin, sondern folgten nur ihrem Instinkt, das kalte Nest aufzuwärmen mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages.
Dieses Verhalten haben sie am ersten Tag, an dem ich nun die Heizmatte wieder angebracht habe abgelegt, die Scheibe hin zum Fenster ist nun wieder frei.
Zum Schluss:
Ich habe zwei Videos gemacht. Einmal wie gewünscht vom kompletten Becken. Das Video habe ich tagsüber gemacht und es zeigt wieviele Arbeiterinnen unterwegs sind.
Das zweite Video zeigt die hektischen Arbeiterinnen, die wie verrückt die ersten Sonnenstrahlen am Morgen feiern. Bringt Licht jedoch keine Wärme mit, wird es gänzlich gemieden, auch wird es gemieden, wenn andere Wärmequellen zur Verfügung stehen.
Die Videos werde ich die Tage (1-2 Wochen) hier in dem Haltungsbericht bereitstellen.
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