*Camponotus fellah - Haltungsbericht

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Fr 18. Mai 2012, 09:00

18. Mai 2012
Ein Jahr Camponotus fellah


Herzlichen Glückwunsch!

Heute vor genau einem Jahr nahm ich das Paket vom Postboten entgegen und öffnete es voller Spannung. Die Haltung von Camponotus fellah began mit einer Köngin und sechs Arbeiterinnen In diesem Beitrag will das jahr noch nicht revu passieren da entstehen schnell entlos lange Texte. In diesem Beitrag möchte ich euch zeigen was aus dieser kleiner Kolonie geworden ist:
Bild

Zur Feier des Tages habe ich das Hauptnest gefilmt. Ein kleines Nest neben dem Hauptnest, sowie ein Nest an der Stirnseite sind ebenfalls bereits bewohnt. Diese habe ich nicht abgefilmt, da dort auch keine Brut gelagert wird. Die meisten Arbeiterinnen befinden sich leider wie immer an der den Decken der Kammern um dem Licht zu entfliehen. Es sind weit über 1000 Arbeiterinnen und mind. nochmal soviel Bruteinheiten. Überzeugt euch selbst:
Bild

Hier ein seperates Video das die Königin zeigt, der vor Schreck ein kleines Malheur passiert:
Bild

Dieses Video zeigt die Kolonie in Zeitlupe und ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das was noch kommen wird:
Bild

Link zur Diskussion
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
antic, Daniel Falk, Holger Barnack

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Mi 30. Mai 2012, 19:46

30. Mai 2012
378. Tag


Die Ameisen tun nichts anderes als sonst auch. Sie vermehren sich und vermehren sich. Spannend bleibt es allemal, denn auch ihr Verhalten ändert sich stetig. Es wird gegraben und gegraben. Natürlich schütte ich ihre Bauten immer wieder zu. Einmal sind sie schon ins Becken Innere Vorgedrungen und förderten ordentlich Styropor an die Oberfläche. Dem konnte ich aber Herr werden. Damit ich nicht immer mehr Sand in das Becken schütten muss, zwacke ich es auf der einen Seite ab und schütte damit dann die Grabwerke auf der anderen Seite wieder zu. Sie können einiges in einer Nacht bewegen. Ca. 0,1³l trockenen Sand. Körnchen für Körnchen befördern sie nach oben und ergänzen ihre Effizienz in dem sie den Sand wie Ameisen der Gattung Cataglyphis durch die Hinterbeine durchschieben.

Die Wasserstelle wird immer noch bewacht und verteidigt bis auf den Tot.

Mittleweile ist das größte Nest an der Frontseite ganz links mit den Maßen: B/H 60x20cm und 7,5cm Tiefe voll.
Ein kleines Nest rechts daneben mit den Maßen: B/H 28x10cm und 5cm Tiefe ist ebenfalls voll.
Und sie bewohnen noch das mittlere Nest an der Stirnseite links im Becken mit den Maßen: B/H 20x28cm und ebenfalls 5cm Tiefe. Dieses ebenfalls voll.

Das zweite große Nest auf der Rückseite des Beckens ist nun geöffnet, die Grabtätigkeiten treten zwar immer noch auf, aber nicht mehr so engagiert.

Auch steigt nun die Anzahl der Sterbenden Ameisen. Heute habe ich bestimmt 100 Tiere von dem Müllhaufen entfernt, leider weiß ich nicht mehr wann ich diesen das letzte Mal abgetragen habe, werde aber im nächsten Bericht genaue Angaben machen können.

Das Volk ist nun hochgradig agressiv, sie greifen unverzüglich alles an was nicht nach Ameise oder Beckeneinrichtung riecht. Die mobilsten Ameisen sind in dem kleinen Nest rechts neben dem Großen. Dort befinden sich fast nur Minorarbeiterinnen. Diese strömen als erstes heraus, selbst wenn es ärger vor dem Nesteingang des großen Nestes gibt.

Es ist quasi die Vorhut.

Im großen Nest indessen vergrößert sich nun stetig die Zahl der Majorarbeiterinnen. Auch in Relation zu den anderen Kasten. Die Majorarbeiterinnen nehmen prozentual im Vergleich zu den anderen Kasten zu. Somit nehmen oder übernehmen sie jetzt schon die Plätze einiger Minorarbeiterinnen. Sprich man sieht sie immer häufiger außerhalb des Nestes.

Im Nest selber erkennt man gut, dass es immer mehr große Puppen gibt.

Damit ihr euch endlich mal ein Bild machen könnt, was für ein Wachstum diese dazu noch wirklich große Ameisenart an den Tag legt hier mal ein Foto von Anfang Januar diesen Jahres, sprich vor fünf Monaten. Da sah die Kolonie noch so aus:
Bild

Und hier das aktuelle Video:
Bild

Nach dem ich mit der Kamera um die Ecke schwenke, sieht man die Seite des großen Nestes. Dort sitzen auch ein paar Arbeiterinnen. Dieses sind des Tages Aufpasser. Des Nachts kommen noch einige Arbeiterinnen hinzu, dann graben sie die Seite frei, nach ca. drei Tagen haben sie den Sand bis unten hin abgetragen.

Es sind nun denke ich so um die 2000 Arbeiterinnen, wenn nicht sogar noch mehr. Sie fressen pro Woche eine Schachtel ausgewachsene Steppengrillen, sprich 20 Stück davon.

Link zur Diskussion
Zuletzt geändert von Imago am Sa 24. Nov 2012, 16:33, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
andie215, antic, Daniel Falk, Holger Barnack, Jacky, NCS

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Mo 11. Jun 2012, 20:29

11. Juni 2012
390. Tag


Das wird wohl das kleinste Update dieses Haltungsberichtes, denn ich möchte euch nur ein kleines Video zeigen, das Camponotus fellah beim Graben zeigt. Ich hatte es jetzt nun schon so oft erwähnt, das sie die gleiche Grabmethode anwenden wie Ameisen der Gattung Cataglyphis. Sie arbeiten sehr effektiv. Gänge wie Flächen werden gerne mit mehreren Arbeiterinnen bearbeitet. Sie arbeiten tatsächlich völlig ersichtlich im Team zusammen. Es steckt eine Logik hinter dem Grabverhalten. Ein bis zwei Arbeiterinnen sind am Ende des Ganges und schieben den Sand nach hinten durch, die anderen Arbeiterinnen schieben ihn weiter nach hinten, nehmen sich die größten Brocken zwischen die Mandiblen, bringen sie aus dem Gang und fangen am Anfang des Geganges wieder an den Sand nach draußen zu schieben, gehen einige Schritte und schieben wieder den Sand nach hinten, bis sie wieder am Ende des Ganges bei den Frontameisen angekommen sind, dann tragen sie den ihren Hügel wieder mit der besagten Methode ab, sind mehrer Tiere am Werk, trägt die eine Arbeiterin, den Berg hinter der Anderen ab und bringen dann die größten Brocken mit den Mandiblen nach draußen, so geht das die ganze Zeit. Eine höchst effektive Methode. Sie schaffen so in wenigen Stunden komplette Gangsysteme, wenn man sie nicht immer und immer wieder zuschüttet. Sie graben die Gänge in den trockenen Sand. Der Ansatz eines einen kleinen Hügels, ist für für sie schon Anreitz genug sich gerade in diesen hineinzuarbeiten. Die Gänge werden nicht nach unten oder schräg angelegt, nein sie graben sich geradeaus in den Hügel hinein. Jedesmal das gleiche Spiel. Hm, nun hab ich doch etwas mehr geschrieben als erwartet :angel:

Hier nun das Video:
Bild

Zuletzt geändert von Imago am Sa 24. Nov 2012, 16:33, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
antic, Holger Barnack, Jacky, NCS

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Mi 13. Jun 2012, 18:59

13. Juni 2012
392. Tag


Es wird mittlerweile immer schwerer die Damen im Zaum zu halten. Obwohl die Außenaktivität tagsüber immer noch sehr moderat ist, evtl. bei 50 Tieren. Geht nachts die Post ab. Es wird nun auch tagsüber gegraben was das Zeug hält. Täglich schütte ich neue Bauten zu. Weiterhin greifen sie alles unverzüglich an was nicht in das Becken gehört oder sich bewegt. Zur Zeit findet außerdem eine Metamorphose der Kolonie statt. Ich schrieb in dem vor letzten Beitrag:

Auch steigt nun die Anzahl der Sterbenden Ameisen. Heute habe ich bestimmt 100 Tiere von dem Müllhaufen entfernt, leider weiß ich nicht mehr wann ich diesen das letzte Mal abgetragen habe, werde aber im nächsten Bericht genaue Angaben machen können.


Also auf den Müllhaufen finde ich nur Minorarbeiterinnen und das nicht zu knapp. Es sind ca. 100 die Woche die versterben. Was aber halb so wild ist, denn meine Vermutung bestätigt sich somit. Im letzten Beitrag schrieb ich:

Im großen Nest indessen vergrößert sich nun stetig die Zahl der Majorarbeiterinnen. Auch in Relation zu den anderen Kasten. Die Majorarbeiterinnen nehmen prozentual im Vergleich zu den anderen Kasten zu. Somit nehmen oder übernehmen sie jetzt schon die Plätze einiger Minorarbeiterinnen. Sprich man sieht sie immer häufiger außerhalb des Nestes.


Die Majorarbeiterinnen haben nun stetig zu genommen. Die verschriehene "Kaste der Minderheit" wird ihrem Ruf nicht mehr gerecht. Ich habe das bei großen Camponotus ligniperdus Völkern und auch bei großen Camponotus herculeanus Völkern bereits in der Natur beobachtet. Je größer die Völker sind, desto mehr große Tiere übernehmen den Außendienst. In Kärnten fand ich einmal zwei riesige Kolonien. Eine Camponotus ligniperdus und einige Höhenmeter entfernt eine große Kolonie Camponotus herculeanus. Beide Kolonien waren fast auschließlich mit Media und Majorarbeiterinnen im Außendienst vertreten. Ich fand kaum Minorarbeiterinnen. Im Moment sieht es so aus, das die Camponotus fellah auf dem besten Weg dorthin sind.

Die Puppen sind z.T riesig (Geschlechtstierpuppen werden es nicht sein, die sind nicht so Kegelförmig!):
Bild

Sie Stechen immer heraus, nicht nur wegen der Größe, sondern weil sie gesondert gelagert werden. Große Puppen liegen immer beisammen, nie liegt eine große Puppe irgendwo alleine zwischen Kleineren. Eine große Puppe kommt selten allein:
Bild

Ein Schnappschuss in eine nicht Puppenkammer zeigt, die Überzahl der großen Tiere:
Bild

Hier sieht man ebenfalls viele Majore:
Bild

Die Brut wird von den Minorarbeiterinnen betreut. Doch lasst euch nicht täuschen, die Majorarbeiterinnen sitzen unter der Decke. Strahle ich sie mit einer LED Lampe an, kommen sie zum Vorschein und suchen das Dunkle. Sie warten an der Decke auf ihren Einsatz, Nahrung weitergeben:
Bild

Hier tragen zwei Arbeiterinnen oben noch schnell ein paar Eier weg:
Bild


Und zum Schluss das Beste an diesem Update!

Eine kleine Reise durch das Nest. Macht euch selbst ein Bild von den Eiern, Larven und Puppen. Den Majorarbeiterinnen und das Leben der Kolonie:
Bild
Zuletzt geändert von Imago am Sa 24. Nov 2012, 16:34, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
Holger Barnack, Jacky, Leviathan, Marcel Dieter, YuraFrost

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » So 24. Jun 2012, 13:57

24. Juni 2012
403. Tag


Dieses mal eine reine bildliche Dokumentation. Diese Dame, zugegeben schon sehr dunkel gefärbt, wurde gerade aus dem Kokon geschält. Ein bißchen Seide vom Kokon, hängt noch an den Mandibeln. Dies sind nun die ersten Lebenszeichen und die ersten Schritte dieser frisch geschlüpften Imago:
Bild

Zuletzt geändert von Imago am Sa 24. Nov 2012, 16:35, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
Barristan, Frank Mattheis, HaraldG, Holger Barnack

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Mo 9. Jul 2012, 21:16

9. Juli 2012
418. Tag


Ich bin auf etwas gestoßen, evtl. schafft es Klarheit. Bezugnehmend auf dieses Bild:
Bild

Ich postete das Bild am 17. April 2012 in diesem Haltungsbericht. Leider konnte mir damals auch keiner eine Antwort geben.

Die Majorarbeiterin öffnet drohend ihre Mandibeln. Gut in der Vergrößerung auf dem Bild zu erkennen das an den Maxillen zwischen den Mandibeln austretende Sekret.

Jetzt stieß auf diesen Artikel von Camponotus saundersi im Ameisenwiki.

Interessant ist diese Textpassage:

Das Sekret entstammt den Mandibeldrüsen, die unmäßig vergrößert sind und bis in die Gaster reichen. Normalerweise finden sich diese Drüsen im Kopf, Sekrete werden an der Basis der Mandibeln entlassen. Bei Camponotus ligniperdus-Männchen dient das Sekret z.B. dazu, vor dem Hochzeitsflug die Weibchen aus dem Nest zu locken.


Handelt es sich also um ein Abwehrsekret?

Desweiteren ist mir nun dieses Bild geglückt:
Bild

Die Gyne hat die Länge des roten Balkens, die Majorarbeiterin die des blauen Balkens.

Es ist nicht die größte Majorarbeiterin, jedoch sieht man eindeutig den Unterschied. Vor allem das Gesamtvolumen ist bei einer Majorarbeiterin deutlich größer. Die Gyne sieht richtig zierlich dagegen aus. Man muss eigentlich auch mit einberechnen das die Gyne weiter im Vordergrund ist und somit auch noch größer wirkt. Natürlich sind beide Tiere nicht in Position, aber ich denke es lässt sich gut erkennen, das die Majorarbeiterinnen größer werden als die Gyne:
Bild

Ich muss mich für die Bildqualität entschuldigen, aber es handelte sich lediglich um einen Schnappschuss.

Für Leser die heimische Camponotus halten: Majorarbeiterinnen von Camponotus ligniperdus und herculeanus sind von der Körperlänge in etwa so groß wie eine Mediaarbeiterin von Camponotus fellah.

Zuletzt geändert von Imago am Sa 24. Nov 2012, 16:35, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
Jacky, NCS

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Mi 29. Aug 2012, 11:06

29. August 2012
469. Tag


Bild

Die warmen Tage der vergangen Wochen sind auch an diesem Volk nicht spurlos vorbeigegangen. Die Brut hat sich noch zügiger entwickelt und kurz um, das Becken ist voll. Das 1 Meter und 20 Zentimeter lange Becken, mit 40 Zentimetern Tiefe und 50 Zentimetern Höhe hat seine Kapazitäten erreicht. Die Komplette Nestfläche von 1 Meter und 88 Zentimetern in der Länge, sowie 1 Meter und 6 Zentimetern in der Höhe, bei einer Kammerntiefe von 5-7,5 Zentimetern ist gefüllt und somit erschöpft. Doch damit nicht genug: Die Ameisen haben sich zu dem noch eigene Nestflächen geschaffen und das wohl nicht zu knapp. Große Teile des Beckens sind bereits untergraben. Sie haben Nesteingänge geschaffen die selbst im lockeren Sand, einen Durchmesser von 8 Zentimetern aufweisen.

Bild

Des Nachts zeigt sich, was sich tagsüber kaum erahnen lässt. Hunderte Ameisen durchstreifen das Becken. Puste ich leicht in das Becken hinein passiert etwas, wobei ich jedes Mal Gänsehaut bekomme. Nochmal strömen hunderte Arbeiterinnen aus den Nestern und rennen wie wild durch das Becken. Die großen Majore die über 1,5 Zentimeter groß sind bahnen sich mit ihren riesigen Köpfen den Weg durch das schier entlose Gewusel. Das Geräusch welches durch das Krabbeln im Becken entsteht lässt mich jedes Mal ein wenig schaudern. Durch getrockenete Gummibaumblätter etc. entsteht ein Rascheln und Kratzen, was die Tarsen verursachen.

Bild

Die Ameisen nehmen nun auch trockenen Zucker an. Letztens habe ich mal Zuckerwasser angeboten, normal mache ich das nicht aber ich wollte mal schauen was passiert und wie stark der Andrang ist. Das erste Schälchen (Antstorenapf 5cm Durchmesser) war nach 2std. gelehrt, der Zweite nach knapp 5, wobei ein kleiner Rest am Boden festtrocknete. 2 Tage später war diese harte Zuckerschicht vollends abgetragen und der Napf wieder blitze blank. Ich denke nicht das sie den Zucker nur abgetragen haben, sie "lecken" stehtig daran, also denke ich kann man hier schon von einer Aufnahme sprechen, wenn auch die Mengen gering sind und der Arbeitsaufwand recht hoch. Es dient wohl auch nur dem Eigenberarf.

Bild

Aufgrund der enormen Wachstumsrate muss ich die Proteinversorgung nun reduzieren. Die Kolonie gibt permanent Vollgas. Die Gyne ist mal physogastrisch und mal nicht, Eier gibt es dennoch zu hunderten im Nest, wenn nicht zu tausenden. Die Brut ist natürlich unzählbar, die Ameisen auch. Sie verteilen sich auf zu viele Nester und da sie sich ja jetzt auch noch eingegraben haben, fehlt auch die Übersicht. Ansich nimmt das Volk auch keine Rücksicht mehr auf Verluste. Die Pinzette wird unverzüglich angegriffen, alleine oder mit mehreren das ist der Ameisen egal. Die Ameise verbeißt sich und streckt den Hinterleib nach vorn, ein Alarmsignal und schon geht das Gewusel los.

Bild

Geschlechtstierpuppen sind weiterhin nicht vorhanden. Das Volk kommuniziert wohl sehr gut über die verschiedenen Nester, denn auf der Seite der Terrassentür, wo für einige Zeit auch mal die Sonne auf das Nest scheint, wird stehtig Brut gelagert. Bruttransporte von einem Nest zum Anderen konnte ich jedoch noch nicht beobachten, dies geschieht wohl aussschließlich nachts. Die Heizmatte habe ich abgenommen, obwohl sie wohl freiwillig, selbst bei den warmen Temperaturen nicht darauf verzichtet hätten.

Zuletzt geändert von Imago am Sa 24. Nov 2012, 16:35, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
Christopher Janßen, Erne, GFAJ-1, Jacky

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Do 11. Okt 2012, 20:07

11. Oktober 2012
512. Tag


Letztens habe ich ein Video gemacht. Es ist in full HD aufgenommen, leider unterstüzt VIDUP kein full Hd. Schade, aber dennoch möchte ich euch das Video nicht vorenthalten, auch wenn es nur mindere Qualität ist.

Bild

Link zur Diskussion
Zuletzt geändert von Imago am Sa 24. Nov 2012, 16:36, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
Easton

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Sa 24. Nov 2012, 16:03

24. November 2012
566. Tag


Die Camponotus fellah Kolonie erweist sich weiterhin als spannend in der Haltung. Selten habe ich soviele verschiedene Facetten einer Art in der Haltung kennenlernen dürfen. Die Koloniegröße ist nicht mehr zu schätzen, da sie überall im Becken verteilt sind. Es sind stehtig mehrere hundert Ameisen draussen, wobei sich richtige Ameisenpulks bilden. Gruppen von mehreren Dutzend Ameisen entstehen wohl eher unwillkürlich im Becken. Die Ameisen sind überall und Nahrung ist immer willkommen. 10 adulte Steppengrillen sind binnen einer Stunde zerlegt und in den Nestern verschwunden. Wenn ich Honig fütter, dauert es nur ein paar Minuten und einige Arbeiterinnen kleben fest. Die Näpfe von 4cm Durchmesser sind jedoch schneller geleert als die Festklebenden versterben. Somit werden diese zum Ende hin gesäubert und alles geht wieder seinen weg. Die Damen fördern weiterhin Styropor ans Tageslicht. Jetzt wo sie auch in dem trockenen Sand graben wird klar, welches Ausmaß die Nester in der freien Natur erreichen. Die Nesteingänge sind sehr groß, es entstehen Mulden im Sand mit zig Eingängen, ca. Handflächen bis Handgroß. Es gibt mehrere von diesen großen Eingängen, in meinem Becken sind nun trotz der fünf großen Nester die sie bewohnen, mittlerweile vier dieser Nesteingänge.

Da das Wachstum weiterhin sehr rasant vorran ging, musste ich ihnen mal ein Schloss vor hängen. Ich habe die Heizmatte abgenommen und die Proteingabe stark reduziert. Nach einigen Wochen waren dann die letzten Puppen geschlüpft. Unter 18°C. enwtickeln sich keine Puppen mehr aus den Larven, die Eierproduktion wurde eingestellt und einige tausend kleine Larven waren vorhanden. Ja richtig einige Tausend kleine Larven. Die Produktion einer so großen Kolonie ist unwahrscheinlich bei entsprechender Versorgung. Eier wurden nicht mehr hervorgebracht, demnach habe ich der Gyne einfach mal ein Bißchen Ruhe gegönnt. Der Außendienst wurde aber nicht eingestellt und es waren auch nicht merklich weniger Ameisen außerhalb des Nestes. Alles ging weiterhin seinen Gang. Die Kolonie ist mittlweile so groß das einfach stetig furagiert wird immer und zu jeder Tageszeit ist das Becken mit einigen hundert Ameisen gefüllt, wobei man aber immer noch hervorheben muss, dass meine Kolonie ihre Hauptaktivität in den Nachtstunden hat zwischen 12 und 03 Uhr. Dann nimmt die Aktivität nach und nach ab, bis es zu den Abendstunden wieder mehr wird. Jetzt wo es früher dunkel wird sollte man denken das sie deswegen auch früher in Massen das Nest verlassen, dem ist aber nicht so. Sie haben wohl ihre festen Zeiten!

Plötzlich jedoch füllte sich der Abfallhaufen mit toten Tieren, zügig waren es hunderte Tiere die entsorgt wurden. Viele Ameisen die furagierten trugen tote Tiere mit sich herum. Ob diese nun verstarben weil ich die Bedingungen geändert habe, oder ob sie auch so verstorben wären bleibt unersichtlich. Die Kolonie ist jetzt 1 1/2 Jahre alt, es kann natürlich sein das die erste große Welle an Arbeiterin verstorben ist unabhängig von den Bedingungen. Jedoch viel auf, das es nun auch viele Kämpfe zwischen den Tieren gab. Gruppen von bis zu 10 Tieren fanden sich zusammen, diese attackierten dann einzelne Tiere, bis sie verstarben. Dieses Szenario spielte sich immer erst in den Abendstunden ab. Bis zu 10 10ner Gruppen fanden sich im Becken zusammen. Es wurde je Gruppe immer nur ein Tier attackiert und z.T. lebend, zerrend und unter Gegenwehr zum Müllhaufen gebracht. Es wurden nur geschwächte, wohl dem Tot nahe stehende Tiere angegriffen. Jedes Tier welches angegriffen wurde, wurde auch getötet. Die Attacken und die Zerrerein dauerten z.T. Stunden.

Ob dies ein Zeichen einer Mangelversorgung war kann ich nicht sagen.

Nichts desto Trotz habe ich natürlich gehandelt und die Heizmatte wieder angebracht und wieder mehr Proteine verfüttert. Die Larven wuchsen schnell herran, Eier jedoch habe ich bis jetzt noch keine sichten können, obwohl die Heizmatte nun schon wieder einige Wochen hängt.

Weiter geht es mit Klarheiten, was die Lichtscheu dieser Art angeht und das bevorzugen von Wärmespots.

Bei meiner Kolonie verhält es sich wie folgt:

Die Ameisen meiden allgemein Licht.
Anfangs war nur Aktivität außerhalb des Nestes in den Nachtstunden zu verzeichnen.
Die Nachtaktivität nahm immer mehr zu, soll heißen immer mehr Arbeiterinnen verließen nachts das Nest, tagsüber war es ruhig im Becken.
Schaltete man nachts das Licht an, rannten die Arbeiterinnen wie von der Tarantel gestochen zurück ins Nest, sie ließen schlagartig alles stehen und liegen.
Dann weitete sich ihr Aktivitätsfenster aus, sie furagierten bei steigender Individuenzahl nicht nur nachts, sondern auch bei Dämmerung.
Irgendwann reichte die Nacht nicht mehr aus, die Kolonie zu versorgen und sie mussten nun auch morgens und in den frühen Abendstunden furagieren, tagsüber jedoch blieb das Becken immer noch leer.
Aber ihr Aktivitätsfenster erweiterten sie stetig bei wachsender Individuenzahl. Die ersten Arbeiterinnen furagierten nun auch bei Tageslicht.
Schaltete ich nun des Nachts in ihrer Hauptaktivitätszeit das Licht ein, flüchteten längst nicht mehr alle Arbeiterinnen in das Nest, nur ein Teil. Es scheint als hätten einige Arbeiterinnen nun "den Auftrag" stetig nach Nahrung zu furagieren.
Nachts ist aber immer noch ihre Hauptaktivität zu verzeichnen, dennoch eroberten sie im Laufe der Zeit auch den Tag, sie müssen einfach stetig furagieren um die Kolonie anständig versorgen zu können. Selbst zwischen 15 und 18°C über mehrere Wochen ändert sich an ihrem furagierverhalten nichts. Auch wenn die Brut nicht mehr wächst und keine Eier vorhanden sind, die Arbeiterinnen sind unterwegs und versuchen das Überleben der Kolonie zu sichern.

In der Zeit wo ich keine Wärmequelle angeboten habe und die Sonne an einigen Stellen ins Becken schien, ereigneten sich jedesmal hektische Szenarien. Die Ameisen versuchten hektisch Wärme aufzunehmen um diese dann ins Nest transportieren zu können. Kein all zu weit hergeholtes Verhalten, in Nordafrika sind die Nächte zum Teil sehr kalt, die Morgensonne wird dort mit Sicherheit gerne genutzt um die Kolonie und das Nest, welches wohl von der kalten Nacht ausgekühlt war, wieder aufzuwärmen. Meine Theorie wird zu dem noch unterstützt durch die Beobachtung, das gerade in den Morgenstunden viele Arbeiterinnen das Nest verließen und die Scheiben belaufen haben, die Richtung Fenster zeigten. Sie wollten nicht zum Licht hin, sondern folgten nur ihrem Instinkt, das kalte Nest aufzuwärmen mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages.

Dieses Verhalten haben sie am ersten Tag, an dem ich nun die Heizmatte wieder angebracht habe abgelegt, die Scheibe hin zum Fenster ist nun wieder frei.

Zum Schluss:

Ich habe zwei Videos gemacht. Einmal wie gewünscht vom kompletten Becken. Das Video habe ich tagsüber gemacht und es zeigt wieviele Arbeiterinnen unterwegs sind.

Das zweite Video zeigt die hektischen Arbeiterinnen, die wie verrückt die ersten Sonnenstrahlen am Morgen feiern. Bringt Licht jedoch keine Wärme mit, wird es gänzlich gemieden, auch wird es gemieden, wenn andere Wärmequellen zur Verfügung stehen.

Die Videos werde ich die Tage (1-2 Wochen) hier in dem Haltungsbericht bereitstellen.

Link zur Diskussion
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
Antfriend, camaross, Daniel Falk

Re: *Camponotus fellah - Haltungsbericht

Beitragvon Imago » Sa 1. Dez 2012, 20:39

01. Dezember 2012
573. Tag


Hier nun endlich die oben angekündigten Videos. Zum einen das Becken samt wuselenden Inhalt. Es leben mehrere tausend Ameisen in dem Becken.

Camponotus fellah Becken

Und hier habe ich die Reaktion der Ameisen auf Sonnenstrahlen festgehalten. Dieses Verhalten tritt nur auf wenn es keine anderweitige Wärmequelle gibt die ohne Licht wärmt!

Camponotus fellah Reaktion auf Sonnenstrahlen

(Die Hintergrundgeräusche sind nicht original, da das Mikrofon der Kamera (Canon EOS 600D) starkes Eigenrauschen verursacht)

Link zur Diskussion
Zuletzt geändert von Imago am Fr 31. Mai 2013, 16:40, insgesamt 1-mal geändert.
Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
Benutzeravatar
Imago
 
Beiträge: 949
Bilder: 0
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 19:35
Danke gegeben: 595
Danke bekommen: 872 mal in 230 Posts

folgende User möchten sich bei Imago bedanken:
Daniel Falk, Easton, Holger Barnack

VorherigeNächste

Zurück zu Camponotus

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste