Kommentar- und Diskussionsthread zum "Bild des Tages"

  • Hallo Alexander,


    die Galerie kenne ich schon, ist ja wirklich gut. Ich denke die Einordnung lediglich anhand von Bildern dürfte schwer werden. Wir haben ein, zwei Exemplare zum Pinnen gesammelt, die demnächst im Labor "ordentlich" bestimmt werden. Es kann jedoch gut sein, dass es sich um eine parasitäre Art ("cuckoo") wie die beiden genannten beiden es sind, handelt: Allen Bienen, die ich näher betrachten konnte fehlte das Pollenkörbchen. Allerdings fehlt dieses auch bei den Männchen der anderen Arten.


    Dann schau ich mal, dass ich mal ein paar Worte schreibe.


    Phil,


    nein nicht bei Goulson, sondern im Labor nebenan beim Kollegen Francis Ratnieks. Sein Hauptfokus liegt eher bei Honigbienen als bei Hummeln, wobei es bei Themen die beide interessiert, durchaus Kooperation gibt.


    Grüße
    Katharina

  • Moin Phil,


    leider ist mir bislang noch kein wirklich gutes Bild einer Arbeiterin gelungen, da sie wirklich sehr winzig sind. Dies hier ist noch mit Abstand das beste:




    Wenn ich allerdings meine Bilder mit denen auf dieser Seite vergleiche, kommen mir sowieso Zweifel, ob meine Art überhaupt richtig bestimmt ist.


    Liebe Grüße,
    Christian

    Wanting people to listen, you can't just tap them on the shoulder anymore. You have to hit them with a sledgehammer, and then you'll notice you've got their strict attention. (Seven)

  • Danke dafür, Christian.

    Quote

    Wenn ich allerdings meine Bilder mit denen auf dieser Seite vergleiche, kommen mir sowieso Zweifel, ob meine Art überhaupt richtig bestimmt ist.

    Ja, ich hab es nämlich schon vermutet; für mich sieht das mehr nach einer Tetramorium als nach 'ner Goniomma aus. Aber vielleicht täusche ich mich, ich hab vorher noch nie mit Goniomma zu tun gehabt.


    Grüße, Phil

  • Wenn der Besttimmungsschlüssel auf der von mir verlinkten Seite richtig ist, dürfte man zumindest Goniomma hispanicum ausschließen können. Tetramorium würde auch zu den von mir gemachten Beobachtungen passen: Sie fressen zwar Körner, stellen aber kein Ameisenbrot her und legen auch kein Körnerlager an. Weiterhin jagen sie aktiv und sehr aggressiv lebende Futtertiere, wobei hierbei deutlich eine Stichbewegung zu beobachten ist.


    Edit: Wenn man sich diesen Vergleich anschaut, handelt es sich bei meinen Ameisen leider eindeutig nicht um Goniomma: http://keyants.free.fr/goniomma-myrmicinae.html

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    Edited once, last by Diffe ().

  • Ja Phil, toll, ganz super gemacht... jetzt liege ich hier wieder und denke "scheiße ist die hübsch"!


    Tolle Aufnahme! Da viele Aufnahmen im Netz in dieser typischen Abwehrhaltung existieren, nehme ich an das sie äußerst territorial und dem entsprechen aggressiv sind?


    Gibt es da auch in Costa Rica noch unterschiedliche "Farbmorphe" oder sehen die eher alle so aus?


    Gruß
    Mathias

  • Vielleicht auf Grund der Nahrungsgrundlage des Pilzes, Apterostigma verwertet ja eher tierische Produkte. Find ich zumindest naheliegend.


    Grüße Sven

    Die Nester bzw. Pilzgärten die ich aus Panama kenne, wurden hingegen hauptsächlich mit Pflanzenteilen "ernährt". Auch war keine Vorliebe für Kot - kenne ich zumindest von anderen Pilzzüchtern - erkennbar, sondern es wurden vornehmlich Blütenblätter und andere Blütenteile eingetragen.
    Rogers Kolonie einer nicht genauer bestimmten Apterostigma beobachtet man hauptsächlich an gelegentlich angebotenem Fruchtgelee. Sonst sieht man sie leider eher selten bei der Nahrungsaufnahme.


    Danke jedenfalls für den sehr informativen Hinweis, Phil. Auffällig war für mich bislang nur, dass der Pilz deutlich robuster ist bzw. sich auch aus gänzlich ausgetrocknetem Pilzmaterial mit Hilfe der Apterostigma wieder ein "blühender" Pilzgarten entwickeln konnte.


    LG, Chris

  • Hey,


    die allgemeine Biologie von Apterostigma ist noch ziemlich unerforscht, und Studien über die Ernährung der Ameisen geht kaum über anekdotische Beobachtungen hinaus. Hier könnten also die Beobachtungen von Ameisenhaltern ziemlich interessant sein!
    Bei A. collare werden sowohl tote Insekten als auch Pflanzenbestandteile als Pilznahrung eingetragen (ich meine das zumindest gelesen zu haben - ich bin mir nicht mehr sicher, wo). Möglicherweise ist der Pilz ziemlich flexibel mit dem, was er verwertet?


    Grüße, Phil

  • Meine Kolonie aus Panama sehen ich vorwiegend an Banane rumknabbern. Sonst bekommt man fast nix von ihren sonstigen Nahrungsbeschaffung mit.
    Auch die einzelne Königin die mir Phil zuverfügung gestellt hat, hat sofort Banane zu sich genommen. Mir macht diese kleine Art Riesen Spass im Tropenbecken und entwickeln sich auch sehr gut dort. Der Pilz der grossen Kolonie mit ca.200-300 Arbeiterinnen befindet sich an der Rückwand unter Pflanzen. Es bildet sich eine Strasse wenn neue Bananenstücke entdeckt werden und die Arbeiterinnen knabbern Stücke ab die zum Nest gebracht werden.

  • Hier seht ihr einige Arbeiterinnen der Art Anoplolepis nuptialis.


    Moin Olaf,


    es wird sich mit Sicherheit nicht um Anoplolepis nuptialis handeln, da man von dieser nur die Geschlechtstiere kennt, welche als Gast (daher der umgangssprachliche Name 'pet pugnacious ant') in A. custodiens Nestern leben.


    Es handelt sich bei der Art vermutlich um A. steingroeveri.


    LG, Chris

  • Hallo Olaf. Danke.
    Gefunden habe ich die Art aber schon vor längerer Zeit. Erfolglos waren nur meine Bemühungen in den Jahren, mal eine junge Königin nach ihrem Hochzeitsflug bzw. nach ihrer Begattung zu finden. Das ist halt schwierig, wenn man als Reisender wenig Zeit vor Ort hat und den richtigen Zeitpunkt erwischen muss, an dem die Ameisen schwärmen. Der kann hier in Europa zudem noch jährlich variieren, je nach Witterungsverlauf des Frühlings und Frühsommers.
    In diesem Jahr hatten wir endlich Glück.


    Die Art war mir bis in die frühen 90er gänzlich unbekannt. Eine südosteuropäische bis asiatische Ameisenart. Sie findet sich eben erst in Teilen Österreichs, Tschechiens und dann mit größeren Populationen in Ungarn. Hier, und weiter bis nach Norditalien, ist ihre westliche Verbreitungsgrenze. In den 90ern fand ich Kolonien an der Donau in Ungarn und war einfach überwältigt. Die Kolonien bewohnten dort riesige Eichen, armdicke, dichte belaufene Straßen führten am Boden über etliche dutzend Meter zu den nächsten Eichen. Ebenso viele Tiere beliefen die Bäume in nicht weniger breiten Ameisenstraßen.


    Sicher eine der Ameisenarten mit den volkreichsten Kolonien. Kaum vorstellbar und für mich zweifelhaft, dass solche Kolonien monogyn sind. Das aber wird man nur überprüfen können, wenn man die Arbeiterinnen einer großen Freilankolonie auf ihre Verwandschaft untersucht.


    LG, Frank.

  • Auch von mir nochmal: Viel Erfolg bei der Gründung und Gratulation zum Fund!

    Sicher eine der Ameisenarten mit den volkreichsten Kolonien. Kaum vorstellbar und für mich zweifelhaft, dass solche Kolonien monogyn sind. Das aber wird man nur überprüfen können, wenn man die Arbeiterinnen einer großen Freilankolonie auf ihre Verwandschaft untersucht.

    Tatsächlich wurde dieses Jahr eine größere genetische Studie über L. microcephalum veröffentlicht, die Deine Vermutung bestätigt. Petráková et a. (2017) haben über das gesamte Verbreitungsgebiet dieser Art von 42 Kolonien genetische Proben entnommen, und fanden in einigen Kolonien mehrere unterschiedliche Haplotypen, was ziemlich eindeutig auf Polygynie hinweist.
    Das ist aber nur ein "Nebenfund" der Studie, und es gibt noch viele weitere hochinteressante Erkenntnisse. Ich werde sie mal bei Gelegenheit hier vorstellen. Übrigens wird in der Einleitung eine Doktorarbeit aus den 60ern zitiert (Wiest 1966, Doktorarbeit in Wien), welche behauptet, dass L. microcephalum nur zur Koloniegründung mithilfe von Arbeiterinnen fähig ist. Leider habe ich keinen Zugriff auf besagte Arbeit und weiß nicht, wie verlässlich die Aussage ist.


    Grüße, Phil


    Quote

    Lenka Petráková, Andrea Tóthová, Jiří Schlaghamerský (2017) Phylogeography of the rare velvety tree ant Liometopum microcephalum (Formicidae: Dolichoderinae). Journal of Biogeography 44, 1652–1664


    Wiest, L. (1966) Über die Funktion des Gasters bei der Verständigung von Ameisen. PhD Thesis, University of Vienna, Wien.

  • Moin!


    Frank: Danke für deine Ausführungen, das scheint ja eine interessante Ameisenart zu sein, ich höre zum ersten Mal von ihr und werde wohl keine Chance haben sie hier oben im Norden zu sehen. Vielleicht magst du weiterhin berichten. Ebenfalls viel Erfolg bei der Gründung!


    Phil: Danke für die Ergänzung. Wie das dann manchmal so ist, gibt es just eine Studie dazu. Super. Würde mich sehr freuen mehr dazu zu lesen. Und vielleicht bekommst du in diese Doktorarbeit Einsicht, ich kenne da die wissenschaftlichen Gepflogenheiten nicht, aber die Universität Würzburg und die Universität Wien stehen doch sicherlich im Austausch, vielleicht lässt sich da ja was machen.


    Gruß, Olaf

    „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville

  • Hallo Olaf, ich werde ganz sicher berichten. Und ich wäre ebenfalls dankbar, wenn es Phil gelänge, noch etwas mehr zu der Art auszugraben. Und ich bedanke mich ebenfalls für die Ergänzungen von Phil.
    Es gibt nicht all zu viel, was wir wissen, zu dieser Art. Man findet viel spekulatives.


    Wir haben einige interessante Beobachtungen im Freiland gemacht, ich war im vorigem Jahr mit Phil in der Türkei und da sahen wir ziemlich verrückte Sachen. Liometopum verhält sich, wahrscheinlich besonders im zeitigem Frühjahr, fast wie eine Treiberameise.


    LG, Frank.

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