Phil Administrator
  • Member since Jan 13th 2010

Posts by Phil

    Jetzt im Frühjahr sind noch kaum Ameisen unterwegs, aber dafür kann man andere spannende Insekten in der Laubstreu finden, denen das Wetter nichts auszumachen scheint. Am Samstag bin ich auf diesen tollen Springschwanz gestoßen, der mir sofort wegen seines lustigen Aussehens und intensiven Färbung aufgefallen ist.

    Ich vermute es handelt sich um eine Art aus der Gattung Bilobella, möglicherweise B. braunarae?

    Springschwanz (Bilobella)


    Grüße, Phil

    EIne der absolut coolesten Studien über Schnappkieferameisen wurde gerade veröffentlicht. Darin untersuchen Doug Booher und Kollegen die Evolution von Schnappkiefermandibeln ausschließlich in der Gattung Strumigenys. Strumigenys sind unglaublich artenreich (>900 beschriebene Arten), und haben eine verblüffende Vielfalt an Formen und Verhaltensweisen hervorgebracht. Tatsächlich ist die Formenvielfalt so gigantisch, dass man sie früher in zahlreiche andere Gattungen untergebracht hat (ganze 28! Synonyme, z.B. Pyramica, Smithistruma ... etc), die dann erst später durch monumentale Arbeiten von Barry Bolton und später auch genetischen Arbeiten zusammengefügt wurden. Man hat erkannt, dass diese alle nah miteinander verwandt sind, und die Morphologie von Mandibeln (z.B. Schnappkiefer vs. ohne Schnappkiefer) absolut keinen Rückschluss auf größere Verwandtschaftsbeziehungen gibt

    Bei den vorigen molekulargenetischen Untersuchungen wurde klar, dass sich Schnappkiefer tatsächlich mehrfach unabhängig in Strumigenys entwickelt haben. Aber wie oft? Und wieso ausgerechnet bei Strumigenys? Genau hier kommt die neue Studie ins Spiel!

    Die Forscher haben eine unglaubliche Anzahl an Strumigenys Arten vermessen und micro-CT Scans gemacht, und zwar von Vertretern von praktisch allen Artgruppen (über 100), sodass die gesamte Diversität von Strumigenys erfasst wurde. Sie haben festgestellt, dass bei allen Strumigenys die Evolution der Mundwerkzeuge gleich verlief, und zwar über eine Anfang geringfügig erscheinende Modifikationen des Labrums (Oberlippe) und des Mandibelansatzes. Hierbei wird das Labrum zwischen Fortsätze der Mandibelbasis geklemmt, dann wird Spannung aufgebaut, und das Labrum zurückgezogen und die Mandibeln schnappen zu. Bei einigen Strumigenys ist dieser Schnappmechanismus noch ganz am "Anfang", wobei die Mandibeln kaum geöffnet sind vor dem Zuschnappen. Bei anderen ist das System so weit modifiziert, dass der Öffnungswinkel der Mandibeln auf über 180° gespannt werden. Bei ein paar Arten hat sich der große Öffnungswinkel auch wieder zu einem kleineren Öffnungswinkel zurückgebildet. Ingesamt erfolgte die Evolution der Schnappkiefer mindestens 7 (!) Mal unabhängig voneinander bei Strumgienys.

    Die Arbeit ist voll mit fantastischen Videos, inklusive echter Videoaufnahmen und animierten Zeichnungen, die sehr gut die Evolution darstellen!

    https://journals.plos.org/plos…1371/journal.pbio.3001031


    Grüße, Phil

    Hey Frank, sehr schade, dass dir nun doch noch weitere Königinnen gestorben sind. Ich drücke die Daumen, dass es mit der einzelnen Polistes klappt! Das Nest mit Brut hört sich schon hoffnungstragend an.


    Grüße, Phil

    Noch mehr Nacktmull-News, und was für welche! :S Bei Ameisen und anderen sozialen Insekten ist es vor allen der Geruch, der ein Nestmitglied von einem angehörigen einer anderen Kolonie unterscheidet. Aber bei Nacktmullen wurde jetzt herausgefunden, dass die Rufe der Tiere sich zwischen den Kolonien unterscheiden. Das ist schon ziemlich abgefahren. Die Sprache der Nacktmulle wird dabei kulturell übertragen - lässt man junge Nacktmulle von einer anderen Königin aufziehen, erlernen sie den anderen Kolonie-Dialekt.


    Barker et al. (2021) Cultural transmission of vocal dialect in the naked mole rat

    https://science.sciencemag.org/content/371/6528/503


    Grüße, Phil

    Hallo Andreas,


    willkommen im Forum! Ich würde mich auf jeden Fall über Haltungsberichte von dir interessieren ;)


    Grüße, Phil

    Hallo Zusammnen,


    ich wünsche auch ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 2020 war eine ganz schöne Herausforderung für viele, und ich hoffe, dass das nächste etwas besser wird ;)


    Hey Wachtel-Baron : Es wird erst 2021 :D


    Grüße, Phil

    Eine großartige neue Studie über globale Phylogenie und Lebensweise in Formica ist gerade als Preprint (eine Art "Vorpublikation" die noch nicht durch sog. peer review geprüft wurde) erschienen:

    Borowiec, Cover & Rabeling: The evolution of social parasitism in Formica ants revealed by a global phylogenyhttps://www.biorxiv.org/conten…0.12.17.423324v1.full.pdf


    Die Studie enthält einen sehr großen Datensatz über Formica Arten, sowohl ihre Genetik als auch ihre Lebensweisen (plus nah verwandte Außengruppen wie Iberoformica, Rossomyrmex und Polyergus), und umfasst zahlreiche interessante Resultate. Am spannendsten ist vielleicht, dass Sozialparasitismus bei Formica nur auf einen einzigen evolutionären Ursprung ca. 30 Mio Jahre zurückgeht. Inquilismus, also arbeiterinnenloser permanenter Sozialparasitismus, ist übrigens nur von einer einzigen amerikanischen Art bekannt (F. talbotae), deren Vorfahren einen anderen Sozialparasitismus betrieben.

    Daneben deckt die umfangreiche Phylogenie zahlreiche potentielle noch unbeschriebene Arten auf, und einige der lang-vermuteten Verwandtschaftsbeziehungen sind falsch. Besonders interessant ist die Stellung von Formica uralensis (eine moorbewohnede Art in D), die bisher den Waldameisen im engeren Sinne (Formica sensu stricto) zugeordnet wurde. Tatsächlich sitzt sie an einer ganz anderen Position, sie formt nämlich zusammen mit der excsecta-Gruppe (also Coptoformica) die Schwesterngruppe zu allen sozialparasitären Formica.

    Auch in der fusca-Gruppe gibt es Updates: So ist Formica gagates (ursprünglich in der fusca -Gruppe eingeordnet)- tatsächlich die Schwesterart zu den nur in Amerika vorkommenden neogagates und pallidefulva-Gruppen.

    Eine tolle, humorvolle Dokumentation von ze frank über die Ameisengäste von Treiberameisen. Einige der gezeigten Videos habe ich in Costa Rica 2017 aufgenommen, und ich bin sehr glücklich darüber, dass sie für so weitreichende Wissenschaftskommunikation genutzt wurden. Bereits weit über eine halbe Million Menschen haben sich das Video angesehen!


    Grüße, Phil

    Gerüchtweise habe ich bereits vor einem Jahr davon gehört, aber jetzt ist es offiziell: Es gibt eine dritte Blattschneiderameisengattung neben Atta und Acromyrmex, nämlich Amoimyrmex! https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aen.12493

    Die Arten von Amoimyrmex waren bislang in Acromyrmex untergebracht, aber fallen eindeutig durch ihre eigentümliche Morphologie - und auch Genetik - aus ihnen heraus. Alle drei Arten der Gattung kommen im südlichen Südamerika vor.

    Hier ist Amiomyrmex striatus, die ich letztes Jahr in Brasilien bei Florianópolis beobachten durfte.

    Amoimyrmex striatus

    Grüße, Phil

    Hi Gabs,

    toll präparierte Königin! Bei dem Label sollte unbedingt noch der Fundort drauf, und der Sammler (wobei das vielleicht da drauf ist aber du es wegeditiert hast?).

    Üblicherweise macht man zwei Label - eines mit Fundort, Datum, Sammler, (Weitere Angaben: Habitat, Höhe, Sammlungsmethode ... usw.) welches immer strikt mit dem Specimen assoziiert bleibt. Ein zweites Label nimmt man für den Artnamen, auf dem auch z.B. angeben angeben, wer es identifiziert hat und wann. Da sich Namen und Bestimmungen ändern können, kann man dieses in Sammlungen ggf. austauschen und updaten.

    Diese Informationen sind mindestens so wichtig wie das Specimen selbst, und so kann man auch in Zukunft genau nachvollziehen wo es herkommt - insbesondere für den Fall, dass du z.B. irgendwann mal deine Sammlung an ein Museum abgibst.


    Grüße, Phil

    Hey kuemmerz, ich würde mir da nicht viele Gedanken drum machen, und einfach mal schauen was passiert. Wenn es mehr Milben werden, dann würde ich versuchen die Königin mechanisch zu säubern, aber wenn es nur ein paar wenige auf der Gaster sind, dann stellt es wahrscheinlich kein Problem für sie dar (sofern es sich tatsächlich um Deutonymphen handelt, wie es bei den allermeisten Milben wohl der Fall ist).

    Trotzdem ist es natürlich schade, dass der Antstore darauf nicht geachtet hat. Ich würde ggf. zu dem Shop Kontakt aufnehmen und darauf hinweisen.


    Grüße, Phil

    Nacktmulle haben ähnlich dem Ameisen auch blutige Kriege zwischen Kolonien um Revier und Tunnelsysteme, und es wurde beobachtet, dass sogar kleine Nacktmulle von benachbarten Kolonien geraubt werden und anschließend in der fremden Kolonie aufwachsen:


    Press-Coverage:

    https://www.sciencenews.org/ar…IFaROj4vml7VTo0MCYH3pqdcs

    Eigentliche Publikation:

    Brauden & Ingram 2020: Inter-colony invasion between wild naked mole-rat colonies

    https://zslpublications.online…oi/epdf/10.1111/jzo.12834

    Ich habe zwar bei Paypal angegeben, dass wir eine gemeinnützige Organisation sind, aber trotzdem wird Geld abgezogen. Ich bin nicht sicher, weshalb. Ich vermute, es liegt daran, dass wir keine eingetragene gemeinnützige Organisation sind und auch kein Verein dahinter steht. Das Spenden über Paypal ist nun hier im Forum trotzdem wieder aktiviert.

    Ein großes Danke an dieser Stelle an alle Spender!


    Grüße, Phil

    Ectatomma goninion ist eine Ameisenart die nur aus Ecuador, Kolumbien und Brasilien bekannt ist. Diese Art sieht auf den ersten Blick Ectatomma ruidum ähnlich, ist aber deutlich größer. In Ecuador kann man sie vorwiegend in Primärwäldern finden, wo die großen Arbeiterinnen doch recht auffällig sind. Sie sind aber eher selten, nur einmal fand ich ein Nester unter einem Stein.

    Ectatomma goninion


    Grüße, Phil

    Hey Holger,


    ja, da hast du mich erwischt :drehen: Wir haben jetzt ein neues Konto, und die Infos dazu gibt es per PN Anfrage.

    Auch ein Paypal habe ich eingerichtet, der demnächst über den Spendenbutton freigeschalten wird, allerdings fallen dort Transaktionsgebühren an! Es ist also besser, traditionell zu überweisen.


    Grüße, Phil

    Bei einer kleinen Tour in meiner Heimat (Gundersheim) letztes Wochenende hatte ich viel Glück, und konnte zahlreiche Schwarmflüge beobachten. Darunter waren Solenopsis fugax, Tetramorium, Lasius flavus und eine weitere Lasius Art.

    Aber auch diese Schönheit hier lief herum, die man eher selten sieht: Eine Königin von Aphaenogaster subterranea! Seit über zehn Jahren suche ich an diesem Ort regelmäßig nach Ameisen, und habe diese Art hier nie vorher gesehen (sehr wohl aber an anderen Standorten in Deutschland). Die Königin ist aber ein eindeutiger Beweis, dass es sie hier gibt, und das die Fauna hier mich durchaus noch überraschen kann. Wahrscheinlich wohnt sie hier schon immer, und ich habe sie nur bisher übersehen..

    aphaenogaster queen


    Grüße, Phil

    Hallo kuemmerz,

    vielen dank für den interessanten Bericht! Es ist immer schön zu sehen, wie unterschiedlich die Regionen entlang des Mittelmeers sein können.

    Bei deiner Cataglyphis handelt es sich um Cataglyphis aenescens, welche im Balkan weit verbreitet ist. Sehr hübsche Tiere.

    Pheidole gibt es dort nur aus der P. pallidula Gruppe, die sind aber sehr schwer auseinander zu halten (und möglicherweise ein paar invasive Arten).


    Messor barbarus gibt es östlichen Mittelmeerraum nicht, es sollte also eine andere Art sein. Es gibt dort ein paar Arten die nicht unbedingt leicht auseinander zu halten sind, in Frage kämen mehrere Arten aus der Messor wasmanni - und M. structor Artgruppe.

    Auch die Camponotus ist sicher keine C. nicobarensis (gibt es nur Asien). Mein Eindruck ist, dass es sich um Camponotus baldaccii (aus der C. sylvaticus Gruppe) handelt könnte, diese kommt in Europa tatsächlich nur auf Kreta vor.


    Grüße, Phil

    Und hier der letzte Part, Teil 3! Ich hoffe euch haben die Bilder gefallen!


    polistes nest

    Polistes Nester fanden wir einige, und man muss bei den Steppen aufpassen nicht versehentlich in welche reinzulaufen. Außerdem sahen wir zahlreiche Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse, aber leider ist mir kein Bild von ihnen gelungen.


    termites

    Nymphen und ein adultes Tier von Reticulitermes. Anders als Ameisen gehören Termiten zu den sogenannten hemimetabolen Insekten, und die kleinen Termiten wachsen noch. Die Gänge dieser Termiten findet man vor allem unter Steinen und im Totholz an schattigen Stellen von Wäldern.


    tetramorium

    Tetramorium Arbeiterin am Strand. Sie sind sehr häufig, ich habe mich aber nicht an die nähere Bestimmung gewagt.


    plagiolepis

    Die winzigen Plagiolepis findet man typischer Weise an sonnigen Stellen unter Steinen. Mein Eindruck war, dass sei wegen der Trockenheit ungewöhnlich selten zu finden waren.


    temnothorax angustulus

    Eine arborikole Temnothorax aus der T. angustulus Artgruppe. Ich habe nur ein einziges Mal ein Nester in einem Ästchen gefunden.


    temnothorax tuberum

    Eine Arbeiterin von Temnothorax tuberum. Wir fanden zahlreiche Nester auf ca. 1000 Metern Höhe in den Pyrenäen - hier ähnelt die Ameisenfauna stark unserer mitteleuropäischen Fauna.


    temnothorax tuberum königni
    Eines der Nester von Temnothorax tuberum hatte zwei flügellose Königinnen. Hier ist eine davon.


    temnothorax lichtensteini

    Und hier eine Art, die ich für Temnothorax lichtensteini halte. Diese gelbe Temnothorax ist relativ häufig an sonnigen Stellen in Felsspalten zu finden.


    sysiphus

    Keine Ameisen, aber trotzdem ein Hingucker: Die einzigen europäischen Dungkäfer, die echte Dungkugeln rollen, Sisyphus sp.. Danke an meinen Käfer Kollegen Fabian Bötzl für das Bestimmen und auffinden der Käfer.


    mite predator

    Nacht konnten wir allerhand Räuber dabei beobachten, wie sie Messor erlegten. Überraschender Weise sogar diese riesigen, langbeinigen Raubmilben!


    spider predator spider predator 2

    Und natürlich auch jede Menge echte Spinnen, die sich nachts über Messor Arbeiterinnen hergemacht haben. Das Leben ist gefährlich für die Samensammler!


    pheidole pallidula

    Ein Blick in die Vorratskammer von Pheidole pallidula. Wie man sieht, ernähren sie sich hier auch von sehr vielen Samen. Darunter befindet sich auch ein Kopf von einem Soldaten.


    myrmica

    Nur in den Pyrenäen sahen wir Myrmica. Es handelt sich vermutlich um eine Art aus der Myrmica scabrinodis Artgruppe, aber sie sind schwer zu bestimmen.


    tapinoma niggerimum

    Vor allem an heißen Stränden fanden wir zahlreiche Nester von Tapinoma nigerrimum. Diese Tapinoma hat einen ausgeprägten Größenpolymorphismus, wie man auf dem Bild ganz gut erkennen kann.


    Und damit endet mein Bericht. Danke fürs Lesen ;)


    Grüße, Phil