Phil Administrator
  • Member since Jan 13th 2010

Posts by Phil

    Ich habe mich schon öfters gefragt, ob durch ein (unnatürlich) hohes Angebot an Futter (vor allem Insekten) in der Haltung die Geschlechtstierproduktion auf unnatürliche Level angehoben wird. Besonders oft geklagt wird das bei Gigantiops, wo selbst junge Kolonien plötzlich anfangen Männchen und Königinnen aufzuziehen. Ich beschränke die Ernährung seit längerem etwas (natürlich nie soviel, dass Brut aus Nahrungsmangel verschwindet), und die Koloniegröße hält sich auf 'normalen' Niveau und es werden nur wenige Königinnen aufgezogen.

    Vielleicht kann man das auch bei anderen Ameisen ausprobieren. Ich persönlich halte es am Besten, schwärmende Geschlechtstiere abzusammeln und z.B. im Gefrierschrank abzutöten. In der Natur würden die im Normalfall nicht beim Nest verbleiben.

    Quote

    Die massive Einschränkung des Fortpflanzungsprozesses einer Kolonie in der Haltung, insbesondere der Prozess des Tötens und Entsorgens von Jungköniginnen durch die eigenen, arbeitenden Schwestern, ist auch einer der Kritikpunkte von Franz Geretz im Text "Die erfolgreiche Wandlung eines Ameisenhalters zum Ameisenheger" (Ameisenschutz aktuell 35 - 1/21, S. 7) an der Haltung. Dies sei unmoralisch.

    Na, wenn man die moralische Hürde so hoch setzt, dann wäre sicher die ganze Ameisenhaltung unmoralisch.


    Grüße, Phil

    Danke für das Teilen der Bilder! Das ist tatsächlich eine interessante Camponotus, die Majortiere haben eine ungewöhnliche Kopfform, mit nach unten langgezogenen 'occipital corners', die ich so noch nicht gesehen habe. Sieht man auf dem zweiten Bild sehr gut. Ich frage mich, wozu das gut ist.


    Grüße, Phil

    Hi Gabs, finde ich es super, deine Bilder! Der Weißabgleich und die Helligkeit sind nicht ganz korrekt eingestellt, deswegen habe ich mal ganz kurz & knackig es digital für Dich ausgebessert:


    Dolichoderus von Gabs

    Hallo Herre Weasel,

    Willkommen im Forum! Klar kannst du sie halten. M. capitatus halten sich ähnlich leicht wie die meisten Messor.. Aber rechne damit, dass sie erst nach der Winterruhe gründen wird.


    Grüße, Phil

    Hallo zusammen,

    vor kurzen ist uns bei einer kleinen Abendtour ein interessantes Verhalten aufgefallen (mit Major Tom und Christoph von Beeren). In der Nähe eines größeren Formica pratensis Nestes saßen ein paar Arbeiterinnen auf Blüten, und hatten sich festgebissen. Die Ameisen waren noch am Leben, nur ließen sie nicht los.


    Formica pratensis



    Das Verhalten passt perfekt zu einer Infektion des Parasiten namens 'Kleiner Leberegel'. Es handelt sich dabei nicht um einen Egel, sondern um einen Trematoden, also einen Plattwurm.

    Die Ameisen sind dabei einer von zwei Zwischenwirten, während der Hautpwirt verschiedene Säugetiere darstellen, hier vor Ort sicher Schafe. Die infizierte Ameise hat dabei runde, eierartiges Lebensstadium des Parasiten in sich, die sogenannten 'Metacercarien'. Außerdem gibt noch einen speziellen 'Hirnwurm', der bei der Ameise ins Gehirn wandert und dort das krampfhafte Beißverhalten ausführt, welches übrigens auch bei Pilzparasiten vorkommt.

    Hier mal eine Zusammenfassung des Lebenszyklus von Wikipedia:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kleiner_Leberegel

    Quote

    Kleine Leberegel leben vorwiegend in den Gallengängen ihrer Endwirte. Sie produzieren Eier, die über den Gallenfluss in den Darm gelangen und ausgeschieden werden. In diesen Eiern befinden sich bereits voll entwickelte Miracidien (Wimpernlarven). Die Eier sind sehr hitze-, kälte- und trockenheitsresistent, können Winter überdauern und bis zu 20 Monate infektiös bleiben.

    Sie werden von Schnecken (z. B. der Weißen Heideschnecke (Xerolenta obvia)) mit der Nahrung aufgenommen. Die Miracidien verlassen die Eier und durchbohren den Darm der Schnecke. Sie bauen ihre Neodermis auf und werden zu Sporocysten 1. Ordnung. Diese vermehren sich auf vegetativem Weg zu Tochtersporocysten (Sporocysten 2. Ordnung), welche ihrerseits vegetativ Zerkarien hervorbringen. Dieser Prozess kann 3 bis 4 Monate dauern, wobei die Entwicklungsgeschwindigkeit stark von der Temperatur abhängig ist. Sowie die Zerkarien voll entwickelt sind, wandern sie vom Hepatopankreas in die Atemhöhle der Schnecke, wobei sie ihren Schwanz, Enzyme sowie Haken zu Hilfe nehmen. Infolgedessen scheidet die Schnecke kleine Schleimbällchen mit einem Durchmesser bis zu 2 mm aus, welche jeweils bis zu 400 Zerkarien enthalten. Dies passiert ausschließlich im Mai und im Juni. Infizierte Schnecken können 2 bis 3 Jahre überleben, die Zerkarien in den Schleimbällchen aber nur für wenige Tage.

    Diese Schleimbällchen werden von Ameisen gefressen. Die meisten Zerkarien gelangen in die Leibeshöhle der Ameise, in der sie sich innerhalb von 1 bis 2 Monaten als Metazerkarien enzystieren. Eine oder wenige Zerkarien allerdings wandern ins Unterschlundganglion, beeinflussen das Nervensystem und führen in der Folge zu einer Verhaltensänderung der Ameise. Befallene Ameisen klettern bei Temperaturen unter 15 °C auf Pflanzen (bevorzugt Blüten), an denen sie sich, bedingt durch einen Mandibelkrampf, festbeißen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, von einem Endwirt aufgenommen zu werden. Steigt die Temperatur wieder an, verhält sich die befallene Ameise meist wieder normal, einige verbleiben aber auch in dieser Position. Die meisten infizierten Ameisen finden sich in direkter Nähe zum Ameisenhügel.

    Nach Aufnahme und Verdauung der Ameise durch einen Endwirt wandern die Metazerkarien über den Ductus choledochus in die Gallengänge und lösen Dicrocoeliose aus. Kleine Leberegel können bis zu 6 Jahre im Endwirt überdauern. Produzierte Eier gelangen wieder über den Gallenfluss in den Darm und werden ausgeschieden.

    Ein kompletter Zyklus dauert dementsprechend rund 6 Monate. Da aus jedem Miracidium viele Sporozysten 1. und 2. Ordnung und aus jeder Sporozyste wiederum viele Zerkarien (je 10–40) entstehen, ist es theoretisch möglich, dass aus einem Ei bis zu 400.000 Adulti hervorgehen.


    Ich habe die Ameise mal geöffnet, und tatsächlich gab es zahlreiche Metacercarien in ihrem Hinterleib.



    Formica pratensis



    Grüße, Phil

    Eine besonders hübsche, intensiv gefärbte Chthonolasius Königin. Ich habe diese Art noch nicht vorher gesehen, leider habe ich es nicht geschafft sie zu bestimmen, weil mir der Seifert Schlüssel mehr Rätsel als Antworten gibt

    Chthonolasius


    Grüße, Phil

    Letztes Wochenende habe ich gleich zwei große Mantis religiosa gefunden, und zwar in einem Naturschutzgebiet in meiner Heimat (Kalksteinbrüche Rosengarten). Ich kenne dieses Schutzgebiet wirklich sehr innig, da ich es seit meiner Kindheit regelmäßig erkunde und früher auch bei der Pflege mitgeholfen habe. Das ist das erste Mal, dass ich die Europäische Gottesanbeterin hier gefunden habe. Mein Eindruck ist, dass sie sich mit dem wärmeren Klima in den letzten Jahren sehr gut weiter verbreitet haben. Ich hatte befürchtet, dass der bisher sehr nasse Frühling & Sommer dieses Jahr den Mantis von Nachteil war, aber vielleicht habe ich mich da getäuscht.

    Mantis religiosa

    Hallo Gabs,

    das Konzept mit der Infographik gefällt mir sehr gut! Vielleicht sollte man sowas ähnlich für eine ganze Reihe an Ameisen zusammenzustellen? Ich denke da vor allen an 'schwierigere' Fälle wie zahlreiche Lasius, Formica, Myrmica, Temnothorax... etc.

    Am besten wäre, wenn man verschiedene leicht-verwechselbare Arten nebeneinander präsentiert und die Unterscheide ähnlich wie in deiner Konzeptgrafik deutlich hervor hebt.


    Grüße, Phil

    Ein typisches Nest von Temnothorax nylanderi in einer alten Eichel.

    Temnothorax nylanderi


    Es gab auch recht viele Geschlechtstiere, was auf den baldigen Schwarmflug hindeutet.

    Temnothorax nylanderi Temnothorax nylanderi


    Grüße, Phil

    Eine Königin von Manica rubida bei der Nestgründung in den italienischen Alpen (in der Nähe der Wespen). Sie lief immer wieder in Kreisen um ihren Nesteingang, und verschwand dann gelegentlich für ein paar Minuten im Nestinnen, nur um dann kurz darauf wieder herauszulaufen und wieder eine Runde zu drehen. Dabei wurde auch von mir angebotene Nahrung verschmäht (die Fliege im Bild). Ich vermute, sie hat ihre Runde gelaufen, um sich die unmittelbare Umgebung ihres Nestes zu merken um es bei der tatsächlichen Futtersuche schnell wiederzufinden. Viele Ameisen machen solche sogenannten Orientierungsläufe.

    Manica rubida


    Manica rubida


    Grüße, Phil

    Hi italiaants,

    danke dir! Ja, die Bilder hier sind mit der Kamera entstanden. Für die ganz extremen Makros von den Temnothorax habe ich auch ein Laowa 2-5x Objektiv verwendet.

    Meine neueren Bilder (seit ca. Nov. 2020) sind mit einer andere Kamera (Lumix G91) und neuen Objektiv (Laowa 50 mm MFT) entstanden, aber prinzipiell ist es dem alten Setup sehr ähnlich.


    Grüße, Phil

    Hier ein Nest der Berg-Feldwespe (Polistes biglumis). Wir fanden es in den südlichen Alpen, in ca. 1200 m Höhe mit Aussicht auf den schönen Lago d'Orta in Norditalien.

    Polistes biglumis


    Polistes biglumis


    Grüße, Phil