Phil Administrator
  • Member since Jan 13th 2010

Posts by Phil

    Hey,


    bei mir ist gestern auch eine Colobopsis Königin hereingeflattert. Mein Eindruck ist, dass allgemein bei Ameisen sowohl begattete als auch unbegattete Königinnen ans Licht fliegen, aber das ist nur schlecht untersucht und womöglich unterscheidet es sich auch zwischen Arten...
    Anyway, wahrscheinlich gründet Colobopsis truncata claustral, aber es ist noch nicht endgültig geklärt. Die Gründung ist relativ schwierig in der Haltung durchzuführen, was auch daran liegt, dass durch das späte Schwärmen im Jahr erst im nächsten Frühjahr Arbeiterinnen aufgezogen werden. Das heißt, du musst die Königin durch eine komplette Winterruhe bringen, also fast ein Jahr warten bis Arbeiterinnen da sind.


    Zumindest war das bei meinen begrenzten Beobachtungen so, vielleicht ziehen sie in wärmeren Gegenden bereits auch im ersten Jahr schon Arbeiterinnen auf.


    Ich hab vor 9 Jahren hier ausführlich meine Beobachtungen geschildert, auch wie man ein Gründungsnest bastelt. Aber bitte mit etwas Vorsicht lesen da ich damals noch ein unerfahrener Grünschnabel war :) Heute wäre ich sicher vorsichtiger mit meinen Rückschlüssen. Immerhin hat es mir sogar eine Zitation im Seifert (2018) eingebracht http://forum.eusozial.de/index…s-truncatus/&postID=11304
    Leider hab ich seitdem kaum mehr Experimente mit den interessanten Ameisen gemacht. Es würde mich freuen, wenn es dir gelingt, die Gründung hier zu schildern!


    Grüße, Phil

    Gestern wurden mir von meinen Kollegen Christoph von Beeren und Andrew Bruce-Sach überraschender Weise ein paar Exemplare von Camponotus vagus gebracht, die direkt neben dem Botanischen Garten in Darmstadt an einer stillgelegten Bahngleise wohnen. Ich habe vorher noch nie Camponotus vagus in Deutschland gesehen. Es gibt in Deutschland nur wenige Fundorte, vor allem in Wärmegebieten. Alfred Buschinger schrieb mir, dass ihn das Vorkommen nicht überrascht; im Rhein-Main Gebiet wurden sie schon häufiger gesehen, auch in der Nähe von Darmstadt.
    Camponotus vagus
    Die Art hat ihre Hautpverteilung im Mittelmeergebiet, wo sie stellenweise sehr häufig auftritt. Sie profitiert sicher von einem wärmer werdenden Klima, und ihre nördliche Verbeitungsgrenze (die sich durch Deutschland zieht) wird sich noch weiter nach Norden ausdehnen.
    Habt ihr schon mal Camponotus vagus in Deutschland gesehen?


    Grüße, Phil

    Ich stimme zu, dass die Diskussionen um die richtige Grammatik des Artnamens unnötig sind. Zwar haben die Artnamen oft irgendeine lateinische oder griechische Bedeutung, und es würde wie schlechte Rechtschreibung aussehen. Aber es wird auch viel lateinisiert dass überhaupt keine keine echte Bedeutung hat und von daher sowieso nicht mehr viel mit der lateinischer Sprache zu tun hat. Von daher...


    Nach meinem Eindruck rührt das fehlerhafte Artnamengeschlecht oft daher, dass die originale Artbeschreibung in einer anderen Gattung die ein anderes Geschlecht erforderte. Zum Beispiel wurde Cataglyphis livida von André 1881 korrekt männlich als "Myrmecocystus albicans var. lividus" beschrieben (hier, S. 58). Die europäischen Myrmecocystus wurden dann später in die neue Gattung Cataglyphis überführt, und der Artname dann (fälschlicher Weise) nicht korrekt ins weibliche Geschlecht abgeändert, wie für Cataglyphis notwendig.


    Ein weiteres Beispiel ist Camponotus truncatus -> jetzt Colobopsis truncata.



    Noch kurz zu Ants of Africa: Da muss man etwas aufpassen, da Taylor die Artnamen oft ohne formale (Neu)Beschreibung abändert oder zu Art oder Unterartstatus erhebt. Er macht zwar exzellente Arbeit, jedoch sind viele seiner Arten bzw. Unterarten nicht formal von Wissenschaftlern akzeptiert (dafür müsste er sie in Fachzeitschriften veröffentlichen).
    Bspw. listet der Antcat ("offizielles Ameisenarten-Buch" nach Bolton) keine legitimen Unterarten für C. livida, sondern diese wurden formal mit der Art synonymisiert (von Radschenko 1997).


    Grüße, Phil

    Hey Mathias,


    schöne Kolonie! Der Name lautet (laut Hymenoptera Name Server) Cataglyphis livida, also mit weiblicher Endung. Wenn man in der Literatur von C. lividus ließt, ist die gleiche Art gemeint, nur der Name endet (fälschlicherweise) männlich.
    Ich weiß, verwirrend ... :S


    Grüße, Phil

    Ich möchte hier kurz "Wilma die wilde Wespe" vorstellen, eine Feldwespen (Polistes) Königin. Sie wurde Anfang Mai an meiner Uni gefunden, da sie ihr Nest unbequemer Weise auf dem Ventil eines größeren Wasserstoffbehälters errichtete. Ihr Nest war noch sehr klein, nur wenige Waben groß. Ich bat darum, die Wespe mitzunehmen, und so brachte ich sie dann zu mir nach Hause.
    Dort musste ich schnell etwas zurecht montieren, und ich entschied mich dafür, eine alte Holzbox zu verwenden.
    Ich habe einfach nur ein Loch in die Seite gemacht, und dann das Nest mit einer Nadel durchstochen und innen oben in die Box gesteckt. Das hat wunderbar funktioniert, da es kalt und dunkel war wurde ich auch nicht von der Wespe attackiert.


    wilma polistes


    wilma box


    Sie ist sehr friedfertig, und ich kann ohne Probleme die Box öffnen und nachschauen, wie es ihr so geht. Drei Puppen hat sie bereits, die in den nächsten Tagen sicher schlüpfen werden. Auf dem Bild sieht man auch ein paar frisch gelegte Eier!
    Ich kann die Wespe mit einer Pinzette mit kleinen Insekten füttern, aber das ist nicht nötig da sie ein Selbstversorger ist.


    Meine Mitbewohner haben glücklicherweise nichts gegen sie einzuwenden, und bisher ist auch noch zu keinen Zwischenfällen gekommen!


    Grüße, Phil

    Hey Max, man erkennt leider nicht viel auf dem Bild, aber ich gehe davon aus dass es wegen der Ähnlichkeit zu einer Temnothorax eine Myrmicine ist?
    Falls es so ist, dann würde ich mal spontan Aphaenogaster in den Raum werfen, aber das ist geraten.


    Grüße, Phil

    In meinen Proben aus Ecuador habe ich diese komische Ameise gefunden. Zuerst wusste ich nicht so recht, wie ich sie einordnen soll - bis mir aufgefallen ist, dass sie männliche Genitalien hat! Außerdem ist der Scapus ist stark verkürzt und die Mandibeln reduziert. Es handelt sich tatsächlich um ein permanent flügelloses (ergatoid) Männchen von Hypoponera. Solche Männchen kennt man tatsächlich nur bei Cardiocondyla, Technomyrmex und Hypoponera.


    hypoponera ergatoid male lateral


    Grüße, Phil

    Bei einer Diacamma aus Japan wurde gezeigt, dass sie zur Trophallix fähig sind:


    H. Fujioka & Y. Okada (2019) Liquid exchange via stomodeal trophallaxis in the ponerine ant Diacamma sp. from Japan

    https://link.springer.com/arti…1007%2Fs10164-019-00602-9


    Trophallaxis gilt bei Ponerinen als ungewöhnlich, und war nur zwei Gattungen vorher bekannt (Hypoponera und Ponera). Vielleicht ist es aber häufiger, als man vermutet - nur selten werden Versuche dazu gemacht. Unklar ist auch, ob es sich bei der japanischen Diacamma um eine Ausnahme handelt, oder ob alle Diacamma das Verhalten aufzeigen. Vielleicht können Ameisenhalter mit ein paar Versuchen dazu Beobachtungen machen?
    Übrigens hat bei dieser Arbeit der japanische Ameisenhalter und Fotograph Taku Shimada wesentlich mitgeholfen, und Bilder & Tips zu der Arbeit beigetragen.


    Grüße, Phil

    Hey Kuemmerz, das sieht mir jetzt auf den ersten Blick eher nach dem (noch selteneren) Segelfalter aus -kannst du auch die Flügeloberseite fotographieren?


    Grüße, Phil

    Hallo Kuemmerz,


    eine spannende Frage! Es gibt tatsächlich viele Ameisenarten die in zeitweise Überschwemmten Gebieten vorkommen, und entsprechende Überlebensstrategien haben. Nur um die zwei berühmtesten Beispiele zu nennen:
    -Myrmica gallieni (Europa) lebt in Auenwäldern und kann lebende Flöße machen, ähnlich den Feuerameisen
    -Polyrhachis sokolova (Australien) hat Nester in Mangrovenwäldern, und das Nest kann vollkommen überflutet in einer isolierten Luftkammer bestehen


    Zum zweiten Teil deiner Frage: Es gibt tatsächlich baumbewohnende Blattschneider! Und die sind nicht mal selten. In Costa Rica und Ecuador sind Acromyrmex volcanus fast ausschließlich auf Bäumen zu finden. Ich selbst habe auch eine Beobachtung von einem großen Acromyrmex octospinosus Nest auf einem Baum in >20 m Höhe gemacht, das ist aber eher eine Ausnahme.
    Ich bin aber nicht sicher, welche baumbewohnden Blattschneider im Amazonas vorkommen.


    Grüße, Phil

    Hey, danke für deinen Bericht! Thailand ist sehr divers und spannend fürs "anting".
    Hier die Bestimmungen, soweit Möglich:
    1) in der Tat O. smaragdina
    2) wie richtig von Myrmecia123 erkannt, T. rufonigra
    3) wahrscheinlich Odontoponera denticulata
    4) Polyrhachis armata
    5) schwierig, könnte Pheidole sein
    6) schwierig, evtl. Monomorium
    7) Solenopsis geminata, invasive Feuerameisen
    8) Wie richtig von Formicarius erkannt, eine Camponotus


    Grüße aus Ecuador ,
    Phil

    Schöne Grüße aus Ecuador! Nach vier Tagen Stromausfall und Internetproblemen kann ich endlich mal kurz berichten. Gestern habe ich die seltsamen Protalaridris armata in einer Streuschichtprobe gefunden! Ursprünglich dachte ich, dass sie hier nicht vorkommen, da sie eher aus dem Gebirge bekannt sind.
    Gesammelt wurden sie in Höhen von 680m bis 2400m, und mein Fund hat damit einen neuen "Tiefrekord" von 540 m aufgestellt ;)


    Protalaridris


    Protalaridris


    Grüße, Phil