Frank Mattheis Moderator
  • Member since Jan 13th 2010

Posts by Frank Mattheis

    Es macht mir gar keine Freude, das hier mitzuteilen, aber dieser Thread ist an dieser Stelle vorläufig beendet.

    Leider ist die Wespe gestern verendet. Ich fand sie am Morgen sterbend am Boden des Terrariums. Nicht erkennbar, was sie so plötzlich erkranken ließ.


    Für eine Zeit sah es gut aus, so, als ob es gelingen könnte. Die Wespenkönigin flog munter im Terrarium umher, im begrenzten Flugraum des Terrariums kam sie hervorragend zurecht, viel besser, als ich das erwartet hatte. Sie kannte alle Futterstellen, nahm tierisches Eiweiß gerne von der Pinzette oder erjagte selbst Soldatenfliegen.

    Aber sie begann zu keinem Zeitpunkt mit dem Nestbau. Das, obwohl sie den Unterschlupf, den ich ihr für diesen Zweck bereitgestellt hatte, jeden Abend zur sicheren Übernachtung und auch tagsüber zum Ruhen aufsuchte. Bis zuletzt hoffte ich, dass sie endlich, nach nun etwa fünf Wochen mit dem Nestbau beginnen würde. Bis vorgestern war ihr auch nicht anzumerken, dass irgend etwas nicht stimmen könnte.

    Nun ist sie leider tot und das tut mir sehr leid. So sollte es nicht laufen.


    Es war aber schön, das Tier so nah beobachten zu können. Sicher war das nicht der letzte Versuch mit solch einer Wespenkönigin.


    LG, Frank.

    Hallo Andreas, finde ich gut, dass mal wieder ein Bericht zu diesen schönen, großen Ameisen zu finden ist.

    Diese Art ist besonders imposant, finde ich.

    Mich hat immer fasziniert an all diesen Arten, dass es irgendwie einen Kontrast gibt, zwischen der vermeintlich einfachen, sozialen Lebensweise, oft werden die Sozialstrukturen der Kolonien der Arten und das Sozialverhalten der Ameisen ja als relativ primitiv charakterisiert (was natürlich Unsinn ist) und dann sieht man das flexible, im wahrsten Sinne des Wortes überraschend "weitsichtige" Verhalten der Ameisen. Ihre visuellen Fähigkeiten sind sehr gut, sie jagen optisch, navigieren so sowieso, überwachen die Nestumgebung mit Blicken.

    Ich wünsche dir viele spannende Beobachtungen an diesen Ameisen und hoffe, dass alles gut geht und Du uns weiter auf dem Laufenden hältst.


    LG, Frank.

    Schneller als erwartet kam eine Lieferung Futtertiere, die ich am Wochenende bestellt hatte. So konnte ich gestern lebende Beute anbieten.

    Wespen sind kompromisslose Jäger, mit Vehemenz stürzte sich die Königin auf die Grille. Sie überwältigte sie und flog mit ihr an einen sicheren Ort, wo sie die Grille zerlegte.


    Nach Wespenart hängt die Königin nur an einem Bein bei Verzehr der Beute, mit den anderen Gliedmaßen hält sie die Beute fest.


    Vespula germanica-Königin mit Beute, 6.1.21


    LG, Frank.

    Hallo Leute.


    Ich beginne mal einen Bericht zu einer Verspula germanica-Königin, die seit einiger Zeit bei mir lebt. Zwar bin ich noch nicht ganz sicher, ob die Wespe die Gründung bei mir im Terrarium schaffen wird, insofern kann es sein, dass dieser Bericht früh und abrupt endet, aber ich habe ein gutes Gefühl mit diesem wunderschönen Tier. Es sieht so aus, als ob die Wespe mit den Bedingungen gut zurecht kommt.


    In früheren Threads habe ich die Wespenhaltung in Terrarien immer wieder in Frage gestellt. Wenn ihr mal sucht, "Wespenhaltung im Terrarium" hier im eusozial, ich habe da einigen Unsinn geschrieben und entschuldige mich bei den anderen, damals an der Diskussion beteiligen Wespenfreunden für meine ziemlich arroganten und undurchdachten Aussagen, die zudem zum großen Teil ziemlich falsch waren. Wenn ich die Haltung von Polistinen noch für einigermaßen möglich hielt, hielt ich die Haltung von Echten Wespen (Vespinae) für eher unmöglich.

    Natürlich plane ich nicht, dass die Wespen ihren kompletten Jahreszyklus bei mir im Terrarium durchleben, das wäre unmöglich. Die Völker dieser Art werden groß, die Staaten der Wespen können bei uns bis zu 5000 Individuen beherbergen. Also werden die Tiere im zeitigen Frühling ins Freie kommen und ab März etwa, wenn alles gut geht, sich selbst versorgen. Natürlich mit meiner weiteren Unterstützung, der Frühling kann kalt sein.


    Diese Wespenkönigin belehrt mich nun also eines besseren. Sie hat sich arrangiert. Und sie tut das eben ebenso, wie es schnell laufende Wüstenameisen und andere Ameisen mit riesigen Revieren in der Natur tun, wenn sie in Terrarien mit guter Versorgung gehalten werden. Die Tiere laufen oder fliegen nicht große Strecken, weil sie das zum Leben brauchen, sie tun das alles, um am Leben zu bleiben und sich zu versorgen.


    Aber nun kurz zur Wepenkönigin.

    Zwei Wochen hat sich die Wespenkönigin im Müßiggang geübt. Sie hat geruht, geschlafen, sich gewärmt und unter den Strahlern gesonnt, sich ein wenig umgesehen und ist im Terrarium herumgeflogen. An jedem Tag hat sie sich den "Bauch" mit Zuckerlösung vollgeschlagen.

    Seit einigen Tagen verbringt sie die Nächte im kleinen Karton, den ich ihr zum Nisten angeboten habe.


    Heute habe ich, als ich von der Arbeit heimkam, eine merkbare Verhaltensänderung an ihr gesehen. Sie sucht, sie inspiziert alles sehr genau, fliegt an verschiedene Gegenstände, Pflanzen und Ästchen dicht heran, untersucht sie fliegend und an ihnen laufend. So auch grauverwittertes Holz und Karton, die trockenen Pflanzenstengel. Alles Material, welches ich ihr für die Nestmaterialgewinnung anbiete.

    Die Untersuchungsflüge verraten auch ihren zunehmenden Hunger auf Proteine. Sie beginnt zu jagen.


    Wegen der augenblicklichen Corona-Lage ist es kaum möglich, geeignete Futterinsekten zu bekommen. Auch im Freiland findet man nun kaum Fliegen o.ä.. Also versuchte ich, der Wespenkönigin Fleisch anzubieten. Kurzkopfwespen sind nicht nur Jäger, sondern auch Aasfresser, sie mögen Fleisch, aber das gilt vor allem für die suchenden und jagenden Arbeiterinnen. Bei einer Königin machte ich mir aber kaum Hoffnung, Wespenköniginnen gehen niemals an Aas.

    Aber sie hat Hunger und so nahm sie von der Pinzette ein ordentliches Stück Rindfleisch. Natürlich frisches Fleisch.


    Vespula germanica 5.1.21



    Sehr erfreulich und ein ganz wichtiger Moment in ihrer nun beginnenden Nestgründungsphase.

    Ich hoffe nun sehr, das Tier an die Gabe von Fleisch weiter gewöhnen zu können. Diese Wespen sind besonders flexibel und lernfähig. Ich vermeide mit Mühe das Wort "besonders klug". Ich denke, dass die Wespe nun gelernt hat, dass so ein Fleischstück lecker ist und sie wird auch in Zukunft Fleisch nehmen.

    Zumindest so lange, wie ich ihr nichts anderes anbieten kann.


    LG, Frank.

    Hallo Andreas, auch von mir ein Willkommen hier im eusozial.

    Sehr schöne, interessante Ameisen hältst du da. Auch ich freue mich auf weitere Berichte von Dir zu ihnen.


    LG, Frank.

    Hallo Leute,


    ich wünsche auch allen ein schönes, neues Jahr 2021.


    Es sollte möglich sein, dass das neue Jahr in mancherlei Hinsicht etwas besser wird als das vergehende. Deswegen, seid und bleibt optimistisch und feiert schön in das neue Jahr.


    LG, Frank.

    Eine Königin von Vespula germanica erwacht ganz langsam aus der Winterstarre.

    Sie hat sich bereits bewegt, die linken Flügel sind frei und nicht mehr in der typischen Schutzhaltung, in der die wertvollen Flügel von den Faltenwespen während der Winterruhe an den Körper angelegt werden. Die Flügel der rechten Körperseite sind noch an den Körper angelegt, unter den Hinterleib und unter den hinteren Beinpaaren.


    Vespula germanica


    Die Königin soll bei mir ihren Wespenstaat gründen. Ich bin gespannt, ob sie das tun wird und ob das gelingen kann.

    Jetzt wird sie erst einmal einige Tage oder Wochen ausruhen, sich erholen, viel fressen und hoffentlich dann bald den Drang verspüren, ein Nest zu bauen.

    Darüber werde ich berichten. Wenn es klappt...


    LG, Frank.

    Die jungen Königinnen der Feldwespen hatten irgendwie noch sehr wenig Interesse, ihre Winterruhe zu beenden. Trotz warmer Temperaturen verließen sie kaum einmal das alte Nest, kehrten immer wieder nach kurzer Zeit dort hin zurück und verschliefen dann die ersten Tage. Zucker wurde aber sehr gern genommen, gemischt mit etwas Weiselsaft.


    Wunderschön, dabei rund und gesund.


    Polistes dominula


    Das noch zurückhaltende Verhalten der Königinnen gab mir die Gelegenheit, noch einmal nachzudenken. Was würde geschehen, wenn nicht alle Königinnen zusammen blieben und wenn drei oder mehr verstoßen würden? Was könnte ich dann machen? Wenn es zu Auseinandersetzungen käme und wenn sich eben nicht, wie es eigentlich nötig wäre, sechs der Königinnen einer siebten unterordnen würden? Ausweichen konnten sich die Tiere ja nicht, der Platz im Terrarium ist begrenzt, man würde sich ständig begegnen und es würde am Ende vielleicht sogar zu erbitterten Kämpfen kommen. Dass sieben Königinnen gemeinsam gründen würden, erschien mir auch immer zweifelhafter. Drei oder vier können das sicher, am ehesten und häufigsten vielleicht zwei. Aber sieben?

    Das will ich ja nun gar nicht haben, denn jedes der Tiere verdient eine gute Chance, einen "selbstgewählten" Weg zu gehen. Aber bei der Konstellation wäre es vielleicht dazu gekommen, dass ich irgendwann einzelne Königinnen separieren müsste. Nur wohin? Natürlich kann ich nicht mehrere große Terrarien bereit halten.

    Noch sind die Königinnen einträchtig und friedlich beisammen und sind bereit, gemeinsam ihre Winterruhe fortzusetzen.


    Also lass ich sie ihre Winterruhe fortsetzen. Jetzt bin ich froh, dass die Königinnen nach drei Tagen noch nicht so recht in der Stimmung waren, etwas zu unternehmen. Die kurze Warmphase dürfte ihnen wenig ausmachen, wärmere Perioden erleben diese Wespen auf ihren Nestern auch an den typischen Niststandorten, unter Dachziegeln etc. im Winter, wo sie auf den alten Nestern in Überwinterungsgemeinschaften ausharren. Kurze Warmphasen lösen noch nicht den Drang aus, auszufliegen und mit dem Gründungsverhalten zu beginnen.


    Im Terrarium wird demnächst eine andere, allein gründende Wespe leben.


    LG, Frank.

    Noch immer schlüpfen junge Männchen aus den verdeckelten Zellen des verlassenen Nestes der Polistes nimpha. Die wenigen Arbeiterinnen hatten ganze Arbeit geleistet und einiges an Brut aufgezogen. Ich bringe es nicht fertig, diese männlichen Tiere zu töten. Eine Perspektive haben sie ja leider nicht mehr, sie werden nicht mehr versorgt. Es gibt keine Arbeiterinnen mehr. Ich lassen ihnen ein paar Tage, lange leben sie ohnehin nicht.


    Wespenmännchen Polistes nimpha


    Interessant ist, dass die jetzt allein schlüpfenden Männchen nach dem Schlupf sofort das Nest verlassen. Das ist recht ungewöhnlich, denn bei den meisten, zumindest bei den wenigen mir bekannten Arten (...der Polistinen) bleiben die Männchen auf dem Nest, verlassen es zu ihren Kopulationsflügen, kehren jedoch immer wieder zurück. Hier lassen sie sich dann füttern und putzen, beteiligen sich aber auch an der Brutpflege und an der Trophallaxis mit den Larven und Arbeiterinnen. Auch hier blieben die Männchen am Nest, solange es noch Arbeiterinnen/weibliche Tiere gab und beteiligten sich aktiv am Sozialleben.

    Die gegenseitige Fütterung zwischen den Larven und den erwachsenen Tieren spielt bei den sozialen Faltenwespen eine große Rolle, sie tut es aber sicher auch bei anderen sozialen Insekten wie den meisten Ameisen.


    Jedenfalls sind die Männchen der Polistinen sehr nesttreu, kehren immer zurück, bis sie irgendwann im Freiland sterben oder aber, das geschieht auch, vom Nest vertrieben werden. Insofern ist es erstaunlich, dass diese jungen Männchen hier bei mir das Nest sofort verlassen. Es zeigt, wie wichtig auch der soziale Austausch und Kontakt mit den anderen erwachsenen Wespen am Nest ist. Ohne ihn ist die Bindung an das Nest gering.


    LG, Frank.

    Nachdem nun am Freitag nur noch eine der weiblichen Feldwespen lebte, dafür aber weitere männliche Tiere geschlüpft waren, habe ich den Versuch beendet. Diese letzte weibliche Wespe war natürlich völlig überfordert mit der Versorgung der Brut und der Männchen.

    Ich hoffe, dass ich diese Art im nächsten Frühjahr/Sommer wieder hier beobachten kann.


    LG, Frank.

    Nun wird es leider Zeit, dass ich mich von den schönen, zierlichen Feldwespen dieser Spezies (Polistes nimpha) für dieses Jahr verabschiede.

    Es leben jetzt noch drei der weiblichen Tiere und tapfer haben die drei Wespen den Nachwuchs aufgezogen. Leider jedoch männliche Nachkommen, diese drei Tiere sind also nicht begattet. Wahrscheinlich also sind es die letzten Arbeiterinnen der Kolonie des vergangenen Sommers, die ich vor Wochen mit dem Nest in das Terrarium setzte. Könnte sein, dass die Jungköniginnen dieser Art nicht auf dem Nest überwintern, wie das bei verwandten Arten vorkommt. Das wäre auch verständlich, denn die Nester von Polistes nimpha sind an ihren Standorten normalerweise völlig der Witterung ausgesetzt.


    Es war eine schöne Zeit mit diesen Feldwespen, die im Sommer bei mir im Garten lebten und die mir jetzt im Herbst auch im Terrarium einige schöne Momente der Beobachtung bescherten.


    Ein Bild des Nestes von gestern. Zwei größere Arbeiterinnen, daneben die jungen Männchen, die in den letzten Tagen schlüpften. Einige der Männchen ruhen in den Zellen der Brutwabe.


    Polistes nimpha, 26.11.20


    Wirklich schade. Denn die Art baut ihre Brutwaben vertikal, was einen sehr schönen Einblick in das Sozialleben ermöglicht.

    Aber die kleine Restkolonie hat nun keine Perspektive mehr.


    LG, Frank.

    Im Moment leben von den neun Weibchen der alten Sommer-Kolonie, die ich vor einem Monat in das Terrarium setzte, noch fünf Tiere.

    Das Männchen ist vor einer Woche etwa verstorben. Vier der fünf Weibchen sind noch sehr aktiv und zwei von denen sind noch in der Lage, fliegend im Terrarium Besorgungen zu erledigen. Ein weiteres Tier erledigt kletternd und fliegend solche Aufgaben. Auch spannend, die Feldwespen überleben hier viel länger als im Freiland und sind dann in der Lage, auch laufend zu jagen und laufend und kletternd zum Nest zurück zu kehren. Beobachtungen, die man so im Freiland nie macht.


    Ins Terrarium habe ich einige Drosophila entlassen, diese werden am Boden laufend gejagt. Das Jagdverhalten der etwas invaliden, alten Wespen erinnert dann an Ameisen wie die Gigantiops. Sie laufen hinter den Drosophila hinterher und erhaschen diese mit den Vorderfüßen und Kiefern.

    Die Drosphila sind nur als "Überbrückung" da für die Zeiten, in denen ich nicht da bin und füttern kann. Wenn ich daheim bin, gibt es Wachsmaden. Diese werden gut genommen, sie passen fast perfekt in das Beuteschema dieser Wespen.

    Mit der Entwicklung des Brutnestes kann man zufrieden sein. Die ersten Larven haben begonnen, sich zu verpuppen. Weitere Larven wachsen auf.

    Spannend wird der Moment, wenn erste junge Tiere schlüpfen. Ich hoffe, dass dies weibliche Tiere sein werden. Ich befürchte aber, dass die Wespen Männchen aufziehen und dann die Kolonie zum Untergang verurteilt ist.

    Aber bleiben wir optimistisch. Denn das sieht ja gut aus.


    P. nimpha Nest 13.11.20


    Weiter gehen wird es hier in jedem Fall mit sozialen Faltenwespen.


    Allen ein schönes Wochenende. Frank.

    Die Feldwespen ziehen Nachwuchs auf. Erste Larven sind geschlüpft. Eigentlich hatte ich das nicht so schnell erwartet und es hätte mich nicht verwundert, wenn das so nicht eingetreten wäre. Kurz gesagt, ich bin ziemlich erstaunt.

    Ich gehe davon aus, dass diese Wespe tatsächlich noch die Altkönigin der Kolonie ist. Mit Sicherheit wird man das nie sagen können, als Indiz dafür können ihre abgenutzten Flügel gelten. Ein weiteres Indiz wäre es, wenn tatsächlich befruchtete Eier gelegt wurden und weibliche Tiere, Arbeiterinnen oder Jungköniginnen, aufgezogen werden. Vorstellbar ist es für mich, dass die Altkönigin noch lebt. Die Königinnen der Feldwespen legen in der Brutperiode längst nicht so viele Eier wie die Königinnen anderer Wespenarten, deren Völker ja viel größer werden. Bei den Feldwespen herrscht weniger "Stress", alles geht ruhiger von statten, weil die Kolonien klein bleiben. Freilich aber haben die einzelnen Tiere, vor allem natürlich die Arbeiterinnen trotzdem reichlich zu tun und werden daher normalerweise auch nicht sehr alt, vielleicht drei bis fünf Wochen im Sommer.

    Weil die Königinnen nicht sehr viele Eier legen, im Vergleich zu anderen sozialen Hautflüglern, hoffe ich, dass der Spermavorrat noch ausreicht und die Eier befruchtet sind. Das sehen wir dann.


    Tolle Entwicklung, finde ich.


    Polistes nimpha 31.10.20


    LG, Frank.

    Ein Blick auf das Terrarium, in dem die Feldwespen leben.


    Polistes nimpha Terrarium


    Das Terrarium gehört ihnen jetzt allein, die Ameisen wurden in ein anderes Becken umgesetzt. Zwar gab es keine Konflikte zwischen den Ameisen, Camponotus fulvopilosus und den Feldwespen, trotzdem wollte ich nicht riskieren, dass es zu solchen kommen könnte. Die Wespen hätten ihre Nester nicht verteidigen können. Doch, wie gesagt, diese Ameisen zeigten nie Interesse, den Wespen näher zu kommen. Obwohl sie ständig hungrig waren und große Mengen an Brut aufzogen und aufziehen.

    Für die Wespen wollte ich das Terrarium aber etwas umgestalten. Mehr Pflanzen, für die Pflanzen ein guter Erdboden usw.. Ameisen halten in einem solchen Becken geht da dann nicht mehr (für mich), die Ameisen würden sich nicht einsehbare Erdnester anlegen und sich jeder Kontrolle entziehen.

    Heute war ich noch einmal am Fundort der Feldwespen, wo ich sie im Sommer einsammelte. Ich holte einige trockene, dürre Kraut- und Pflanzenstengel. Die Wespen sollen die Möglichkeit haben, diese zu prüfen und bei Bedarf hier Baumaterial für eine mögliche Nesterweiterung zu besorgen. Tatsächlich wurden die Pflanzenstengel sofort von zwei der Wespen untersucht, angeflogen, belaufen und befühlert.

    Rechts im Terrarium sieht man die beiden Waben meiner Polistes nimpha-Kolonien. Beide habe ich dicht beieinander untergebracht, um so die weitere Gewöhnung aneinander der Wespen der verschiedenen Kolonien voran zu bringen. Leider werden zwei der Wespen der kleineren Kolonie noch immer nicht wirklich geduldet. Von diesen vier Wespen haben sich zwei der größeren Kolonie anschließen dürfen, zwei jedoch übernachten noch immer allein auf dem unteren Nest oder in der Vegetation. Vielleicht sind dies relativ dominante Tiere, die sich nicht in das soziale Gefüge einpassen können oder wollen. Ich habe beobachtet, dass die Wespen der zweiten Kolonie, die ja erst später hinzu kamen, von einigen Wespen der ersten, stärkeren Kolonie gemobbt, dominiert und gebissen und gezerrt wurden. Die dominanten Wespen der ersten Kolonie stellten sich dann oft über die Neuankömmlinge und gingen sehr ruppig mit ihnen um. Nicht alle Wespen der zweiten Kolonie überstanden dieses Prozedere, die zwei jedoch nun akzeptierten Tiere duldeten dieses Verhalten und konnten sich so wohl in das Gruppengefüge einordnen. Jedenfalls gehören sie nun zur Kolonie und ich beobachte auf der Wabe keine Auseinandersetzungen zwischen den Tieren.

    Im Freiland fand ich heute natürlich keine bewohnten Nester dieser Art mehr. Insofern ist das Ganze schon ungewöhnlich. Aufgrund der günstigen Nestplatzsituation, die die Feldwespen hier in meiner Veranda über den Sommer bis in den Herbst hatten, überlebten viele Arbeiterinnen und sogar ein Männchen bis in den späten Oktober. Diese Nester waren nicht dem Regen und der Witterung ausgesetzt, wie sie es im Freiland an den typischen Nistplätzen der Art nun einmal sind. Dort gehen die Kolonien mit den ersten kühlen Herbsttagen und jetzt einsetzenden, kalten Dauerregen zugrunde. Kälte, Nässe und Hunger töten die Wespen. Das war hier nicht so, immer wieder gab es Zucker und der Regen erreichte die Nester nicht. Erstaunlich ist, wie lange die letzten Wespen dann, bei den jetzt noch günstigeren Bedingungen im Terrarium leben können und das es sogar den Anschein hat, als ob die Wespen sogar wieder beginnen wollen, wieder Nachwuchs aufzuziehen. Es ist noch zu früh, anzunehmen, dass dies gelingen wird. Aber alles sieht vielversprechend aus.


    Soviel erstmal. Mal sehen, was diese Woche bringt.


    LG, Frank.

    Unter den Feldwespen lebt noch ein Männchen. Es wird von den Arbeiterinnen und Jungköniginnen versorgt und hat eigentlich ein sorgloses Leben. Ab und zu fliegt er im Terrarium herum, fliegt aber immer wieder zum Nest zurück, um sich auszuruhen und sich füttern zu lassen. Männchen sind bei diesen Feldwespen an der alienhaften Maske erkennbar, das Gesicht und die Facettenaugen schimmern. Außerdem sind die Fühlergeißeln am Ende eingekrümmt.


    Natürlich kann ein solches Männchen nicht stechen, ihm fehlt der Stachel, über den die weiblichen Tiere verfügen. An seiner Stelle sind bei ihm die männlichen Fortpflanzungsorgane.


    Polistes nimpha Männchen 24.10.20


    Ruhen und sonnen auf dem Nest.


    Feldwespen sind wahre Flugakrobaten.

    Der manchmal relativ langsame Flug der Tiere kann darüber hinweg täuschen. Diese Wespen fliegen bei ihren "normalen" Besorgungen wie Wasser und Nektar sammeln und eintragen, wie Baumaterial beschaffen usw. oft relativ langsam. Das tun sie aber vor allem, um Energie zu sparen und weil nur bei der Jagd ein schneller Flug nötig ist. Beobachtet man jagende Feldwespen im Gestrüpp niedriger Vegetation, sind die Tiere manchmal so flink, dass man ihnen mit den Augen kaum folgen kann.

    Die großen Flügel dieser Wespen ermöglichen ihnen schnelle Manöver auf engsten Raum, das erlaubt die Jagd in dichter Vegetation auf Raupen, Spinnen und andere Gliedertiere. Die großen Flügel nutzen sich aber ab. Bei alten Tieren sind die Flügel manchmal bis zur Hälfte verschlissen und abgenutzt, es fehlen manchmal halbe Vorder- und Hinterflügel auf beiden Seiten des Thorax. Erstaunlicherweise können die Tiere nun immer noch fliegen, sicher aber nicht mehr so energiesparend.

    Im Freiland mit manchmal kühlen Temperaturen bedeutet das dann den Tod der Tiere. Hier im Terrarium sind Kohlehydrate und ausreichende Wärme immer verfügbar, so können selbst sehr alte Arbeiterinnen mit sehr abgenutzten Flügeln lange leben und fliegen.

    Diese alte Arbeiterin hat vielleicht fast 30 Prozent oder mehr ihrer Flügel verloren und abgenutzt. Noch immer kann das Tier gut und sogar wendig fliegen, sich im Raum orientieren und navigieren.


    Polistes nimpha, Arbeiterin


    Es macht einen Heidenspaß, den Tieren zu zusehen. Eine der vermeintlichen Königinnen, vermutlich eine Altkönigin, hat mit der Eiablage begonnen, wie es vorhin aussah. Es ist eine der größeren Feldwespen, mit ebenfalls abgeflogenen, verschlissenen Flügeln. Ich bin gespannt, was mich noch erwartet.

    Wundervolle Tiere.


    LG, Frank.

    Scheint so, als hätten die Wespen noch etwas vor. Es sieht nicht so aus, als ob sie sich auf den Untergang der Kolonie vorbereiten und als ob sich die jungen Königinnen, es werden wohl zwei oder drei hier dabei sein, sich nur auf eine kommende Winterruhe vorbereiten.

    Heute waren die Wespen irgendwie etwas unruhig, flogen mehr als sonst im Terrarium herum. Ich bot ihnen einen Thorax einer Grille an, als ich die Ameisen fütterte. Gierig stürzten sich die Feldwespen auf das frische Insektenfleisch.


    Polistes nimpha 18.10.20


    Das sind nicht die ersten Feldwespen, die ich so halte. Aber es sind die ersten, die so gierig fressen, das, obwohl sie im Moment doch gar keine Larven haben. Es besteht also Bedarf an Proteinen und sie sind weniger wählerisch als andere Arten es waren.

    Erfreulich, vielleicht bleiben sie mir ein Weilchen erhalten und es scheint so, als würde es ihnen richtig gut gehen.


    LG, Frank.

    Hallo Doim.

    Herzlich willkommen bei uns. Schön, dass du hier bist.

    Da hast du ja eine ganze Menge Ameisenarten. Schön, davon zu lesen. Aber wer du jetzt bist, hast du nicht gesagt... Du bist 17 Jahre alt, das habe ich gesehen. Du liest in diesem Forum, eine kluge Wahl. Aber viel mehr wissen wir nicht von dir.

    Vielleicht magst du dich ja mal vorstellen?


    LG, Frank.

    Die Feldwespen sind schon ganz besondere Tiere. Ihr Verhalten ist sehr komplex und hält immer wieder Überraschungen für den Beobachter bereit. Die Tiere sind Individuen, eusozial in jeder Hinsicht, aber die Einzeltiere verhallten sich unterschiedlich und zeigen durchaus individuelle, fast egoistische Verhaltensweisen. Das geht auch in Ordnung, solange die Ordnung hält und des gesellschaftliche Gefüge funktioniert. Das alles ist bekannt, die Rangkämpfe und Beziehungen zwischen den Tieren einer Kolonie oder einer Gründungsgemeinschaft junger Weibchen wurden bei verschiedenen Arten bereits untersucht.


    Ich hatte in diesem Sommer zwei Kolonien dieser Art (Polistes nimpha) neben einer Kolonie der Polistes dominiulus hier bei mir. Zwischen den Tieren der Kolonien der Polistes nimpha herrschte stets unerbittliche Feindschaft an den einzelnen Nestern, fremde, manchmal aus Versehen anfliegende Artgenossen wurden hier absolut nicht geduldet. Das bemerkte ich zB. auch daran, dass, wenn ich eine am frühen Morgen klamme Arbeiterin oder eine alte, abgeflogene und an den Flügel versehrte Arbeiterin vom Boden aufnahm und auf eines der Nester zurück setzte, diese sehr aggressiv angegangen wurde und oft beinahe getötet wurde, wenn ich sie auf das falsche Nest gesetzt hatte, dem sie nun einmal nicht angehörte. Auf jedem Fall wurde sie hartnäckig und fast brutal vom Nest geworfen. Das konnte nun leider leicht geschehen, beide Nester waren nur etwa zwei Meter voneinander entfernt und so war die Zugehörigkeit einer solchen Arbeiterin zum einen oder zum anderen Nest nicht leicht zu erkennen. Versuch und Irrtum, der dann für die Arbeiterin u.U. schmerzhaft endete.


    Nun konnte ich jetzt nicht widerstehen und nahm auch die letzten Arbeiterinnen, vier an der Zahl, vom zweiten Nest mit in das Terrarium. Auch sie sollten nicht draußen sterben oder erfrieren. Natürlich wurden sie im Terrarium auf dem Nest der ersten Kolonie nicht akzeptiert, die ansonsten lethargischen und ziemlich ruhigen Wespen der ersten Kolonie gerieten sofort in helle Aufregung und vertrieben die fremden Wespen gewaltsam vom Nest.


    Was tun? Eine Duftangleichung der Tiere durch Besprühen mit süßen Tee oder anderen Mitteln erschien mir hier als nicht sehr erfolgversprechend. Diese Wespen kennen ihre Schwestern und Freundinnen ja auch individuell, das Besprühen mit duftenden Flüssigkeiten würde also vielleicht nicht funktionieren, würde aber einen radikalen, traumatischen Eingriff bedeuten. Das wollte ich den Tieren nicht als erstes zumuten. Eine andere Möglichkeit musste mir einfallen, um die Tiere dazu zu bringen, "Freundschaft" zu schließen oder wenigstens dazu, sich zu tolerieren.

    Ich habe nun das zweite Nest ebenfalls in das Terrarium gehängt, unmittelbar unter dem ersten. Die Folge war, dass die Angriffe sofort viel weniger wütend waren und die Wespen des ersten Nestes sogar neugierig das zweite Nest inspiziert haben. Jetzt ist das Ganze soweit gediehen, dass einige der Wespen des zweiten Nestes sich auf dem Nest der ersten Kolonie aufhalten dürfen, ohne vertrieben zu werden.

    Fast scheint es so zu sein, als ob die Wespen der ersten Kolonie, die zuvor die anderen, fremden Tiere radikal angriffen, nun erkannt haben, dass dies nicht irgendwie "vaterlandslose", räuberische Gesellinnen sind, sondern, dass auch diese ein Nest haben und also "ordentliche" Polistinen sind. Die Akzeptanz ist jedenfalls viel größer geworden und es gibt zwischen den Tieren durchweg Trophallaxis. Es kann sein, dass zwischen den Tieren weiterhin Reibereien auftreten, dass sind dann aber gewaltreduzierte Rangkämpfe mit eher rituellen Charakter. Ohne den Willen, den anderen zu vernichten oder zu töten.


    Irgendwie ähneln diese Polistinen uns Menschen ja schon. Wenn jemand etwas zu besitzen scheint, steigt die Akzeptanz bei den Artgenossen...:denken:


    Noch einmal ein Foto von vorhin. Fast alle sitzen auf dem ersten Nest. Auf der Rückseite halten sich ebenfalls Wespen auf.


    Polistes nimpha 17.10.20


    LG und ein schönes Wochenende. Frank.

    Während bei den Polistes dominulus längst alles zu Ende ist, flogen die Polistes nimpha, Jungköniginnen, Arbeiterinnen und Männchen bis vor kurzem. Noch gestern sah ich einzelne Tiere fliegen und zum Nest zurück kehren, als die Sonne nachmittags etwas schien. Sie fliegen also bis weit in den Oktober, das ist erstaunlich.

    Heute habe ich mich der letzten erbarmt und sie ins Warme geholt. Sie leben nun im Terrarium. Gemeinsam mit den südafrikanischen Camponotus fulvopilosus. Geht nicht anders im Moment, das ist das größte Terrarium mit etwas Flugraum, dass ich im Moment "betreibe". Wenn sich die Ameisen und die Wespen begegnen, kommt es zu zurückhaltenden, eher respektvollen Drohungen. Die Ameisen lassen die größeren Wespen in Ruhe und die Wespen wollen nur ihre Ruhe haben...

    Mal sehen, wie lange diese sechs letzten Wespen zurecht kommen. Ich werde sie füttern und versuchen, ihnen einen schönen Lebensabend zu sichern.


    Ich finde sie einfach nur wunderschön...


    Polistes nimpha


    So viel erstmal in aller Kürze.


    LG, Frank.